23.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Wird vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal erwartet: Karadzic
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während sein Anwalt noch alle juristischen Register zieht, muss der ehemalige bosnische Serbenführer seine Sachen packen. Die Frist für seine Überstellung an das UN-Kriegsverbrechertribunal ist kurz.
Das UN-Kriegsverbrechertribunal kann mit einer Überstellung des verhafteten ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic am Wochenende oder Anfang kommender Woche rechnen. Dies teilte der Sprecher des zuständigen Staatsanwalts in Serbien, Bruno Vekaric, mit. Die 72-stündige Frist dafür habe am Dienstag begonnen und laufe am Freitag ab.
Karadzics Anwalt Sveta Vujacic sagte, er werde Widerspruch gegen eine Überstellung einlegen. Karadzic werde sich vor dem Haager Tribunal mit Hilfe eines Teams von Beratern selbst verteidigen - ähnlich wie der 2006 in UN-Haft verstorbene frühere serbische Präsident Sloboban Milosevic.
Eine Sprecherin der Anklage in Den Haag sagte, das Tribunal warte die Entwicklung in Belgrad ab. Es wird erwartet, dass Karadzic in der kommenden Woche zu einer Anhörung vor dem Gericht erscheint. Für eine Stellungnahme zu den elf gegen ihn erhobenen Anklagepunkten hat er nach einer Überstellung 30 Tage Zeit.
Der frühere serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica kritisierte unterdessen die Verhaftung Karadzics und sprach dem Haager UN-Tribunal die Legitimität ab. Er begründete das mit einer antiserbischen Einstellung, die das Gericht habe. Dem Nationalisten Kostunica wird von politischen Gegnern vorgeworfen, während seiner zwei Amtszeiten Verhaftung und Auslieferung Karadzics blockiert zu haben. Der Vorsitzende der nationalistischen Radikalen Partei (SRS), Tomislav Nikolic, sprach von einem «harten Tag für Serbien». Karadzic sei eine «Legende des serbischen Volks».
Bosnisch-serbische Regierung hilft Karadzics Familie Karadzics Tochter Sonja erklärte am Mittwoch in Pale, sie sei dankbar für finanzielle Hilfsangebote der bosnisch-serbischen Regierung. Sie hoffe, dies werde der Familie eine Rückkehr zur Normalität erlauben. Der bosnisch-serbische Ministerpräsident Milorad Dodik hatte am Dienstagabend eine entsprechende Zusage gemacht. Sonja Karadzic wiederholte ihren Appell, Reisebeschränkungen gegen die Familie aufzuheben, damit die Angehörigen Karadzic vor dessen erwarteter Überstellung nach Den Haag in Belgrad bsuchen könnten.
Karadzic wurde am Montagabend verhaftet. Er wurde 1995 des Völkermordes beschuldigt, 1998 tauchte er unter. Am Dienstagabend protestierten rund 200 Nationalisten in Belgrad gegen seine Festnahme. Dabei warf die Menge Steine nach Sicherheitskräften und versuchte, einen Polizeikordon zu durchbrechen. Fünf Demonstranten und ein Polizist wurden nach Angaben von Ärzten verletzt. (AP)