Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland
DruckenVersenden
 

Interview zu Joe Biden: 

«Das war eine Sicherheitswahl»

25. Aug 2008 17:16
Barack Obama und Joe Biden sind jetzt ein Team
Bild vergrößern
Wer Wandel verspreche aber einen Mann zum Vize wähle, der «schon Außenpolitiker war, als Obama gerade mal anfing zu studieren», könnte Glaubwürdigkeitsprobleme bekommen, warnt Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Interview mit Netzeitung.de.

Netzeitung.de: Wie bewerten Sie die Wahl Joe Bidens zum Vizepräsidentschaftskandidaten Barack Obamas?

Josef Braml: Das war eine Sicherheitswahl. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sie nicht doch mehr die Schwächen Obamas offen legt, als sie abzudecken. Er will mit der Wahl Joe Bidens, eines erfahrenen Außenpolitikers, seine schwache Seite bei diesem Thema abdecken, er macht sie aber auch deutlich, und das erinnert an George W. Bush und Cheney.

Viele Wähler könnten daran erinnert werden, dass nämlich auch jetzt ein außenpolitisch sehr unerfahrener Präsident regiert. Wenn man Wandel verspricht und sich dann einen Mann an die Seite stellt, der schon Außenpolitiker war, als Obama gerade mal anfing zu studieren, dann wird das mit dem Versprechen des Wandels und der Glaubwürdigkeit schwierig.

Netzeitung.de: Ist die Entscheidung für Biden also nützlich oder schädlich für Obama?

Braml: Ein Vize- Präsidentschaftskandidat muss entweder eine bestimmte Wählergruppe auf seine Seite ziehen oder einen Bundesstaat für ihn klar machen. Mir ist nicht klar,

Joe Biden war selbst Präsidentschaftskandidat im Vorwahlkampf
Bild vergrößern
warum Biden dieses Mal Pennsylvania für Obama gewinnen sollte, wenn er wie auch Obama diesen Bundesstaat im Vorwahlkampf schon gegen Hillary Clinton verloren hatte. Biden wird nachgesagt, dass er gut bei den Arbeitern ankomme, das sehe ich nicht so. Wenn es wirklich um die Wählerstimmen der Arbeiter ginge, hätte Obama Hillary Clinton mit ins Boot holen müssen.

Entscheidend für die Wahl Bidens waren Themen der nationalen Sicherheit. Bei einer außenpolitischen Krise wäre ein erfahrener Mann wie John McCain, der klare Positionen hat, gefragter. Sollte sich die Sicherheitslage aber ändern und das ist durchaus möglich – denken Sie an den Iran, die Gemengelage auf dem Kaukasus oder die kritische Situation in Pakistan –, hätte der erfahrenere John McCain bessere Karten. Und hier kommt die langjährige außenpolitische Erfahrung von Senator Joe Biden ins Spiel.

Yes, we can: Biden an Obamas Seite
Bild vergrößern
Doch im Moment sieht es so aus, als ob Sicherheitsthemen nicht ausschlaggebend sein werden, sondern die Wirtschaft. Hier hat Obama gute Karten, denn McCain hat zu erkennen gegeben, dass er von Wirtschaft nicht viel Ahnung hat. Wenn die Sicherheitsklage aber halbwegs stabil bleibt, dann hat Obama, egal mit welchem Vizepräsidentschaftskandidaten an seiner Seite, bessere Chancen.

Netzeitung.de: Obama wirbt damit, vieles anders machen zu wollen als Amtsinhaber Bush. Passt Biden dazu?

Mit der Wahl Bidens wird klar, dass die starke Rhetorik vom Wandel für Obama passend im Vorwahlkampf war. Jetzt muss er sich wieder in die Mitte bewegen. Er muss bestimmten Wählergruppen Sicherheit geben, etwa jüdischen Wählern im hart umkämpften «Battleground State» Florida. Hier ist die Wahl Joe Bidens sinnvoll. Jüdischen Wählern in Florida geht es nicht um «Change», sondern um Kontinuität und dafür steht Joe Biden, insbesondere für den uneingeschränkten Schutz Israels.

Netzeitung.de: Warum also, hat sich Obama dann für den 67-jährigen Joe Biden entschieden?

Braml:
Hillary Clinton wäre ein zu großer Unruhefaktor gewesen
Bild vergrößern
Obama hat sich mit Biden jemanden geholt, der für wenig Unruhe sorgt. Mit Hillary Clinton wäre das nicht der Fall gewesen. Da hätte es zuviel Unruhe gegeben und eine Hillary Clinton hätte sich nicht ins zweite Glied gestellt, wie es Joe Biden machen sollte. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob Biden das wirklich tun wird. Es wird auch noch sehr viele Wahlkampfspots der Republikaner geben, in denen sie Obama vorhalten werden, dass Biden sich im Vorwahlkampf doch auch sehr kritisch über ihn geäußert hat.

Netzeitung.de: Wenn Obamas Schwäche in der außenpolitischen Kompetenz jetzt durch Joe Biden abgedeckt ist, dann müsste sich ja im Umkehrschluss der wirtschaftspolitisch schwache John McCain einen Mann der sich auf Wirtschaftspolitik versteht an die Seite stellen.

Braml: John McCain muss einen christlich-rechten Vizepräsidentschaftskandidaten wählen. McCain wurde von den Evangelikalen ja
Möglicher Vize-Kandidat von John McCain: Mike Huckabee
Bild vergrößern
auch schon durchaus deutlich gemacht, dass er jemanden wie Mike Huckabbee, Bill Frist, den ehemaligen Mehrheitsführer im Senat, oder Tim Pawlenty, den Gouverneur von Minnesota, nehmen muss, um die christlich Rechte einzubinden. Wir dürfen nicht vergessen, dass der amtierende republikanische Präsident Bush sein Amt insbesondere den Wählerstimmen – vier von zehn Wählern – der Christlichen Rechten zu verdanken hat.

Mit Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sprach Jens Teschke.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Der mächtigste Vize-Präsident aller Zeiten: 
US-Vizepräsident Cheney bereut nichts
Bereitschaftsdienst: 
Parlament kämpft gegen Dauerarbeit
 
Kritik an EU-Klimabeschluss: 
Merkels «Kniefall vor der Industrie»
 
150 Lkws in Peschawar angezündet: 
Taliban zerstören Nato-Truppennachschub
BND-Untersuchungsausschuss: 
Brisante Daten, laxe Kontrolle
 
Israelisch-palästinensischer Krieg: 
EU und Nahost-Quartett verlangen Feuerpause
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.