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Die potenzielle First Lady: 

Wer hat Angst vor Michelle Obama?

25. Aug 2008 13:08
Michelle Obama
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Ihre Bewunderer sehen in Michelle Obama bereits die «schwarze Jacky Kennedy», ihre Gegner kritisieren sie als zu negativ und zu unamerikanisch. Das Wahlkampfteam ihres Mannes versucht nun, ihr ein neues Image zu verpassen, wie Michaela Duhr berichtet.

«Was ist so beängstigend an Michelle Obama?», fragt das US-Magazin «Radar» in schwarzen fetten Buchstaben auf der Titelseite der September-Ausgabe. Dazu ein Foto von Michelle Obama mit verschränkten Armen und finsterem Blick. Das Blatt verspricht seinen Lesern vollmundig einen «Insider-Guide» für die potenzielle First Lady. Der Führer in Form einer FAQ-Liste (häufig gestellte Fragen) basiert weniger auf Fakten als auf Gerüchten und Beschuldigungen.

«Warum hasst Michelle Whiteys?», lautet eine der Fragen der selbsternannten Insiderin Ana Marie Cox in Anspielung auf ein im Internet kursierendes Gerücht, wonach die Frau des Präsidentschaftsanwärters Barack Obama weiße US-Bürger mit dem rassistisch gefärbten Schimpfwort «Whitey» geschmäht haben soll. Die 44-Jährige dementierte bereits mehrfach: «Wer das sagt, kennt mich nicht», wehrte sie sich zuletzt in der «New York Times». Ein Interview, das Cox offenbar entgangen ist.

So umstritten die «Radar»-Titelstory ist, macht sie doch das Unbehagen vieler Amerikaner mit der erfolgreichen, groß gewachsenen Frau an Obamas Seite deutlich. Umfragen zufolge würden die meisten US-Bürger lieber die maskenhafte, platinblonde Cindy McCain als First Lady im Weißen Haus sehen als die selbstsichere, schlagfertige Juristin.

Schwarze Jacky Kennedy

Cindy McCain
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Michelle Obama polarisiert: Ihre Bewunderer schwärmen bereits von der «schwarze Jacqueline Kennedy», ihre Gegner – vor allem aus der weißen Mittelschicht - halten sie für zu laut, zu negativ, zu unamerikanisch und zu schwarz: Ergebnis einer seit Wochen dauernden Kampagne der politischen Rechten, ihr das Image der zornigen, unpatriotischen Schwarzen anzuhängen, die den Weißen niemals verzeihen könne.

So wurde sie von der konservativen Polit-Zeitschrift «National Review» als «Mrs Grievance» (Jammerweib) abgestempelt. Der US-Sender Fox News nannte die im armen Süden Chicagos aufgewachsene Michelle, deren Vorfahren als Sklaven nach Amerika verschleppt wurden, «Obamas baby mama» - eine diffamierende Bezeichnung für in Ghettos lebende schwarze Teenager-Mütter.

Neues Image für Michelle

Die politisch unerfahrene Mutter zweier Töchter lieferte den Medien allerdings selbst so manchen Stoff. Die Aussage, dass sie erst seit der Wahlbegeisterung für ihren Mann richtig stolz sei auf ihr Land, war ein gefundenes Fressen für die konservative Presse. Auch «Radar»-Autorin Cox lässt sich das nicht entgehen und fragt, «seit wann genau Michelle Obama denn nun stolz ist auf ihr Land».

Die Gesundheitsmanagerin, die sich für die Zeit des Wahlkampfes beurlauben ließ, wollte ihren Mann im Rennen um das Weiße Haus unterstützen, doch in den vergangenen Wochen wurde sie selbst mehr und mehr zur Zielscheibe. Auch wenn Obama warnt, «wer sie zum Wahlkampfthema machen will, sollte sich hüten», nehmen er und sein Chefstratege David Axelrod sie nicht aus der Schusslinie.

Stattdessen soll Michelle Obama, die von sich selbst sagt, sie habe eine «große Klappe», ein sanfteres Image verpasst werden. Dafür stellte Axelrod ihr mehr und mehr Berater zur Seite, so dass sie inzwischen ein größeres Beraterteam um sich hat als Hillary Clinton 1992 während des Präsidentschaftswahlkampfes ihres Mannes Bill.

Redemanuskripte und Live-Shows

Penibel ausgewählt werden inzwischen auch die TV-Shows und Nachrichtensendungen, in denen Michelle Obama auftritt. Bevorzugt werden vor allem Talk-Shows, in denen sie genügend Zeit hat, um ausführlich ihre Standpunkte darzulegen. Interviews werden nur den Medien gewährt, die nicht nur Gesprächsfetzen verbreiten, sondern komplette Interviews. Eine ähnliche Strategie fuhr bereits Hillary Clinton im Jahr 2000, als sie sich um einen Sitz im Senat bewarb.

Barack Obama mit seiner Frau Michelle bei einem Wahlkampfauftritt
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Mittlerweile plaudert Michelle auch nicht mehr frei von der Seele über ihren Mann und seine Macken, sondern muss sich an genau vorbereitete Redemanuskripte halten. Um nicht in die Emanzen-Falle zu tappen wie einst Hillary Clinton mit ihrer Aussage, sie ziehe nicht ins Weiße Haus, um Kekse zu backen, zeigt sie in Live-Shows ihre Koch- und Backkünste.

Auch ihren Patriotismus muss die redegewandte, selbstsichere Michelle nun unter Beweis stellen: «Meine Geschichte ist so nur in Amerika möglich», beteuert sie immer wieder. Und in der Tat, Michelle Obama hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Die Tochter eines Arbeiters der städtischen Wasserwerke wuchs in armen Verhältnissen auf. Wegen ihrer hervorragenden schulischen Leistungen erhielt sie Stipendien für die weißen Eliteschmieden Princeton und Harvard. Dort bekam sie ihr «Schwarzsein» mehr als je zuvor zu spüren, wie sie rückblickend sagt. Als sie mit einer weißen Kommilitonin ein Zimmer teilen sollte, verlangte deren Mutter umgehend ein anderes Zimmer für ihre Tochter.

Michelle Obama beim Parteitag

Nach ihrem Studium trat sie in eine Anwaltskanzlei ein, wo sie 1990 den jungen Praktikanten Barack Obama kennen lernte. «Mit diesem Kerl habe ich doch nichts gemein», dachte sie, als dieser sich beharrlich um eine Verabredung mit ihr bemühte. 1992 heirateten sie. Die beiden Töchter Malia und Sasha sind inzwischen neun und sieben Jahre alt.

Auch wenn Michelle Obama zum Stolperstein werden könnte, hat sich Obamas Team entschieden, die 1,80 Meter große Frau nicht zu verstecken: Die große Eröffnungsrede beim Nominierungsparteitag der Demokraten, der an diesem Montag in Denver beginnt, wird Michelle Obama halten.

 
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