Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland
DruckenVersenden
 

Obama in Berlin: 

Amis sehen Europas «Obamania» mit Skepsis

24. Jul 2008 10:21
Europa liebt Obama
Bild vergrößern
Europa liebt Obama. Damit dem Präsidentschaftskandidaten die europäische Hingebung nicht zu Kopf steigt, warnen seine Berater vor zu viel Euphorie. Denn die europäische Zuneigung sei nicht unbedingt persönlich zu nehmen.

Hier gehts zum NZ-Obama-Quiz>>> Vor Barack Obamas Flugzeug spielt die Kapelle ein Willkommensständchen, Luftballons steigen in den Himmel. Ein Plakat verkündet: «Seien Sie gegrüßt, Mr. Aussicht-Auf-Nie-Wieder- Bush», als der Hoffnungsträger der US-Demokraten auf der Gangway winkt. «Lass Dir Europas übertrieben warmen Empfang nicht zu Kopf steigen», raunt derweil ein Berater dem Präsidentschaftskandidaten zu.

Die Karikatur in der US-Zeitung «Detroit Free Press» bringt ziemlich auf den Punkt, wie Amerika die europäische Begeisterung über den Senator sieht. In Erwartung jubelnder Menschenmengen und sogar «ein paar ohnmächtiger Fräuleins» («Washington Post») in Berlin am Donnerstag mahnt die «New York Times»: «Nüchternheit, Herr Obama!»

Der politischen Klasse der USA ist es durchaus nicht entgangen, dass die Europäer, wenn es denn an ihnen wäre, bei der Präsidentenwahl am 4. November mit überwältigender Mehrheit für den Mann aus Illinois stimmen würden. Viele Amerikaner scheinen erleichtert, dass nach dem internationalen Imageschaden der Bush- Jahre endlich wieder ein amerikanischer Spitzenpolitiker auf der anderen Seite des Atlantiks mit offenen Armen empfangen wird.

Seltsame Zuneigung

Nicht wenigen jedoch kommt die lang vermisste Zuneigung auch seltsam vor. «Ich hoffe, ihm (Obama) ist klar, dass der rauschende Empfang weniger mit ihm zu tun hat und mehr damit, dass nach fast acht Jahren Bush die Europäer beinahe ebenso sehr nach einem Wechsel im Weißen Haus dürsten wie die Amerikaner», meint die «Detroit Free Press».

Das Hickhack um den passenden Ort für Obamas Auftritt in Berlin und vor allem die Idee einer Rede vor dem Brandenburger Tor rief bei US-Kommentatoren einiges Erstaunen hervor. Besonders für rechtslastige Meinungsmacher war es ein gefundenes Fressen. «Obama versteht anscheinend nicht, dass man sich das Brandenburger Tor erst verdienen muss», urteilte der konservative Kolumnist Charles Krauthammer in der «Washington Post» harsch.

«Und was genau hat er in seinem Leben bewerkstelligt, dass er dem Brandenburger Tor die Rolle der Wahlkampf-Kulisse zuweist?» Krauthammer fällt nichts ein. «Das wäre doch genauso, als würde ein deutscher Politiker auf Wahlkampf-Tour nach Amerika kommen und vor der Freiheitsstatue eine Rede halten wollen.»

Keine Manie bitte

«Haltet die Manie im Zaume», fordert auch die «New York Times». «Auftrittsort, Auftrittsort, Auftrittsort war das Thema in Berlin. Mein Ratschlag an ihn (Obama) ist: Nüchternheit, Nüchternheit, Nüchternheit», schreibt Kolumnist Roger Cohen. Dafür könnte der schwarze Senator bei seinen politischen Gesprächen in Berlin, London und Paris durchaus sorgen.

Die Abneigung gegenüber der Bush- Regierung, sagte Obamas außenpolitische Beraterin Susan Rice kürzlich dem britischen «Daily Telegraph», «hat es manchen unserer europäischen Partner leichter gemacht, Schritte zu vermeiden, die wir uns von ihnen wünschen und die sie vielleicht auch machen sollten». Und das klingt sehr nach Forderungen etwa nach einem stärkerem deutschen Engagement in Afghanistan, das auch US-Präsident George W. Bush will.

In den USA selbst scheint die Verklärtheit, mit der nicht wenige den schwarzen Senator sahen, allmählich einem schärferen - und kritischeren - Bild zu weichen. Sein Schwenk in die Richtung der politischen Mitte bei einer Reihe von Themen brachte bereits seine linke Basis auf. Die Geheimniskrämerei um Obamas Nahost- und Europareise ließ selbst US-Medien den Kopf schütteln.

Und dass sich der 46-Jährige auf seiner Reise im Irak massiv in die Verhandlungen zwischen Washington und Bagdad um den künftigen Status der US-Truppen einschaltete, löste einige Verwunderung aus. Es sei ein Bruch mit den politischen Gepflogenheiten, wenn sich ein Präsidentschaftskandidat in solche Dinge mische, urteilte der angesehene CNN-Kommentator und Ex-Präsidentenberater David Gergen. «Schließlich haben wir schon einen Oberkommandierenden.» (Frank Brandmaier, dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Der mächtigste Vize-Präsident aller Zeiten: 
US-Vizepräsident Cheney bereut nichts
Bereitschaftsdienst: 
Parlament kämpft gegen Dauerarbeit
 
Kritik an EU-Klimabeschluss: 
Merkels «Kniefall vor der Industrie»
 
150 Lkws in Peschawar angezündet: 
Taliban zerstören Nato-Truppennachschub
BND-Untersuchungsausschuss: 
Brisante Daten, laxe Kontrolle
 
Israelisch-palästinensischer Krieg: 
EU und Nahost-Quartett verlangen Feuerpause
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.