Einsatz in Afghanistan:
Deutsche Soldaten als Zielscheibe
30.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Eine Patrouille des Wiederaufbauteams PRT (provincial reconstruction team) in Kundus, die aus vier Fahrzeugen bestand, wurde laut «Spiegel-online» etwa drei Kilometer vom Lager mit Handfeuerwaffen beschossen. Als die Bundeswehr das Feuer erwiderte, zogen sich die Angreifer zurück. Verstärkung aus dem Lager rückte an, dazu afghanische Polizei. Verletzte gab es nicht. Fünf bewaffnete Verdächtige wurden zwar gesichtet, konnten aber entkommen.
Eine andere PRT-Patrouille wurde den Angaben zufolge am selben Abend sieben Kilometer nordöstlich des Lagers Kundus Ziel eines Sprengstoffanschlags. An einem Fahrzeug entstanden Splitterschäden. Eine weitere Sprengfalle wurde rechtzeitig entdeckt und später von Spezialisten zerstört. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht. Die Angriffe am Dienstagabend waren die ersten seit Wochen in Kundus.
Der Angriff auf den Nato-Konvoi erfolgte nach Angaben britischer Behörden in der südlichen Unruheprovinz Helmand ebenfalls am Dienstag. Der britische Soldat wurde dabei so schwer verletzt, dass er seinen Wunden wenige Stunden später erlag. Im Süden Afghanistans sind zumeist Angehörige der US-Streitkräfte oder des britischen Militärs im Einsatz.
Angriffe Aufständischer haben im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent zugenommen. In den vergangenen zwei Monaten kamen mehr internationale Soldaten in Afghanistan als im Irak ums Leben. Lamers sah bei einem möglichen Einsatz der fliegenden Radarstationen AWACS (Airborne Warning and Controlling System) keine Gefahr, dass Deutschland in einen größeren Konflikt verwickelt werden könnte.
Im Südwestrundfunk sagte er zu entsprechenden Bedenken von SPD und der Opposition, es gehe um bessere Luftraumüberwachung, die von den bereits von Deutschland eingesetzten Aufklärungs-Tornados RECCE (Reconnaissance = Aufklärung) nicht geleistet werden könne.
Dem widersprach der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei. AWACS-Maschinen könnten auch als eine Art fliegender Gefechtsstand Kampfflugzeuge führen, die dann vermeintliche Taliban-Stellungen angreifen könnten. Das wäre ein Heranführen der Bundeswehr an den US-geführten Anti-Terrorkampf OEF (Operation Enduring Freedom). Der sei aber «ausdrücklich kontraproduktiv», wie Nachtwei der «Berliner Zeitung» sagte. (AP)

