Reaktion auf illegale Einwanderung:
Berlusconi ruft Flüchtlings-Notstand aus
27.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Seit ihrem Amtsantritt im Frühjahr hat Berlusconis Regierung Polizeieinsätze gegen illegale Einwanderer deutlich ausgeweitet. Erst vor wenigen Tagen hatte sie im Parlament ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das für illegales Einreisen nach Italien Haftstrafen vorsieht und Abschiebungen erleichtert. Der Vatikan ist gegen solche Maßnahmen: «Wir hoffen, dass die Menschenrechte aller eingewanderten Arbeiter und ihrer Familien ebenso respektiert werden wie die von Italien anerkannten internationalen Normen zum Umgang mit Flüchtlingen, Asyl-Antragstellern, Staatenlosen, Roma und Sinti (...) sowie denjenigen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind.»
Nach Angaben des Ministeriums kamen im ersten Halbjahr 2008 über 10.600 Bootsflüchtlinge an - doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damals waren es 5378. In einer erneuten Flüchtlingswelle erreichten am Wochenende innerhalb weniger Stunden nahezu 400 illegale Einwanderer die süditalienischen Küsten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Ein Nigerianer berichtete nach der Ankunft auf Sizilien, bei der Überfahrt von Libyen aus seien seine zwei und vier Jahre alten Kinder an den Folgen von Entkräftung gestorben. Sie hätten die Leichen ins Mittelmeer werfen müssen.
Der Flüchtlings-Notstand war bereits 2002 erstmals in Kraft getreten. Anfang 2008 wurde er von der Mitte-Links-Regierung Romano Prodis auf die drei süditalienischen Regionen Kalabrien, Sizilien und Apulien begrenzt. Die linke Opposition griff die Pläne, die Notstandsmaßnahmen wieder auf das nationale Territorium auszuweiten, scharf an. Sie nannte die Maßnahme «verabscheuungswürdig» und sprach von einem «Polizeistaat». Am Dienstag will Maroni seine Pläne vor dem Parlament verteidigen. (dpa)

