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Nach «katastrophalem Krisenmanagement»: 

Menschenrechtler verlangen Rogges Rücktritt

03. Aug 2008 14:08
Er hat sich zuletzt widersprüchlich geäußert
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Die Aktivisten ärgert der Kuschelkurs des IOC-Präsidenten gegenüber China. Er habe der olympischen Idee schweren Schaden zugefügt. Der Präsident des EU-Parlaments ruft unterdessen Athleten zum Tibet-Protest auf.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Sonntag den Rücktritt von Jacques Rogge gefordert. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sei entgegen früherer Zusicherungen, ausländische Korrespondenten hätten internationalen Internet-Zugang, vor der Willkür der chinesischen Behörden «eingeknickt», kritisierte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius. Die Internetseite der GfbV gehört zu den gesperrten Seiten in China.

«Rogge hat mit seinem katastrophalen Krisenmanagement und widersprüchlicher Informationspolitik der olympischen Idee und der Achtung der Menschenrechte in China schweren Schaden zugefügt», meinte Delius. Dies sei eine nicht hinnehmbare bedingungslose Anbiederung an Chinas Führung: «Die Grenzen der vom IOC beschworenen politischen Neutralität wurden missachtet.»

Auch die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Barbara Lochbihler, warf dem IOC vor, es sei bei der Vergabe der Spiele «blauäugig» gewesen. «Das IOC hat nie klar Stellung bezogen und auch nicht wirklich darauf gedrängt, dass die chinesischen Zusagen in Bezug auf Menschenrechte und Pressefreiheit auch eingehalten werden», sagte sie der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse».

IOC-Mitglied: Auch während der Spiele reagieren

Das IOC-Mitglied Walther Tröger versicherte dagegen im Deutschlandfunk, das Komitee werde «garantiert auch während der Spiele» auf Menschenrechtsverletzungen reagieren. Zugleich rechtfertigte er das Verbot, an olympischen Wettkampfstätten Friedensparolen zu zeigen. Demonstrationen seien zu Recht nicht erlaubt, «weil man die gar nicht steuern kann».

GfbV-Referent Delius forderte vom IOC bei der Vergabe von Olympischen Spielen Menschenrechtsstandards einzuführen. «Das IOC ist weltfremd, wenn es gemäß seinen Umweltstandards zwar einerseits regelmäßig die Luftqualität an den Austragungsorten überprüfen lässt. Es ihm andererseits jedoch offensichtlich gleichgültig ist, wenn es neben den Stadien zu Massenverhaftungen kommt.»

Pöttering: «Jeder kann ein Zeichen setzen»

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), rief unterdessen die teilnehmenden Sportler auf, ein Zeichen des Protestes gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet zu setzen. «Ich möchte alle Sportlerinnen und Sportler ermutigen, genau hin- und nicht wegzusehen», schrieb Pöttering in einem Beitrag für «Bild am Sonntag». «Jeder kann auf seine Weise ein Zeichen setzen.» Kein Funktionär solle dies verhindern dürfen. Die Freude am Sport dürfe nicht den Blick auf die Menschen und ihre Rechte trüben.
(dpa)

 
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