23. Aug 2008 16:20
Deutsche Politiker haben positiv auf die Nominierung des Vize-Präsidentschaftskandidaten der Demokraten reagiert. Allerdings könnte die Entscheidung sich in den USA auch negativ auswirken. Für Wechsel steht der Polit-Profi nicht.
Weisskirchen sagte, die Nominierung Bidens sei auch ein gutes Signal an die Europäer. Der Senator des US-Staats Delaware sei einer der stärksten Außenpolitiker der USA, fügte der SPD-Politiker hinzu. «Obamas Entscheidung für ihn ist eine außergewöhnlich gute Entscheidung, die auch zeigt, wie Obama versucht, alle Strömungen der Demokraten hinter sich zu versammeln», äußerte Weisskirchen. Biden sei gut mit den Verhältnissen in Europa vertraut und kenne die unterschiedlichen Sichtweisen sehr genau. «Er würde nie zu solchen Klassifizierungen kommen wie etwa der frühere US-Verteidigungsminister Rumsfeld, der von einem alten und einem neuen Europa gesprochen hat», sagte Weisskirchen. Der CDU-Außenpolitiker von Klaeden wird zitiert: «Bidens Nominierung ist der Versuch Obamas, seine im Vergleich zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten McCain geringe außenpolitische Erfahrung auszugleichen».
Allerdings sei diese Wahl innenpolitisch nicht ohne Risiko. «Biden ist Teil des Washingtoner Establishments. Aus diesem Umstand kann sich eine Spannung zu dem auf einen Wechsel gegen eben dieses Establishment ausgerichteten Wahlkampf Obamas ergeben», sagte von Klaeden. Besonders plausibel werde Obamas Entscheidung für Biden durch den Einmarsch der Russen in Georgien, da dieser Schritt Moskaus in den USA als Zäsur empfunden werde.
Für die FDP sprach Vizefraktionschef Hoyer von einer «exzellenten Entscheidung». «Obama schließt damit eine offene Flanke, die er gegenüber McCain hat», sagte Hoyer dem Blatt. «Sollte Obama die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen, wird es dank Biden zu einer anderen Außenpolitik kommen als unter dem Republikaner McCain», prophezeite Hoyer. «Gegenüber Russland etwa wird McCain eine deutlich härtere Gangart einschlagen. Obama und Biden hingegen werden stärker den Dialog suchen. Das gilt im Übrigen auch gegenüber dem Iran.» (AP)