Entführung in der Türkei:
Unfreiwillige «Ehrengäste» der PKK
14.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
In einem Telefonat mit der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos bezeichnete PKK-Sprecher Ahmed Deniz die Männer nicht als Geiseln, sondern als «Ehrengäste». Ihnen gehe es «ausgezeichnet». Alle, die eine Freilassung wollten, müssten aber erst dafür sorgen, dass die türkische Regierung ihren Kampf gegen die Kurden einstelle. Nach türkischen Zeitungsberichten kam es in der Nacht zum Montag abermals zu Gefechten zwischen der PKK und dem Militär.
Die Geiseln in der Türkei können nach Ansicht eines Experten auf einen glimpflichen Ausgang hoffen. «Die PKK hat in der Vergangenheit ihre Geiseln human behandelt und nach einer gewissen Zeit immer freigelassen», sagte Heinz Kramer von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Allerdings habe die Rebellenorganisation Entführungen stets «politisch ausgeschlachtet». Die Bundesregierung könne nicht viel für die Geiseln tun. «Da gibt es keinen direkten Einfluss», sagte Kramer.
Nach Informationen der türkischen Tageszeitung «Hürriyet» bombardierten türkische Kampfjets in der Nacht zum Montag Lager der PKK an der Grenze zum Irak. Auch Bodentruppen waren den Angaben zufolge beteiligt. Insgesamt waren demnach rund 500 Soldaten im Einsatz. Nach einem Bericht der Zeitung «Sabah» hatten «PKK- Terroristen» versucht, über die Grenze aus dem Norden des Iraks in die Türkei zu gelangen. Über mögliche Opfer wurden keine Angaben gemacht.
Die Versammlung kurdischer Vereine und Organisationen in Berlin hat die «sofortige Freilassung» der in der Türkei entführten drei deutschen Bergsteiger gefordert.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatten am Sonntag in Paris eine intensive Zusammenarbeit vereinbart, um eine schnelle Freilassung der von Kurden entführten drei Bayern zu erreichen.
Auf T-Shirts und Flaggen seien vereinzelt Symbole gezeigt worden, die einen Bezug zur PKK hätten, sagte eine Kölner Polizeisprecherin am Montag. Derzeit werde das Filmmaterial der Veranstaltung vom Samstag ausgewertet. Die auf dem Fest gehaltenen Rede seien vermutlich jedoch ohne strafrechtliche Relevanz. Insgesamt sei die Veranstaltung mit über 5000 Teilnehmern friedlich verlaufen. Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in Deutschland seit 1993 verboten.
Auf den Türkei-Tourismus hat sich die Entführung nach Angaben führender deutscher Reiseveranstalter bisher nicht ausgewirkt. Verstärkt Kundennachfragen habe es weder bei Urlaubern gegeben, die kurz vor einer Abreise in die Türkei stehen, noch bei Feriengästen, die dort bereits sind. (dpa, AP)

