Entführung in der Türkei:
PKK setzte die Gefangenen klammheimlich aus
20. Jul 2008 16:47
 |  Der Gouverneur der Region hofft nun, dass wieder Touristen kommen | Foto: AP |
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Mit der Verschleppung der drei deutschen Bergsteiger hat sich die von einem internen Machtkampf zerrissene PKK offenbar verrechnet. Nach langem Verhandlungspoker ließen die Rebellen ihre Geiseln auf einem Hügel zurück.
Erleichterung am Berg Ararat: Nach zwölf Tagen in den Händen von bewaffneten Entführern aus den Reihen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK sind drei deutsche Bergsteiger am Sonntag im Osten der Türkei wieder auf freien Fuß gekommen – und das ohne Blutvergießen. Die Kurden-Rebellen ließen ihre Geiseln auf einem Hügel zurück, nachdem die Situation auch für sie selbst immer auswegloser wurde. Die aus Bayern stammenden Geiseln im Alter von 33, 48 und 65 Jahren sind wohlauf.
«Eine halbe Stunde nach der Freilassung kamen unsere Kräfte und nahmen sie auf», sagte der Gouverneur der Provinz Agri, Mehmet Cetin, am Sonntag. Die Deutschen wurden in die Stadt Dogubayazit in ein Quartier der Gendarmerie gebracht, wo sie gesundheitlich untersucht und dann an Vertreter Deutschlands übergeben wurden. Türkische Einheiten hätten die ganze Region umstellt, so dass die Entführer mit ihren Geiseln in der Falle waren, meint Cetin und nennt das als Grund für die Freilassung. Tatsächlich hat sich die PKK mit der Verschleppung gehörig verrechnet. So forderte sie ein Ende der türkischen Militäreinsätze, doch türkische Soldaten verstärkten ihre Razzien noch und töteten binnen weniger Tage mehrere Dutzend PKK-Leute.
Kritik an der Entführung innerhalb der PKK
Die in Europa und den USA als Terrororganisation eingestufte PKK ist in Deutschland seit 1993 verboten. Nach der Verschleppung der Bergsteiger müssen sich in Deutschland nun die bestätigt fühlen, die nicht an der Einstufung der PKK als terroristische Gruppierung rütteln wollen. Die Entführer verlangten von der Bundesregierung zunächst eine Erklärung, dass Deutschland seine «feindliche Politik gegenüber dem kurdischen Volk und der PKK» aufgibt.
Auch in der PKK hat es an der Verschleppung der Bergsteiger Kritik gegeben. So hat sich die PKK-Spitze von der Aktion distanziert und sie als Tat einer einzelnen Gruppe charakterisiert. Türkische Quellen berichteten zudem über einen Machtkampf in der PKK als möglichen Hintergrund.
Deutsche als internes Druckmittel missbraucht
Drahtzieher der Tat sei der PKK-Anführer Fehman Hüseyin, ein syrischer Kurde, der aus dem Nordirak heraus operiert. Dieser habe um seinen Platz innerhalb der PKK-Führung gefürchtet und die Deutschen als internes Druckmittel missbraucht. Skeptiker meldeten Zweifel an der Version eines Alleinganges an und verwiesen auf die streng hierarchische Struktur der PKK.
Nach einem tagelangen Verhandlungspoker musste die Organisation die Deutschen schließlich klammheimlich auf freien Fuß setzen, ohne dass die Gefangenen noch für einen Propaganda-Coup hätten missbraucht werden können. Die Bergsteiger hatten in 3200 Metern Höhe ihr Camp aufgeschlagen, als sie am 8. Juli von der PKK-Gruppe überfallen worden waren. Der biblische Ararat (Agri) als der Europa am nächsten gelegene Fünftausender wurde danach für Touristen gesperrt. Die Provinz Agri hofft nun, dass der Berg ein Touristenmagnet bleiben kann. «Wir wollen alles unternehmen, damit der Tourismus wieder belebt wird», sagt Gouverneur Cetin. (Carsten Hoffmann, dpa)