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Parteitag der US-Demokraten: 

Die Obama-Superstar-Show

26. Aug 2008 07:35
Bussi für Daddy: Michelle Obama mit Töchtern
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Es gab ein emotionsgeladenes, ein tränenreiches Highlight, einen ersten formellen Schritt und der Geist Kennedys wurde noch einmal beschworen. Doch nicht alles war perfekt – die Clinton-Anhänger wollen nicht mitspielen.


Zum Auftakt ihres Parteitags in Denver haben sich die Demokraten in den USA nach einem erbitterten Vorwahlkampf um Geschlossenheit bemüht. Erster Höhepunkt der viertägigen Versammlung war am Montag eine emotionale Ansprache von Michelle Obama, der Frau des designierten Präsidentschaftskandidaten. Familienwerte und der amerikanische Traum seien zentrale Antriebskräfte für die Präsidentschaftskandidatur ihres Mannes Barack, führte Michelle Obama vor den mehr als 4000 Delegierten aus.

Sie beschrieb ihre eigene Kindheit in einer Arbeiterfamilie in Chicago. Barack Obama habe einen ähnlichen Werdegang gehabt und teile die gleichen Überzeugungen und Hoffnungen mit Millionen Amerikanern, sagte sie. «Ich liebe dieses Land», versicherte Michelle Obama mit Blick auf wiederholt öffentlich geäußerte Zweifel am Patriotismus ihrer Familie.

Daddy per Satellit

Zusammen mit ihrem Mann fühle sie sich verpflichtet, im Interesse ihrer und aller Kinder für eine bessere Zukunft zu kämpfen. «Ich bin überzeugt, dass Barack ein außergewöhnlicher Präsident sein wird», rief die 44-Jährige den Delegierten zu. Obama würde als Präsident dafür eintreten, den «Irakkrieg verantwortungsvoll zu beenden».

Nach der Rede holte sie ihre beiden Töchter Sasha und Malia auf die Bühne, während ihr Mann über eine Satellitenverbindung auf der Leinwand erschien und sich mit einem Gruß an die Versammlung wandte. Der Parteitag will Obama offiziell zum Präsidentschaftskandidaten wählen. Höhepunkt der Versammlung ist eine Rede Obamas am Donnerstag, in der er die Kandidatur annehmen will. Um ihm dafür ein möglichst großes Podium zu bieten, wurde diese Rede in ein Stadion in Denver verlegt, das Platz bietet für 75.000 Menschen.

Versöhnung noch nicht abgeschlossen

In einem ersten formellen Akt des Parteitags verabschiedeten die Demokraten ein Wahlprogramm, das zentrale Forderungen des designierten Präsidentschaftskandidaten Barack Obama enthält. Dazu gehören der Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten, ein Paket zur Belebung der Konjunktur, eine allgemeine Krankenversicherung und höhere Steuern für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Dollar (170.000 Euro).

Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi forderte die Partei zur Geschlossenheit auf. Sie räumte ein, dass der Prozess der Versöhnung nach dem erbitterten Vorwahlkampf zwischen Obama und Hillary Clinton noch nicht abgeschlossen sei. Es sei aber nicht produktiv, weiter in diesem Streit zu schwelgen, sagte Pelosi und erklärte vor den Delegierten: «Die Demokraten werden diese Versammlung in Denver geeint, organisiert und stärker denn je verlassen, um Amerika mit Barack Obama als Präsident und Joe Biden als Vizepräsident in eine neue Richtung zu bringen.»

«Der Traum lebt weiter»

Auch der an Krebs erkrankte Senator Edward Kennedy kam nach Denver
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Aufsehen erregte bei der Eröffnung des Parteitags die Anwesenheit des krebskranken Senators Edward Kennedy. Er rief zur Unterstützung Obamas auf und sagte: «Die Arbeit beginnt von neuem, die Hoffnung wächst wieder, und der Traum lebt weiter.» Trotz der andauernden Behandlung wegen eines Hirntumors sagte Kennedy, er verspreche, dass er auch nach der Wahl im November wieder seinen Sitz im Senat einnehmen werde. «Barack Obama steht für den Wandel, den wir brauchen», sagte Kennedy. Obamas Ziel sei «Erneuerung der Nation», sagte der krebskranke 74-Jährige. Viele der über 5000 Delegierten waren zu Tränen gerührt.

Auf dem Parteitag wurde auch ein Film zu Ehren Kennedys gezeigt, der als Idol der liberalen Bewegung in den USA gilt und die politische Dynastie des einst als Hoffnungsträger gewählten Präsidenten John F. Kennedy verkörpert. Die Wahl des Kandidaten beginnt am Mittwochabend, wenn die Delegierten der einzelnen US-Staaten ihre Stimmen abgeben. Die Parteitagsregie sieht dem Vernehmen nach vor, dass die Delegierten zunächst sowohl ihre Stimmen für Obama und Hillary Clinton abgeben. Dann aber soll Clinton ihre Delegierten aufrufen, für Obama zu stimmen.

Warnung vor «Idealisierung»

Hillary Clinton
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Obama zeigte sich am Montag überzeugt, dass seine ehemalige innerparteiliche Rivalin sowie deren Ehemann Bill nun voll hinter ihm stehen. Die Clintons hätten ihm ihre Unterstützung nicht deutlicher zeigen können, sagte Obama nach einem Wahlkampfauftritt in Iowa. Er habe Verständnis dafür, dass nach dem heftig geführten innerparteilichen Wahlkampf einige von Clintons Anhängern nun zögerten, ihn zu unterstützen. Der Parteitag in Denver werde jedoch dazu beitragen, die Demokratische Partei wieder zu einen und ihr die für einen Wahlsieg am 4. November notwendige Geschlossenheit geben, sagte Obama.

Nach jüngsten Umfragen wollen immer noch 30 Prozent der Anhänger Clintons den republikanischen Kandidaten John McCain wählen oder überhaupt nicht zur Wahl gehen. In den landesweiten Umfragen hat McCain zuletzt deutlich aufgeholt und liegt nun gleichauf mit Obama. Die Republikaner kommen in der nächsten Woche in St. Paul in Minnesota zu ihrem Parteitag zusammen.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, warnte in Denver vor einer «Idealisierung» Obamas. In Deutschland und Europa diene der charismatische Kandidat bei vielen als Projektionsfläche für eigene politischen Hoffnungen, sagte Bütikofer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch ein Präsident Obama werde an erster Stelle die Interessen der USA vertreten. Als erster schwarzer Präsident hätte Obama aber die Chance, das Ansehen der USA in der Welt zu verbessern. «Das würde auch politisch völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten der USA eröffnen.» (AP/dpa)

 
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