«Haltet die Manie im Zaume», fordert auch die «New York Times». «Auftrittsort, Auftrittsort, Auftrittsort war das Thema in Berlin. Mein Ratschlag an ihn (Obama) ist: Nüchternheit, Nüchternheit, Nüchternheit», schreibt Kolumnist Roger Cohen. Dafür könnte der schwarze Senator bei seinen politischen Gesprächen in Berlin, London und Paris durchaus sorgen. Die Abneigung gegenüber der Bush- Regierung, sagte Obamas außenpolitische Beraterin Susan Rice kürzlich dem britischen «Daily Telegraph», «hat es manchen unserer europäischen Partner leichter gemacht, Schritte zu vermeiden, die wir uns von ihnen wünschen und die sie vielleicht auch machen sollten». Und das klingt sehr nach Forderungen etwa nach einem stärkerem deutschen Engagement in Afghanistan, das auch US-Präsident George W. Bush will.
In den USA selbst scheint die Verklärtheit, mit der nicht wenige den schwarzen Senator sahen, allmählich einem schärferen - und kritischeren - Bild zu weichen. Sein Schwenk in die Richtung der politischen Mitte bei einer Reihe von Themen brachte bereits seine linke Basis auf. Die Geheimniskrämerei um Obamas Nahost- und Europareise ließ selbst US-Medien den Kopf schütteln.
Und dass sich der 46-Jährige auf seiner Reise im Irak massiv in die Verhandlungen zwischen Washington und Bagdad um den künftigen Status der US-Truppen einschaltete, löste einige Verwunderung aus. Es sei ein Bruch mit den politischen Gepflogenheiten, wenn sich ein Präsidentschaftskandidat in solche Dinge mische, urteilte der angesehene CNN-Kommentator und Ex-Präsidentenberater David Gergen. «Schließlich haben wir schon einen Oberkommandierenden.» (Frank Brandmaier, dpa)