20.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Barack Obama greift zunehmend zu negativen Wahlkampfbotschaften
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auch wenn Obama einen neuen Politikstil verspricht, bedient er sich doch altbewährter Methoden: Geschickt und leise verbreitet sein Team negative Wahlkampfspots, obwohl seine Kampagne doch eigentlich nur positiv sein will. Mit Video
Falsche Behauptungen, verdrehte Fakten, verschleierte Informationen. Politische Akteure nehmen es vor allem in Wahlkampfzeiten nicht so genau mit der Wahrheit. Doch genau diese Art von Politik verspricht der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama zu überwinden. Allerdings fällt ihm das zunehmend schwerer, zumal einige Parteifunktionäre sich mehr Härte im Kampf gegen den Rivalen John McCain wünschen. Inzwischen platziert Obamas Beraterteam Wahlkampfspots, in denen McCain in bester Manier des Negative Campaigning scharf attackiert wird.
Erst vor wenigen Tagen wurde in Philadelphia und in anderen größeren Städten ein TV-Spot geschaltet, in der McCains wirtschaftliche Kompetenz in Frage gestellt wird, wie die «New York Times» berichtet. In dem Video spricht der republikanische Senator unter anderem von «einer guten, erfolgreichen Zeit mit einer niedrigen Arbeitslosigkeit». Seine Aussagen werden von Auftritten unterbrochen, in denen sich Menschen über steigende Gas- und Milchpreise beklagen und ihre Sorge vor einer Rezession äußern.
McCains Buch über Wirtschaft McCains Aussagen stammen allerdings aus einer Debatte Anfang des Jahres, also das Ausmaß der konjunkturellen Krise noch gar nicht absehbar war. Zwischenzeitlich hat der 71-Jährige längst in einem Wahlspot eingeräumt, um die Wirtschaft stehe es schlimmer als noch vor vier Jahren.
Auch in mehreren Städten Floridas schaltete Obamas Team einen ähnlichen Werbefilm: In dem Spot führt es sich mithilfe eines fiktiven, von John McCain verfassten Wirtschafts-Sachbuchs dessen mangelnde ökonomische Kompetenz vor. Es folgt die Ansage, dass McCain die Politik des noch amtierenden US-Präsidenten George W. Bush fast durchgängig unterstützt hat, und damit auch Ausgaben von zehn Milliarden Dollar monatlich für den Krieg im Irak.
Ein guter und ein böser Cop Still und ohne Fanfaren verbreite Obama seine negativen Botschaften, zitiert die «New York Times» den US-Medienanalysten Evan Tracey von TNS Media Intelligence. Die US-Organisation untersucht und analysiert politische Kampagnen. Das Vorgehen des Obama-Teams sei eine «geschickte» Strategie wie die vom guten und bösen Polizisten. Geschickt schaltet Obama die negativen Anzeigen, in denen er McCain härter angreift, nur in einzelnen Bundesstaaten, über die landesweiten Nachrichtenkanäle lässt er dagegen seine positiven Botschaften verkünden.
«Das Spiel ist eröffnet, Geld ist genug da. Wir haben einen enormen finanziellen Vorteil und McCains Berater sollen uns durch das ganze Land verfolgen, wenn sie uns denn überhaupt finden», umschreibt der Demokrat und Werbestratege Steve McMahon die Taktik.
Auch wenn Obama inzwischen zu härteren Bandagen greift: Bislang führt noch immer McCain in diesem unrühmlichen Wettstreit um falsche Behauptungen und gezielte Desinformations-Strategien, wie Factcheck feststellt. Die Organisation stellt die Aussagen von Präsidentschaftskandidaten tatsächlichen Fakten gegenüber.
Obama ist kein Gegner von AtomkraftMcCain habe Obamas Steuer- und Energiepolitik immer wieder verdreht und falsch dargestellt, erläutert Factcheck-Chef Brooks Jackson. So habe er beispielsweise behauptet, Obama werde Familien mit einem Einkommen von 42.000 Dollar steuerlich stärker belasten oder Obama sei ein Gegner von Atomenergie. All das sei einfach falsch.
Mit den jüngsten TV-Spots holte das Obama-Team in den vergangenen Tagen allerdings auf. Sicherlich habe es bisher vor allem bei McCain Beanstandungen gegeben. «Doch das verändert sich im Moment ein bißchen», konstatiert Jackson. Der schwarze Senator aus Illinois sollte vorsichtig sein, um seine Botschaft des «Wandels» und damit seine Glaubwürdigkeit nicht zu untergraben.