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Gefangenenaustausch : 

Ein BND-Mann zog die Strippen

16. Jul 2008 11:00, ergänzt 12:20
Verschwiegen und diskret: Der BND in Pullach
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Es war ein Marathoneinsatz zwischen den Fronten: Der Geheime agierte 18 Monate lang im Hintergrund, er pendelte er unermüdlich zwischen dem UN- Sitz New York, Tel Aviv, Beirut und europäischen Städten. Sein Name war lange geheim geblieben.

Die Übergabe von Gefangenen zwischen der Hisbollah und Israel am libanesisch- israelischen Grenzübergang Rosch Hanikra («Höhlenkopf») ist auch das Verdienst eines deutschen BND-Agenten. Der Mann, dessen Name offiziell nicht genannt wird, hat in den vergangenen 18 Monaten eine Mammutaufgabe mit viel Verhandlungsgeschick und noch mehr Ausdauer bewältigt: Er vermittelte zwischen den Fronten mit Hartnäckigkeit und Kreativität, bis jetzt endlich das Verhandlungsergebnis steht. Gerhard Conrad soll er heißen - Die Angehörigen der Verschleppten hätten sich mehrmals heimlich mit ihm getroffen, sagte ein Sprecher der Familien der Nachrichtenagentur dpa.

Es ging um die Auslieferung der beiden israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev, am 12. Juli 2006 von der Hisbollah verschleppt. Die Tat löste den zweiten Libanon-Krieg aus, der 33 Tage dauerte. Obwohl sie tot sind, stimmte das Kabinett in Jerusalem mit großer Stimmenmehrheit (22:3) für den Deal mit der Hisbollah, die im Gegenzug fünf libanesische Gefangene, darunter den Top-Terroristen Samir Kuntar, erhält.
Wie auch immer der BND-Mann wirklich heißt, handelte im Auftrag der Vereinten Nationen und wird nur der «Facilitator» genannt, also einer, der schwierige Verhandlungen als «Förderer» oder «Erleichterer» begleitet, anstößt und führt. Er war schon 2004 an Bord, als ein Häftlingsaustausch zwischen Israel und der Hisbollah ausgehandelt wurde. Diesmal pendelte er unermüdlich zwischen dem UN- Sitz New York, Tel Aviv, Beirut und europäischen Städten. 700.000 Flugkilometer legte er auf mehr als 100 Reisen zurück, listet ein internes Papier aus dem Bundeskanzleramt auf.

Zähe Verhandlungen bis tief in die Nacht und frustrierende Rückschläge gehörten 18 Monate lang zum täglichen Geschäft des deutschen Vermittlers - eine ständige «Berg- und Talfahrt», wie es heißt. Die schier unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den Positionen von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und der israelischen Seite brachten die Gespräche mehrfach an den Punkt des Scheiterns. Dennoch gelang zum Schluss die Einigung, die in Berlin als «großer Erfolg» für die Vereinten Nationen, die Bundesregierung und eben auch für den «Facilitator» gewertet wird.

Wenn man es zynisch sieht, dann verschaffte sich die Hisbollah auf den ersten Blick einen Punktgewinn. Sie hat endlich eines ihrer Ziele erreicht und den Terroristen Kuntar freigepresst, der für den Tod zweier israelischer Polizisten sowie eines Vaters und dessen zweier kleiner Töchter verantwortlich ist. Für die Angehörigen der beiden verschleppten israelischen Soldaten gibt es dagegen am Mittwoch fast genau zwei Jahre nach der Entführung vielleicht keinen Trost - aber doch endlich Gewissheit und ein Ende des langen Wartens. (Helmut Reuter, dpa)

 
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