Machtwechsel in Westafrika:
Mauretanische Putschisten versprechen Wahlen
07.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
International hatte der Staatsstreich Besorgnis ausgelöst. UN- Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Putschisten auf, umgehend zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückzukehren. Die Arabische Liga rief die Parteien auf, politische Konflikte im demokratischen Dialog zu lösen. Die Europäische Kommission zeigte sich ebenfalls besorgt und stellte millionenschwere Hilfen für Mauretanien infrage. Die Bundesregierung in Berlin forderte eine friedliche Beilegung der Krise. Die USA und die Afrikanische Union verurteilten den Putsch.
Bei dem Putsch wurde nach Augenzeugenberichten kein einziger Schuss abgefeuert. Soldaten besetzten strategisch wichtige Positionen in der Hauptstadt des Landes. Der staatliche Rundfunk und das Fernsehen in Mauretanien unterbrachen vorübergehend ihre Programme. Die Bevölkerung nahm den Putsch mit Gelassenheit auf. Die Lage in Nouakchott blieb ruhig.
Der Anführer der Umstürzler war bisher Kommandeur der Präsidentengarde gewesen. Der General war wenige Stunden vor dem Putsch zusammen mit anderen Mitgliedern der Militärführung vom Präsidenten abgesetzt worden. Diese Entscheidung des Staatschefs war für die Putschisten offenbar der Auslöser für den Staatsstreich. Die Absetzung der Militärführung sei «ungültig», erklärten sie.
Die gestürzte Regierung von Präsident Abdallahi sei im vergangenen Jahr aus einer demokratischen Mehrparteien-Wahl hervorgegangen, ließ UN-Generalsekretär Ban am Mittwoch durch seine Sprecherin in New York erklären. Diese Rechtslage müsse respektiert werden. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, äußerte in einer in Kairo verbreiteten Erklärung die Hoffnung, «dass die Entwicklungen zu keinem Rückschritt im demokratischen Prozess führen, wie er von der internationalen Gemeinschaft begrüßt worden war».
Der Umsturz war der zweite Putsch in Mauretanien innerhalb von drei Jahren. Im August 2005 hatte das Militär den langjährigen Präsidenten Maouia Ould Taya gestürzt, der 21 Jahre an der Spitze eines autoritären Regimes gestanden hatte.
Damals leiteten die Militärmachthaber einen Prozess der Demokratisierung ein. Im März 2007 ging Abdallahi aus der ersten demokratischen Präsidentenwahl in der Geschichte Mauretaniens als Sieger hervor. In letzter Zeit machte sich in dem Land jedoch zunehmend eine politische Instabilität breit. Abdallahi musste mehrmals die Regierung umbilden.
Mauretanien ist ein enger Verbündeter des Westens in der arabischen Welt. Der Wüstenstaat ist eines der wenigen islamischen Länder, das diplomatische Beziehungen zu Israel unterhält. Die islamische Republik Mauretanien ist mit einer Fläche von mehr als einer Million Quadratkilometern fast dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur 3,3 Millionen Einwohner. (dpa/AP)

