Kulturminister tritt zurück: 

netzeitung.deBrasilianische Regierung verliert Pop-Anteil

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Gil will kein Minister mehr sein (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gil will kein Minister mehr sein
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Er hält seine Arbeit für getan und möchte sich deshalb wieder stärker seiner Musik widmen. Der Musiker und Kulturminister Brasiliens, Gilberto Gil, kehrt der Politik den Rücken. Es ist sein dritter Versuch.

Der brasilianische Popstar Gilberto Gil, der seit 2003 auch Kulturminister seines Landes war, ist von seinem Amt zurückgetreten. Der 66-jährige Komponist und Sänger erklärte am Mittwoch in Brasilia, er wolle sich in Zukunft wieder verstärkt seiner Musik widmen. Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva nahm den Rücktritt an. Zum Nachfolger Gils soll nach Regierungsangaben der bisherige Staatssekretär im Kulturministerium, Juca Ferreira, ernannt werden. Es war Gils dritter Versuch aus dem Ministeramt auszusteigen. Frühere Rücktrittsgesuche hatte Lula abgelehnt.

Der mehrfache Grammy-Gewinner Gil war einer der dienstältesten Minister Lulas. «Ich wollte schon früher aufhören. Ich fühlte, dass meine Arbeit getan war», sagte der Musiker. Gil gilt seit drei Jahrzehnten als einer der wichtigsten Künstler Brasiliens. Auch in seiner Zeit als Minister ging er mehrfach auf Tournee. «Ich wurde deshalb oft kritisiert, aber meine Arbeit an der Spitze des Ministeriums spricht für sich», sagte Gil, der seine politische Karriere 1989 als Stadtrat in seiner nordöstlichen Heimatstadt Salvador begonnen hatte.

Wegen seiner musikalischen Aktivitäten während seiner Amtszeit wurde Gil zum Teil heftig kritisiert. Als eines seiner Lieder von einer Bank Ende 2007 als Werbemelodie benutzt wurde, bezeichnete die Ethikkommission der Präsidentschaft dies als «unpassend für einen Minister». «Man darf ein öffentliches Amt nicht mit einer anderen Tätigkeit verbinden. Er war zu viel abwesend», sagte der Sänger Raimundo Fagner.

Er hatte keine Chance
In den fünfeinhalb Amtsjahren verpasste Gil unter anderem sein Hauptziel: die Reform des Gesetzes zur Förderung der Kultur in Brasilien. «Gil hatte eigentlich kaum eine Chance, etwas zu tun. Die Kultur ist keine Priorität der Regierung Lula», klagte der Kinoregisseur Domingos Oliveira. Die Zeitung «O Globo» bedauerte am Donnerstag den Rücktritt. «Die Regierung verliert ihren Pop-Anteil», hieß es in einem Kommentar.

In den 60er Jahren war Gil zum einflussreichen Vertreter der Tropicalismo-Bewegung avanciert, die Bossa Nova mit Rock- und Popmusik verband. Der junge Musiker prangerte damals auch in seinen Werken die unter der Militärdiktatur (1964-85) herrschenden Zustände scharf an. Als Regimegegner musste er zwei Monate ins Gefängnis und lebte danach eine zeitlang im Londoner Exil. (dpa, nz)