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Amerikaner sparen im Alltag: 

Starbucks spürt den «Latte-Effekt»

30. Jul 2008 12:36
Den Kaffee bei Starbucks gönnen sich Amerikaner seltener
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Hier ein Coffee to go, dort ein Sandwich auf die Hand – das verkneifen sich immer mehr Amerikaner. Sie merken, wie besonders kleine Dinge am Portemonnaie knabbern.

Brauche ich wirklich ein mehr als zwei Tonnen schweres Auto? Kann ich nicht auch ohne den täglichen Frappuccino leben? Und muss ich so häufig Taxi fahren? Diese Fragen stellen sich angesichts der Preissteigerungen bei Benzin und Lebensmitteln viele Amerikaner. Sie verzichten auf liebgewonnene Gewohnheiten, die sich über das Jahr hinweg zu beachtlichen Kosten addieren.

Michelle Hovis füllt die Saftflasche ihres Mannes nun zu Hause aus dem Zwei-Liter-Container wieder auf. Der Container kostet 98 Cent (0,62 Euro). Sie schritt ein, als der Preis für die kleinen Flaschen, die ihr Mann früher täglich kaufte, auf 1,39 Dollar (0,88 Euro) stieg. «Die Preise für Sprit, Milch, Eier steigen, und das kann man nicht beeinflussen», erklärt die Hausfrau aus dem US-Staat North Carolina. «Also muss man auf die Dinge achten, die man beherrschen kann.»

Alles wird teurer

Der Gedanke, dass sich auch kleine Summen zu großen Geldbeträgen addieren, ist natürlich nicht neu. Aber die hohen Preise zwingen die Menschen dazu, über ihre kleinen finanziellen Sünden nachzudenken, die sie einst für absolut notwendig hielten. Milch, Kaffee, Obst und Brot verteuerten sich im April um durchschnittlich 0,9 Prozent, das war der höchste Anstieg innerhalb eines Monats seit Januar 1990. Die Spritpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahr um fast 21 Prozent. Die Einkommen der Arbeiter sanken dagegen den siebten Monat in Folge. Das Ergebnis: weniger Café Latte.

Die Kaffeehauskette Starbucks meldete im Mai einen Gewinnrückgang von 28 Prozent im zweiten Quartal und machte dafür die gestiegenen Lebenshaltungskosten verantwortlich. Auch Coca Cola kündigte bereits an, die Verkäufe seien zurückgegangen. Immer mehr Konsumenten errechnen für sich den «Latte-Effekt».

Man guckt aufs Geld

Eine Wasserflasche für 1,50 Dollar (0,95 Euro) täglich summiert sich für das ganze Jahr auf 390 Dollar (247 Euro). In einigen Landesteilen der Vereinigten Staaten stieg der Preis jedoch auf 2 Dollar (1,26 Euro). Damit steigen die Kosten aufs Jahr gesehen auf 520 Dollar (328 Euro). Auf fünf Jahre gesehen, sind es 2.600 Dollar (1.644 Euro).

«Leider regt nur Schmerz Veränderungen an», sagt die Finanzberaterin Sheryl Garrett aus dem US-Staat Kansas. Der Schmerz der unsicheren Wirtschaftslage, der Sprit- und Lebensmittelpreise rege die Menschen dazu an, ihre eigenen Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Das bedeutet, dass sie seltener auswärts essen und weniger für Kleidung und Urlaub ausgeben.

Lieber mal die Bahn nehmen

Für die New Yorkerin Natasha Patel bedeutet es, am Wochenende nicht mehr mit dem Taxi, sondern mit der U-Bahn nach Hause zu fahren. Sie spart damit etwa 20 Dollar pro Woche. Das sind 1040 Dollar pro Jahr, 10.400 Dollar in zehn Jahren. Sie verzichtet auch auf das teure Kabelfernsehen. «Man konzentriert sich stärker auf die Dinge, die man wirklich tun will, anstatt Dinge zu tun, weil man es kann», sagt Patel, eine 34-jährige Studienberaterin an der Columbia-Universität.

«Viele wissen gar nicht, was sie ausgeben»

Viele, die gerade ihren Arbeitsplatz verloren haben, haben gar keine andere Wahl als auf Taxifahrten, Café Latte und Pay TV zu verzichten. Andere schränken sich mehr oder weniger freiwillig ein und müssen mit ansehen, wie die Ersparnis von den steigenden Spritpreisen oder wachsenden Schulden aufgefressen wird.

Finanzberater warnen die amerikanische Mittelschicht davor, das Sparen immer nur als schmerzhafte Einschränkung zu betrachten. Sie fordern die Menschen zu einfachen Maßnahmen auf, zum Beispiel mit Bargeld statt der Kreditkarte zu bezahlen oder Handyrechnungen auf bessere Vertragsbedingungen zu überprüfen. «Die meisten Leute wissen nicht einmal, wie viel sie ausgeben», sagt Laurie Hensley, die an der Cornell-Universität Finanzen unterrichtet. In einigen Fällen seien die Kosten für die täglichen Gewohnheiten höher als die für Miete und Essen. (Candice Choi, AP)

 
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