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20 Jahre Al Qaeda: 

«Wir lieben den Tod mehr als ihr das Leben»

11. Aug 2008 17:13
Seit der Al-Qaeda-Gründung dabei: Osama Bin Laden
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Ein paar Männer trafen sich in einer kleinen Grenzstadt in Pakistan und gründeten einen Geheimbund. Sie konnten damals nicht ahnen, dass ihre Organisation die gesamte Welt verändern wird.

Die arabischen Kämpfer und Freiwilligen, die nach Afghanistan geströmt waren, konnten im Sommer 1988 guter Dinge sein. Die verhasste Sowjetunion begann ihre Truppen aus dem Ende 1979 besetzten Land am Hindukusch abzuziehen. Doch für die Radikaleren unter den Arabern, von denen etliche in ihrer Heimat verfolgt wurden, stellte sich die Frage: «Soll das alles gewesen sein?»

Die Antwort kam am 11. August 1988 in der pakistanischen Grenzstadt Peshawar von einer illustren Runde arabischer Militanter und Financiers. Der Dschihad, also der Heilige Krieg, sollte weitergehen, wo immer es noch nötig wäre, beschlossen sie. Dafür gründeten sie eine geheime Organisation. Ihr Name: Al Qaeda - Die Basis.

Zu jenen, die sich seinerzeit verschworen, gehörten Abdullah Assam, ein angesehener Kleriker palästinensischer Herkunft, Abu Ubaida, ein begabter Truppenführer aus Ägypten, und Osama bin Laden, ein Millionärssohn aus Saudi-Arabien, der sich um die Logistik und Finanzierung der arabischen Freiwilligen gekümmert und militärische Trainingslager in Afghanistan betrieben hatte.

Kriegserklärung an Amerika

In den ersten Jahren ihres Bestands wurde Al Qaeda nicht wirklich aktiv. Bin Laden konnte weder in seiner Heimat Saudi-Arabien noch im Sudan Fuß fassen. 1996 zog er deshalb nach Afghanistan, gerade, als die fundamentalistischen Taliban die Macht ergriffen. Erst unter ihrem Schutzschirm vermochte Bin Laden seine Terrororganisation systematisch auszubauen.

Bereits im Sudan war diese mit den ägyptischen Dschihadisten von Eiman al-Sawahiri, der späteren Nummer Zwei von Al Qaeda, verschmolzen. Im August 1996 erließ Bin Laden seine «Kriegserklärung an die amerikanischen Okkupanten des Landes der zwei Heiligen Stätten» - gemeint war Saudi-Arabien mit den muslimischen Heiligtümern Mekka und Medina.

«Oh William», wandte er sich recht unvermittelt an den damaligen US-Verteidigungsminister William Perry, «euch zu terrorisieren, ist, so lange ihr Waffen in unser Land tragt, eine legitime und moralische Pflicht.»

Der Tod wird kultisch überhöht

Bin Laden und seine Mitstreiter hängen, beeinflusst von den Lehren des ägyptischen Fundamentalisten Sajid Kutb (1906-1966), einer Doktrin an, die im Kampf gegen die «Ungläubigen und Kreuzfahrer» keinen Unterschied zwischen Kombattanten und Zivilisten macht.

Außerdem können andere Muslime, die nicht der eigenen extremistischen Lesart des Islams folgen, zu «Takfiris» - Ketzern - erklärt werden, die genauso erbittert bekämpft werden müssen. Der Tod im Kampf - das «Martyrium» - wird kultisch erhöht. Als messianistisch-nihilistische Sekte steht Al Qaeda letztlich im Krieg mit der ganzen Welt.

11. September als Höhepunkt

Im August 1998 kam der erste große Terroranschlag: Bomben vor den amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam töteten mehr als 200 Menschen. Die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington stellten schließlich alle bisherigen Terrorakte in den Schatten. Über 3000 Menschen fanden den Tod, die Supermacht Amerika war in ihrem Innersten getroffen.

Eine US-geführte Militärkoalition stürzte in der Folge das Taliban-Regime in Afghanistan. Auch Al Qaeda erlitt dabei massive Verluste. Bin Laden und Al-Sawahiri zogen sich in die unzugänglichen pakistanischen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan zurück. Doch der Irak-Feldzug der Amerikaner 2003 trieb dem weltweiten Dschihad neue Rekruten zu.

Männer, die zum Teil noch in Afghanistan ausgebildet worden waren, aktivierten oder schufen Al-Qaeda-Zellen, die weitere blutige Anschläge in London, Madrid, Istanbul und auf der tunesischen Ferieninsel Djerba verübten.

Experten wie der amerikanische Autor Peter Bergen vergleichen Al Qaeda mit einem «Franchise-Netz» global-kapitalistischen Zuschnitts: Lokale Zellen operieren unter dem «Markennamen», aber ansonsten dezentral.

Der ehemalige CIA-Agent Marc Sageman sieht sogar einen «führerlosen Dschihad» kommen, getragen von Nachahmern und «Möchtegern-Terroristen». Ob Bin Laden und seine Führungszelle noch existieren, sei dafür nicht mehr von Bedeutung.

Angst vor der «schmutzigen Bombe»

Andere Experten widersprechen ihm. Die Rückschläge der westlichen Koalition in Afghanistan und die Unzuverlässigkeit des Regimes in Pakistan hätten inzwischen dazu geführt, dass sich Bin Laden in seinem nordwestpakistanischen Versteck wieder sicherer fühlen könne.

Al Qaeda habe «Schlüsselelemente ihrer Fähigkeit, die USA anzugreifen, bewahrt und regeneriert», stellte eine gemeinsame Einschätzung der 16 US-Geheimdienste vor einem Jahr fest. Besonders beunruhigend: Das Terrornetz strebt weiter nach chemischen, biologischen oder radioaktiven Waffen.

Auch eine sogenannte «schmutzige Bombe» - ein Sprengsatz, der radioaktive Strahlung freisetzt, ohne dass es zu einer nuklearen Kettenreaktion kommt - könnte, so meinen Experten, in einer westlichen Großstadt eine Massenpanik auslösen. «Wir lieben den Tod mehr als ihr das Leben», hieß es in der Bin-Laden-Kriegserklärung von 1996. Nichts deutet darauf hin, dass sich daran etwas geändert hätte. (Gregor Mayer, dpa)

 
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