29.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Tausende Menschen demonstrierten für Karadzic
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Tausende serbische Extremisten haben gegen die Festnahme des früheren bosnischen Serbenführers Karadzic demonstriert. Für eine bevorstehende Überstellung des Kriegsverbrechers an den UN-Gerichtshof in Den Haag gab es unterdessen Hinweise.
Die Auslieferung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic an das UN-Kriegsverbrechertribunal hat sich am Dienstag weiter verzögert. Die juristischen Voraussetzungen für eine Überstellung seien nicht erfüllt, sagte Karadzic' Anwalt Goran Petronijevic in Belgrad.
Das zuständige Gericht habe nicht über eine Beschwerde gegen die Auslieferung entschieden, so der Anwalt. Die Frist für den Einspruch gegen die Überstellung war bereits am vergangenen Freitag abgelaufen. Bis Dienstschluss am Dienstag war aber kein solcher Antrag beim Belgrader Gericht eingetroffen.
15.000 Demonstranten in BelgradDeswegen blieb unklar, wann Karadzic an den UN-Gerichtshof überstellt werden könnte. Nach unbestätigten Berichten sollte dies aber bis zum kommenden Wochenende erfolgen. Der 63-Jährige war am 21. Juli nach 12 Jahren Flucht verhaftet worden. Er ist wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg 1992-1995 angeklagt.
Am Abend versammelten sich mehrere Tausend Karadzic-Anhänger in Belgrad zu einem «gesamtserbischen Protest» gegen seine Festnahme und bevorstehende Überstellung an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Etwa 15.000 serbische Extremisten demonstrierten in der Belgrader Innenstadt.
Verschärfte SicherheitsvorkehrungenZur Kundgebung unter dem Motto «Freiheit für Serbien» hatten extrem-nationalistische Parteien aufgerufen, die zuvor «mehrere zehntausende» angekündigt hatten. Die Demonstranten trugen Fotos von Karadzic und dessen, ebenfalls wegen Kriegsverbrechen angeklagten und noch immer flüchtigen Armeechefs Ratko Mladic.
Die Polizei hat die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, um mögliche Gewaltausbrüche zu verhindern. Die Straßen in der Innenstadt waren für den Verkehr gesperrt. An den Vortagen waren bei Protesten der Nationalisten mehrere Journalisten verletzt und deren Ausrüstung beschädigt worden. (dpa)