Georgiens Präsident klagt an:
Europas Schwäche mitschuldig am Krieg
15.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Er bekräftigte, dass sein Land niemals auf seine abtrünnigen Regionen verzichten werde. Zugleich warf er den Europäern vor, zu schwach auf die Mobilisierung russischer Truppen reagiert zu haben. Laut Waffenstillstandsplan müssen sich die russischen Einheiten zu den Stellungen zurückziehen, die sie vor dem Ausbruch der schweren Kämpfe vor rund einer Woche innehatten.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush verlangten am Freitag mit deutlichen Worten den Abzug der russischen Truppen aus dem georgischen Kerngebiet. Der russische Präsident verteidigte dagegen sein Vorgehen und stellte die Grenzen Georgiens infrage. Bei einem Treffen mit Merkel im Schwarzmeerbad Sotschi machte Medwedew klar, dass er von einer Abspaltung der Regionen Südossetien und Abchasien ausgehe.
Merkel setzte sich in Sotschi für eine nachhaltige Lösung des Kaukasus-Konflikts ein: «Wir können nicht wieder 15 Jahre verstreichen lassen, ehe hier stabile Lösungen gefunden werden.» Die Kanzlerin betonte, dass die territoriale Integrität Georgiens nicht angetastet werden dürfe. Neben dem Abzug der russischen Truppen forderte sie die Entsendung weiterer internationaler Beobachter und die Ermöglichung der humanitären Hilfe für das georgische Kerngebiet und Südossetien. Merkels Reise nach Sotschi, nur 35 Kilometer von der georgischen Grenze entfernt, war der erste Teil einer Vermittlungsmission in dem vor einer Woche eskalierten Konflikt um die abtrünnigen georgischen Regionen. Am Sonntag wird sich die Kanzlerin in der georgischen Hauptstadt Tiflis mit Präsident Saakaschwili treffen.
Ihre Explosionswirkung erfasst etwa eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes. Nicht explodierte Sprengsätze stellen noch über Jahre hinweg eine tödliche Gefahr dar. Die russischen Truppen ließen am Freitag einen Bus voller Brot nach Gori hinein, blockieren die strategisch wichtige Stadt aber weiter. Gori liegt an der Hauptverbindungsstraße zwischen dem Westen und dem Osten Georgiens; die russische Militärpräsenz dort teilt damit das Land faktisch in zwei Hälften.
Am Mittwoch forderte Georgien Entschädigung für, wie es in der Eingabe hieß, fast zwei Jahrzehnte rassischer Diskriminierung von Georgiern durch Moskau und die von ihm unterstützten Separatisten in Abchasien und Südoessetien.(AP)

