27. Aug 2008 14:47
Hillary Clintons überzeugender Auftritt hat Obamas Strategen sicherlich begeistert. Große Sorge bereitet indes Ehemann Bill: Das Verhältnis zwischen dem Ex-Präsidenten und Obama ist seit dem Vorwahlkampf schwer beschädigt.
«Obama mag Bill Clinton nicht, und Clinton weiß das», zitiert die Zeitung einen langjährigen Berater des früheren Präsidenten. Während des Vorwahlkampfes hatte Bill Clinton scharfe persönliche Attacken gegen Obama gefahren. So nannte er den Aufstieg des schwarzen Senators «ein großes Märchen». Ihn zu wählen, wäre, als würde man würfeln. Auf die Frage nach der Bedeutung von Obamas Vorwahl-Sieg in South Carolina, hatte Bill Clinton entgegnet, dass auch der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson in diesem Staat gewonnen hatte. Das brachte ihm den Vorwurf ein, die Rassenfrage zu instrumentalisieren. Vor allem Senator Edward Kennedy zeigte sich von der Art des Clinton-Wahlkampfes enttäuscht und sprach daraufhin Barack Obama öffentlich seine Unterstützung aus.
Über den Rassismus-Vorwurf im Vorwahlkampf sei er inzwischen hinweg, meinen Freunde von ihm. Schließlich sei er wie auch Obama ein Polit-Profi. Allerdings ärgere er ihn noch etwas ganz anderes: So muss er auf dem Parteitag über das Thema Nationale Sicherheit reden, wo doch seine Stärken in der Wirtschaft liegen, die unter seiner Führung boomte.Dennoch ist auch der demokratische Stratege Paul Belaga zuversichtlich: «Ich denke, dass Clintons Auftritt besser sein wird, als manche wegen der schwierigen Beziehung zwischen den beiden befürchten», sagte er dem US-Nachrichtensender CNN. «Die Wunden sind wahrscheinlich noch nicht ganz verheilt, aber ich bin sicher, dass Clinton und Obama alles tun werden, um diese Differenzen zu überwinden.»
Obamas Sprecher Bill Burton bemüht sich ebenfalls, die Probleme zwischen den beiden herunterzuspielen: «Sie kennen sich nicht besonders gut», zitiert ihn die «Washington Post». Dennoch suche Obama Clintons Rat. So hätten die beiden in der vergangenen Woche eine halbe Stunde lang miteinander telefoniert und über den Parteitag, die Kampagne und andere Probleme gesprochen. Auch nach Hillary Clintons Rede habe der Präsidentschaftsanwärter Bill Clinton angerufen, um die First Lady zu loben und sich für die Unterstützung der Clintons zu bedanken.
Diejenigen die Clinton schon lange kennen, sind überzeugt, dass es nicht vieles bedarf, um den 62-Jährigen zu besänftigen. Mehr oder minder regelmäßige Telefonanrufe reichten bereits aus, um ihn zufrieden zu stellen, zitiert die Zeitung einen Vertrauten. Aufmerksamkeit sei schon immer sein Lebenselixier gewesen. «Wir wissen alle, dass Bill Clinton geliebt werden will. Rufe ihn an und rede mit ihm über die Olympischen Spiele oder das Kreuzworträtsel in der Sonntagsausgabe der 'New York Times'. Obama könnte auch einfach den Hörer beiseitelegen und Präsident Clinton reden lassen.» Worüber die beiden im Einzelnen bei ihrem jüngsten Telefonat gesprochen haben, wurde nicht bekannt. Sie seien aber auf dem richtigen Weg, hieß es aus Obamas Umfeld. Ein gemeinsamer Auftritt in einer schwarzen Gemeinde in Ohio oder Pennsylvania soll offenbar helfen, das Verhältnis wieder zu normalisieren.