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US-Parteitag der Demokraten: 

Bill Clinton ist doch kein Spielverderber

28. Aug 2008 10:29
Bill Clinton preist in Denver Obama und überrascht dessen Anhänger
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Aufatmen im Obama-Lager: Bill Clinton zerstreute mit einer fulminanten Rede alle Ängste, er würde nicht voll und ganz hinter dem Präsidentschaftskandidaten stehen. In Denver pries er Obama, wie es kaum jemand erwartet hatte.

Als Bill Clinton die Bühne der Pepsi-Sporthalle betritt, will der Jubel der Delegierten nicht enden. Auch Michelle Obama lächelt, klatscht, aber ihre Anspannung ist spürbar, ihre Lippen sind leicht zusammengepresst. Ihr geht es wie vielen im Wahlkampfteam Barack Obamas: Ihnen war bang vor diesem Abend.

Denn Clinton ist ein gefürchteter Spielverderber, «der schon oft anderen die Show gestohlen hat», so das Magazin «The Hill». 2004 hatte Clinton mehr über seine Erfolge als Präsident gesprochen, denn den damaligen Kandidaten John Kerry zu preisen - wie es sich auf einem Nominierungsparteitag gehört. Aber nach der Rede Clintons strahlte die Ehefrau Obamas wie alle anderen in der aufgewühlten Arena.

Seine beste Rede

Hillary Clinton auf dem Parteitag in Denver
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Doch Bill Clinton spielte mit: In einr fulminanten Rede beschrieb er Obama als den Mann, der dazu bestimmt ist, Amerika aus internationaler Isolation und der Wirtschaftskrise daheim zu führen, der die «amerikanische Führung in der Welt wieder herstellen» könne. «Die beste Rede Clintons, seit er das Weiße Haus verlassen hat», schwärmte Ex-Präsidentenberater David Gerken. Clinton pries Obama in einer Weise, wie es kaum jemand erwartet hatte. «An der Bill-Clinton- Front muss noch gearbeitet werden», hatte Hillary Clintons Ex- Wahlkampfstratege Howard Wolfson in der «New Republic» geschrieben.

Schließlich hatte Bill Clinton im Vorwahlkampf Obamas Aufstieg als «großes Märchen» bezeichnet. Clinton soll es tief empört haben, dass das Obama-Lager ihn beschuldigte, im Vorwahlkampf die «rassistische Karte» gespielt zu haben - schließlich galt Clinton, der sich stets für Minderheiten einsetzte, als «der erste schwarze US-Präsident», wie ihn die Schriftstellerin Toni Morrison bezeichnet hatte.

Clinton stand für eine neue Politik

Wann immer Clinton bisher über Obama sprach, schien man seine Abneigung zwischen den wohl gesetzten Sätzen heraushören zu können, glaubte man seine Verbitterung zu spüren, dass nicht seine Frau, sondern der junge Außenseiter aus Illinois das innerparteiliche Rennen gemacht hatte.

Aber an diesem historischen Tag, an dem die Demokraten erstmals in der US-Geschichte einen schwarzen Politiker zum Präsidentschaftskandidaten gekürt hatten, schenkte Bill Clinton Obama mehr als nur die formale Unterstützung. Er verknüpfte sein eigenes politische Leben mit dem des Senators aus Illinois. Clinton erinnerte an seinen ersten Wahlkampf 1992, als ihn die Republikaner als «zu jung und zu unerfahren» hinstellten. «Erinnert euch das an etwas?», fragte Clinton lachend die begeisterten Delegierten.

Die Botschaft war eindeutig: Obama steht heute für den Wandel und eine neue, demokratische Politik, so wie ich, Bill Clinton, damals für eine neue Politik stand - und gewann. Die Rede Clintons war für Obama fast wie ein Ritterschlag durch den Mann, der den Demokraten als einziger seit Harry S. Truman (Präsident 1945 - 1953) zweimal einen Wahlsieg bescherte.

Ein guter Verlierer

Nichts war von den immer wieder kolportierten Zweifeln Clintons zu spüren, ob Obama wirklich gegen den Republikaner John McCain gewinnen könne. Dem Ex-Präsidenten gelang es, glaubwürdig Obama zu preisen - so ähnlich wie es Hillary am Vorabend gemacht hatte. Er verbarg nicht, dass er natürlich lieber «meinen Kandidaten», seine Frau eben, im Kampf ums Weiße Haus gesehen hätte.

Bill Clinton erwies sich damit nicht nur als guter Verlierer - er rechtfertigte die spürbare Verehrung seiner Partei, indem er demonstrativ das Interesse der Demokraten über das seiner Familie stellte. Clinton beschrieb Obama als einen Mann, «der inspiriert und motiviert» - und der das Land in einer bessere Zukunft führen wird, eben so, wie er es selbst ab 1992 getan hatte. (Von Laszlo Trankovits, dpa)

 
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