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Reise fürs außenpolitische Image: 

Obamas Arbeit an seiner Achillesferse

19. Jul 2008 16:22
Mit der Hilfe von 300 Beratern will er auch außenpolitisch überzeugen
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Es gibt nur ganz wenige Themen bei denen der Demokrat in Umfragen hinter seinem Rivalen McCain liegt. Eines ist die Außenpolitik. Gegen den Rückstand jettet der Präsidentschaftskandidat nun mit einem ehrgeizigen Programm an.

Selbst alte Kämpen der US-Politik können sich nicht daran erinnern, dass jemals zuvor die Auslandsreise eines Präsidentschaftskandidaten so viel Wirbel gemacht hat. Allein die Geheimhaltung war atemberaubend: Auch Insider in Washington wussten nicht, in welchem Land, in welcher Stadt und zu welchem Zeitpunkt Barack Obama auftauchen würde – bis am Samstagmorgen die Türen seines Jets auf der US-Basis Bagram nördlich von Kabul aufgingen.

Die Sache war so geheim, dass es keine Live-TV-Bilder gab, als der 46-jährige Hoffnungsträger der Demokraten von Bord ging. «Obama ist in Afghanistan gelandet», waren die dürren Worte des ansonsten allgegenwärtigen TV-Senders CNN. «Wir hoffen, später Bilder zu bekommen.» Zumindest der Überraschungscoup ist dem schwarzen Senator gelungen.

Obama hat sich für den einwöchigen Trip einiges vorgenommen. Praktisch in Rekordzeit von sieben Tagen will er das missliche Image der außenpolitischen Unerfahrenheit abstreifen. Außen- und Sicherheitspolitik gehören zu den ganz wenigen Themen, bei denen die Amerikaner dem republikanischen Kandidaten John McCain mehr Kompetenz zusprechen.

McCain: «Er wird eine Menge lernen»

«Das ist die Achillesferse Obamas», meinte ein US-Kommentator kürzlich. Laut Umfragen meinen über 70 Prozent der Wähler, der 71- jährige Vietnamveteran McCain wäre der bessere Oberkommandierende der Streitkräfte - von Obama behaupten das nicht einmal 50 Prozent. «Hier hat er Nachholbedarf.» Mit geradezu ätzender Ironie begleitet denn auch McCain die Reise Obamas: «Ich freue mich, dass auch Obama erstmals Afghanistan besucht ... Er wird eine Menge lernen.»

«Für Obama kommt es darauf an, auf der Reise keine Fehler zu machen und möglichst präsidial zu wirken«, meint der CNN-Experte Mark Preston. Ob in Afghanistan oder im Irak, in Israel oder Jordanien, in Berlin, Paris oder London. Obama will sich den Staats- und Regierungschefs als «Gesprächspartner auf gleicher Augenhöhe» präsentieren.

300 außenpolitische Berater

Wie schnell man dabei in die Fettnäpfchen der Diplomatie treten kann, hat er bereits kürzlich erfahren. Bei einer Rede vor jüdischen Organisationen in den USA meinte er kürzlich: «Jerusalem muss die ungeteilte Hauptstadt Israels bleiben.» Nach Protesten von Palästinensern musste sein Wahlkampfteam eiligst zurückrudern. Wie die «New York Times« berichtete, hat Obama seit neustem rund 300 Vertraute um sich geschart, die er als außenpolitische Berater konsultieren kann. Offenbar ist ihm die eine oder andere Schwäche durchaus bewusst.

Die Reise Obamas kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem in der Außenpolitik Washingtons einiges ins Rutschen zu geraten scheint. Und das gleich an mehreren Fronten: Fast zeitgleich mit dem Besuch Obamas in Afghanistan nahm in Genf erstmals ein hoher US-Vertreter an den Atomgesprächen mit dem Iran teil. Bisher waren für Präsident George W. Bush solche Kontakte mit einem Land aus «der Achse des Bösen» streng tabu.

Mögliche Wende in der US-Politik?

Zudem stimmte Bush erstmals zu, über einen «Zeithorizont» über den Abzug der US-Truppen aus dem Irak zu verhandeln – auch dies eine Überraschung. Schon spricht die «New York Times» von einer möglichen Wende in der US-Politik. Obama plädiert seit Beginn seiner Wahlkampagne für Gespräche mit dem Iran und fordert einen Zeitplan für den Truppenabzug.

Auch Afghanistan ist nach der jüngsten Eskalation der Gewalt wieder in die Schlagzeilen geraten: Erst am vergangen Wochenende gingen nach einem Anschlag mit neun toten Amerikanern Schockwellen durch die USA. Nach Angaben des Pentagons sterben in Afghanistan seit Mai mehr US-Soldaten als im Irak, Anschläge hätten um 40 Prozent zugenommen. Für die nächsten Monate fürchten die US-Militärs eine weitere Offensive der Taliban.

Erfolg des «Greenhorns»

Das sind denn auch die Themen bei den Gesprächen Obamas in Kabul. Eine Art «Erfolg» kann er bereits vorweisen. Hohe US-Militärs haben in den vergangenen Tagen signalisiert, angesichts der Krise bis zu 10 000 weitere US-Soldaten nach Afghanistan zu schicken - just dafür hatte zuvor bereits das «außenpolitische Greenhorn» Obama plädiert. (Peer Meinert, dpa)

 
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