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US-Parteitag der Demokraten: 

Obamas Vize kommt und schlägt um sich

28. Aug 2008 16:34
Joe Biden mit seiner 90-jährigen Mutter auf dem Parteitag in Denver
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Obamas Vize-Kandidat Biden hat in Denver seine Mission erfüllt: Er zeigte sich von seiner menschlichen Seite und griff den republikanischen Rivalen McCain scharf an: «Amerika braucht mehr als einen mutigen Soldaten».

US-Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden hat im Rennen um das Weiße Haus eine neue Phase eingeläutet. Beim Parteitag der Demokraten in Denver holte er zu einem verbalen Rundumschlag gegen den Republikaner John McCain und US-Präsident George W. Bush aus. Zuvor hatte er seine offizielle Nominierung angenommen.

«In dieser schwierigen Zeit braucht Amerika mehr als einen mutigen Soldaten», rief der erfahrene Außenpolitiker in Anspielung auf den Vietnamkriegs-Veteranen McCain den Delegierten zu. «Amerika braucht einen klugen Führer, der den Wechsel bringen kann, den das Land so dringend benötigt», fügte er mit Blick auf den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama hinzu.

Er zollte dem republikanischen Herausforderer McCain zwar Respekt für dessen Militärdienst und fünfjährige Kriegsgefangenschaft. Doch diese Qualifikation reiche für eine Präsidentschaft nicht aus. Vier Mal hintereinander wiederholte Biden: «McCain hat sich geirrt.» Die wichtigsten Themen dieser Zeit habe er falsch eingeschätzt, während Barack Obama beim Thema Afghanistan und Irak Recht behalten habe.

Freudscher Versprecher

John McCain
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McCain habe die Politik von US-Präsident George Bush unterstützt, sagte Biden weiter. Eine Politik, welche der amerikanischen Wirtschaft schwer geschadet und die Amerikaner in einen Krieg geführt habe, der die Steuerzahler zwölf Milliarden Dollar monatlich koste. Präsident Bush warf er eine «katastrophale Außenpolitik» vor, die das Land in die Isolation geführt habe. Biden nannte den weißhaarigen Republikaner, der am 29. August seinen 72. Geburtstag feiert, mehrfach «George», entschuldigte sich dann aber lachend für die »Freudschen Versprecher«, wie die »New York Times« berichtete.

Schwere Vorwürfe erhob Biden auch gegen die Wirtschaftspolitik der Republikaner, die etwa durch Steuergeschenke an die Reichen und die Ölindustrie gekennzeichnet sei. Dagegen gehe es der Mittelklasse immer schlechter, der Amerikanische Traum vom Wohlstand aller verschwinde immer mehr. McCain aber zeige mit seiner Unterstützung für Bush, dass er die wirtschaftlichen Sorgen der Mittelklasse nicht verstehe.

Mission erfüllt

Obamas Strategen dürften mit Bidens Auftritt zufrieden gewesen sein. Der 66-Jährige erfüllte seine Mission, sich menschlich zu geben und den republikanischen Widersacher anzugreifen. Ersteres gelang dem Polit-Profi, indem er über den tödlichen Autounfall seiner Frau und Tochter sprach sowie über seine 90-jährige Mutter, die ihm half, sein Stottern zu überwinden.

Der 44-jährige Präsidentschaftskandidat braucht den Außenpolitiker und Scharfmacher dringend an seiner Seite, denn nach dem brachialen Vorgehen Russlands im Kaukasus hat McCain Aufwind. Landesweit genießt er einer Umfrage vom 19. August zufolge mit 47 Prozent einen Vorsprung von fünf Prozentpunkten. Mehr als die Hälfte der US-Bürger waren zu diesem Zeitpunkt überzeugt, dass McCain mit Russland besser umgehen könnte als Obama, dem dies nur 27 Prozent zutrauten. Biden dagegen kann mit seiner internationalen Erfahrung Obamas Schwäche ausgleichen. Erst kürzlich war der Vorsitzende des Ausschusses für Außenpolitik in Georgien, um dort im Krieg mit Russland zu vermitteln.

Biden hat sich die traditionelle Rolle des Vize-Kandidaten rasch zu eigen gemacht. Dick Cheney hatte das Beißen und Stechen vor vier und acht Jahren für George W. Bush übernommen. Obama selbst «kann nicht zurückschlagen», zitiert die «Los Angeles Times» Jesse Jackson Junior, Sohn des gleichnamigen schwarzen Bürgerrechtlers, und enger Freund von Obama. «Er muss immer freundlich lächeln, weil niemand einen zornigen Afro-Amerikaner im Weißen Haus haben will.»
 
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