Konferenz in Mexiko-Stadt:
Experten sehen Defizite bei Aids-Bekämpfung
04. Aug 2008 12:46
 |  Ein Demonstrant gegen Homophobie im Vorfeld der Aids-Konferenz | Foto: dpa |
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Der nächste Welt-Gipfel ist eröffnet: Vier Tage beraten 20.000 Experten in Mexiko-Stadt über die Eindämmung von Aids. Weltweit sind 33 Millionen Menschen infiziert. Immer noch ist mehr Aufklärung über die Krankheit bitter nötig.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat gemeinsam mit dem mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón eine internationale Aids-Konferenz eröffnet. An dem Treffen in Mexiko-Stadt, das bis zum 8. August dauert, nehmen mehr als 20.000 Experten und 3.000 Journalisten teil. Es handelt sich um die 17. Konferenz dieser Art. Sie ist das größte und vielfältigste Treffen zu globalen Gesundheitsproblemen. Vor mehreren tausend Gästen hoben Experten wie der Direktor der UN-Institution UNAIDS, Peter Piot, die Erfolge bei der medizinischen Behandlung der Erkrankung hervor. Gleichzeitig betonten sie, dass vor allem bei der Information und sexuellen Erziehung weltweit noch große Defizite bestünden.
Im Zentrum der am Montag beginnenden Beratungen und Diskussionen auf Hunderten von Veranstaltungen steht die Frage, wie sich die unheilbare Seuche eindämmen lässt. Zentrale Themen sind die Stärkung der Gesundheitssysteme und die weltweite Koordinierung von Aufklärung und Behandlung der Immunschwäche. Auch über die zunehmende Infizierung der indianischen Bevölkerungen soll diskutiert werden. Das Thema, das vor allem in Mittel- und Südamerika zum Problem geworden ist, war bereits bei einer einwöchigen «Vorkonferenz» in Mexiko erörtert worden.
2,5 Millionen Neuinfektionen pro Jahr
Bei der Eröffnung der Konferenz bekamen Ban und Calderón Unterstützung von der zwölfjährigen Keren Dunaway aus Honduras, einer der jüngsten Aids-Aktivistinnen weltweit. Seit ihrem fünften Lebensjahr weiß sie, dass sie HIV-positiv ist. Mit neun Jahren begann sie, ihre Eltern, die Gründer der Aids-Hilfsorganisation Llaves, auf Schulbesuchen zu begleiten und über das Leben mit dem Virus zu erzählen. Statistiken zufolge leiden weltweit mehr als 33 Millionen Menschen an Aids. Jedes Jahr kommen rund 2,5 Millionen Neuinfektionen hinzu. Rund 95 Prozent der HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern, mehr als zwei Drittel davon in Afrika südlich der Sahara. Dort ist Aids die häufigste Todesursache.Im Kampf gegen Aids verdienen Mädchen und Frauen nach Ansicht von Entwicklungshilfe-Experten mehr Unterstützung als bisher. «Sie tragen die Last der Epidemie doppelt und dreifach», sagte Cornelius Oepen von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt. In vielen Entwicklungsländern seien sie nicht nur selbst der ständigen Ansteckungsgefahr durch ihre Männer ausgesetzt, sondern müssten sich auch um Kranke in den Familien kümmern. Viele Großmütter trügen die Verantwortung für die Enkel, wenn die Eltern an Aids gestorben seien. Dies gelte vor allem im südlichen Afrika, wo zwei Drittel der weltweit 33 Millionen Aids- Infizierten leben.
Es fehlt an geschulten Pflegern
Neben der Aufklärung über die Gefahren der Krankheit sei es wichtig, Frauen in ihren Rechten zu stärken, damit sie Sitz und Stimme in Organisationen und damit mehr gesellschaftlichen Einfluss bekommen. «Frauen und Mädchen haben da großen Nachholbedarf», sagte Oepen. Zwar gebe es Fortschritte in der Aidsbekämpfung, aber «nicht nur im südlichen Afrika ist noch lange nicht alles gewonnen», sagte Oepen, der als deutscher Vertreter an der Weltaidskonferenz in Mexiko-Stadt teilnimmt.Nach wie vor sei der Mangel an medizinischem Fachpersonal groß. Derzeit werde daran gearbeitet, Fachkräfte in den Ländern zu halten und die Gesundheitsverwaltungen in die Lage zu versetzen, mehr Personal zu rekrutieren. Es gebe viel zu wenig kompetente Fachleute, die dann häufig völlig überlastet seien. Viele wichtige Aufgaben könnten Hebammen oder Krankenpfleger, aber auch geschulte Laien wie zum Beispiel Lehrer übernehmen, meint Oepen. «Beratungsgespräche für Familien muss nicht immer ein Arzt führen.» Eine umfassende Strategie gegen Aids könne ein gesamtes Gesundheitssystem stärken und auch bei der Bekämpfung anderer gefährlicher Krankheiten wie Malaria oder Tuberkulose helfen, sagte der GTZ-Experte. (dpa/AP)