Konflikt im Kaukasus:
Medienkrieg zwischen Moskau und Tiflis
13.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
So wird die Wahrnehmung in den Wohnzimmern der Welt gesteuert. Die Informationslage in diesem Konflikt ist schwierig. In Tiflis hat die Führung russische Fernsehsender abgeschaltet, Internetseiten sind dauerhaft blockiert oder von Hacker angreifen lassen, wie etwa das Nachrichtenportal Civil Georgia berichtet.
So flehte Saakaschwili am Mittwoch erneut bei einer Telefonkonferenz: «Bitte, bitte, sagt der Welt die Wahrheit!» Er warnte im Gespräch mit westlichen Reportern vor einem groß angelegten Eroberungskrieg Russlands. Saakaschwili schilderte sogar, dass seine holländische Frau Sandra bei gefangenen russischen Piloten im Krankenhaus von Tiflis Besuche abgestattet habe. Dann warf er russischen Soldaten «eine barbarische Okkupation» vor.
Saakaschwili behauptete, Moskau und nicht Tiflis habe die südossetische Hauptstadt Zchinwali zerbombt. «Das massive Einwirken auf die Medien bis hin zu Desinformation und Zensur sind nicht einfach Begleiterscheinungen des Krieges - sie sind zentrale Faktoren im Kalkül der kämpfenden Parteien», heißt es in einer Analyse der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung.
Das russische Staatsfernsehen zeigte «das von den Georgiern zerstörte Zchinwali», das georgische Staatsfernsehen die Anwesenheit von EU-Politikern in Tiflis als Zeichen der internationalen Solidarität mit Georgien.
Auch Russland versuchte sich mit Beistand etwa des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu schmücken. Der Gast aus Paris hatte ganz im Sinne des Kremls Russland das Recht auf Verteidigung seiner Bürger im Ausland - in diesem Fall in Südossetien - zuerkannt.
Für Informationen aus erster Hand riskierten auch am Mittwoch wieder viele Journalisten ihr Leben. Mindestens vier Journalisten verloren im Kampf um Nachrichten ihr Leben. «Aber zum Schluss können die Korrespondenten auch nicht sagen, ob es 100 oder 1000 Tote gegeben hat», sagt Miodrag Soric, Chefredakteur von Deutsche Welle Radio und Leiter der Osteuropa-Programme.
Wie andere Medien auch hat der deutsche Sender Reporter auf beiden Seiten. Das Interesse aus der Region an deutschen Positionen zum Konflikt sei groß, weil Deutschland als «ehrlicher Makler» wahrgenommen werde. (Ulf Mauder, dpa)

