Trauer in Israel:
«Dies ist ein schwarzer Tag»
16. Jul 2008 15:17
 |  Viele Menschen in Israel trauern mit den Eltern der toten Soldaten | Foto: AP |
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Die Übergabe der Särge mit den sterblichen Überresten zweier Soldaten hat in Israel landesweit Trauer ausgelöst. In die Verzweiflung mischte sich auch Wut über die Freilassung eines besonders brutalen Attentäters.
«Es war wie ein stummer Aufschrei», beschrieb Rabbi David Meir Druckman die schockierte Reaktion der Angehörigen, als sie die dramatischen Fernsehbilder von zwei dunklen Särgen der toten israelischen Soldaten sahen. «Dies ist ein schwarzer Tag», sagte der Rabbiner von Kiriat Motzkin im Norden Israels, der am Mittwoch in dem Moment der Wahrheit der Familie einer der Soldaten Beistand leistete. «Ich konnte sie kaum anschauen, das sind Dinge, die man gar nicht in Worte fassen kann - ich würde es meinen schlimmsten Feinden nicht wünschen.»
Nach zwei Jahren des Bangens und Hoffens erfuhren die Familien der beiden israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser, deren Entführung im Juli 2006 den Libanonkrieg auslöste, nun die traurige Wahrheit. Zwei schlichte schwarze Särge mit den sterblichen Überresten präsentierte ein Führungsmitglied der libanesischen Hisbollah-Miliz nach langem Katz- und Mausspiel vor Journalisten am Grenzübergang Rosch Hanikra, der auf der libanesischen Seite Nakura heißt. Damit erwies sich die leise Hoffnung der Familien als trügerisch, ihre Söhne könnten ihre schweren Verletzungen bei dem Angriff von Hisbollah-Kämpfern auf ihre Militärfahrzeuge doch überlebt haben. «Es war schlimm, die Särge zu sehen», sagte Zvi Regev, Vater eines der Soldaten.
Trauer, Wut und Hass
Nachbarn zündeten nach Eintreffen der traurigen Nachricht neben dem Haus der Regev-Familie Gedenkkerzen an. Eine Tante Regevs brach weinend und schreiend zusammen. In die Trauer über den Verlust der jungen Männer, die am letzten Tag ihres Reservedienstes auf einer Patrouille an der israelisch-libanesischen Grenze entführt worden waren, mischten sich auch Hass und Wut, insbesondere angesichts der Freudenfeiern im Libanon und im palästinensischen Gazastreifen. Nachbarn schworen Rache an Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. «Wir werden ihn bekommen, auch wenn es 20 Jahre dauert», rief ein aufgebrachter Mann. «Es hilft ihm nicht, wenn er sich feige in seinem Bunker versteckt.» Man versucht sich in Israel mit dem Gefühl der moralischen Überlegenheit zu trösten. Es wird Abscheu über die libanesische Gesellschaft geäußert, die Mörder als Volkshelden feiere. Er habe Mitleid mit Nasrallah und dem libanesischen Volk, «wenn das der große Erfolg ist, uns bis zuletzt in Ungewissheit zu lassen», sagte Schlomo Goldwasser. Gemeinsam mit der Familie des ebenfalls vor zwei Jahren entführten Soldaten Gilad Schalit, der im Gazastreifen festgehalten wird, hatten die Familien Regev und Goldwasser zwei Jahre lang unermüdlich für die Rückkehr der Söhne gekämpft. Mit Treffen mit wichtigen Persönlichkeiten und Staatschefs in aller Welt erlangten sie traurige Berühmtheit.
Kuntar hatte Vierjähriger den Kopf zerschmettert
Der Tauschhandel mit Hisbollah, den der deutsche Vermittler Gerhard Conrad unter größten Mühen aushandeln konnte, war in Israel bis zuletzt stark umstritten. Zu hoch sei der Preis der Freilassung des Topterroristen Samir Kuntar, der für den Tod von fünf Israelis verantwortlich ist. Er gilt in Israel als Inkarnation des Bösen, seit er 1979 an der Spitze eines palästinensischen Terrorkommandos in Naharia im Norden Israels einem vierjährigen Mädchen den Kopf zerschmetterte. Dass er nun im Tausch gegen Leichen freigelassen wird, halten insbesondere Geheimdienstchefs in Israel für einen gefährlichen Präzedenzfall, der auch zu weiteren Entführungen ermutigen könnte.Doch auch Hisbollah hat für die Freilassung Kuntars einen hohen Preis bezahlt. «Sie haben etwa 800 Mann verloren und ihre ganze Wirtschaft (im Libanonkrieg) zerstört, und wofür?», fragte Schlomo Goldwasser. «Für jemanden, der eine Vierjährige ermordet hat? Kann man einen solchen Menschen als Helden bezeichnen? Er ist doch nicht mehr als ein mieser Schurke.» (Sara Lemel, dpa)