Nach Gefangenenaustausch in Nahost:
Hamas will deutsche Vermittler
18. Jul 2008 17:13
 |  Hamas-Führer Ismail Hanija | Foto: dpa |
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Der gelungene Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz ruft Nachahmer auf den Plan: Die Hamas möchte eine ähnliche Abmachung erzielen und weiß auch schon, wer der Vermittler sein soll.
Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas sieht nach dem jüngsten Gefangenenaustausch im Nahen Osten ihre Verhandlungsposition gegenüber Israel gestärkt. Auch die Palästinenser könnten mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit wie die libanesische Hisbollah-Miliz ihre Forderungen durchsetzen, sagte Hamas-Sprecher Chalil Al-Haja am Freitag in Gaza.
Nach Angaben des Hamas-Vertreters im Libanon, Osama Hamdan, sind innerhalb der Organisation Forderungen laut geworden, Deutschland statt wie bislang Ägypten mit der Vermittlung eines Gefangenenaustausches zwischen der Hamas und Israel zu beauftragen. Die Hamas hält seit mehr als zwei Jahren den entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit fest.
Derzeit sind 8500 Palästinenser in Israel in Haft
Israel hat nach Angaben eines Hamas-Sprechers vom Freitag bislang nur 70 Namen von einer Liste mit 450 Gefangenen bestätigt, die im Austausch für Schalit aus israelischen Gefängnissen freigelassen werden sollen. Israel hat beispielsweise die geforderte Haftentlassung des zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten ehemaligen Fatah-Führers im Westjordanland, Marwan Barguti, abgelehnt. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B'tselem sind derzeit rund 8500 Palästinenser in Israel inhaftiert. Aus Sicht von Hamas-Sprecher Haja hat der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz vom Mittwoch positive Auswirkungen. «Hamas wird den Nutzen daraus ziehen, dass Häftlinge mit Blut an den Händen freigelassen wurden. Das wird Hamas helfen, eine ähnliche Vereinbarung zu erzielen», sagte Haja. Der Sprecher bezog sich dabei unter anderen auf den freigelassenen libanesischen Terroristen Samir Kuntar, der für den Tod von fünf Israelis verantwortlich ist.
Hamas: Ägypten übt nicht genug Druck aus
Nach den Worten von Haja hat die Hamas auch eine weitere Lehre gezogen. «Wir haben aus dem Hisbollah-Handel gelernt, Verhandlungen geheim zu halten. Wir haben beschlossen, dass wir nichts mehr in den Medien diskutieren, bis eine Vereinbarung (mit Israel) ausgehandelt worden ist», sagte er. Die israelischen Medien berichteten am Freitag, dass in der Hamas Forderungen nach einer deutschen Vermittlung laut geworden sind. Viele Hamas-Mitglieder seien unzufrieden, weil ihrer Ansicht nach Ägypten zu wenig Druck auf Israel ausübt. Der Hamas-Vertreter im Libanon, Osama Hamdan, hatte am Donnerstag in einem Gespräch mit dem arabischen Fernsehsender «Al Dschasira» diese Forderungen bestätigt. Nach seinen Worten hat die Hamas-Führung über einen solchen Ansatz aber noch nicht gesprochen. (dpa)