Entführung in der Türkei:
Unfreiwillige «Ehrengäste» der PKK
14. Jul 2008 22:03
 |  Laut PKK-Sprecherin Avesta geht es den Geiseln gut | Foto: AP |
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Den deutschen Geiseln in der Türkei geht es den Entführern zufolge gut. In der Nacht hat die türkische Armee Lager der PKK bombardiert. Die Terror-Organisation fordert, dass die Bundesregierung gegen diese Angriffe vorgeht.
Fast eine Woche nach der Entführung von drei deutschen Bergsteigern in der Türkei ist in dem Geiseldrama noch immer kein Ende in Sicht. Die kurdische Rebellenorganisation PKK kündigte am Montag an, dass die drei Männer aus Bayern erst freigelassen würden, wenn ein «friedliches Klima» geschaffen werde.
Das Auswärtige Amt wollte keine Einzelheiten zum Stand der Bemühungen nennen. Die Bergsteiger waren am Dienstag vergangener Woche am Berg Ararat im Osten der Türkei von Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verschleppt worden. In einem Telefonat mit der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos bezeichnete PKK-Sprecher Ahmed Deniz die Männer nicht als Geiseln, sondern als «Ehrengäste». Ihnen gehe es «ausgezeichnet». Alle, die eine Freilassung wollten, müssten aber erst dafür sorgen, dass die türkische Regierung ihren Kampf gegen die Kurden einstelle. Nach türkischen Zeitungsberichten kam es in der Nacht zum Montag abermals zu Gefechten zwischen der PKK und dem Militär.
Krisenstab im Einsatz
Im deutschen Außenministerium lief die Arbeit des Krisenstabes weiterhin auf Hochtouren. Außenamtssprecher Jens Plötner lehnte es ab, «operative Details» zu nennen. Oberste Priorität hätten das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Männer. Auch im Fall der beiden in Nigeria entführten deutschen Ingenieure wurden keine neuen Entwicklungen bekannt. Die beiden Mitarbeiter einer Tochterfirma des Baukonzerns Bilfinger Berger waren am Freitag verschleppt worden. Der Konzern lässt die Arbeiten auf den Baustellen im ölreichen Niger- Delta deshalb vorerst ruhen. Die Geiseln in der Türkei können nach Ansicht eines Experten auf einen glimpflichen Ausgang hoffen. «Die PKK hat in der Vergangenheit ihre Geiseln human behandelt und nach einer gewissen Zeit immer freigelassen», sagte Heinz Kramer von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Allerdings habe die Rebellenorganisation Entführungen stets «politisch ausgeschlachtet». Die Bundesregierung könne nicht viel für die Geiseln tun. «Da gibt es keinen direkten Einfluss», sagte Kramer.
PKK-Spitze distanziert sich
In einer von der PKK-nahen Nachrichtenagentur Firat verbreiteten Erklärung hieß es, Deutschland solle die Türkei auffordern, ihre Kampfeinsätze in der osttürkischen Region zu stoppen. Die PKK-Spitze hat sich demnach von der Geiselnahme distanziert und dafür eine «Eigeninitiative der Provinzkommandatur» verantwortlich gemacht. Die PKK habe bisher keine «feindliche Einstellung» gegenüber Deutschland, zitierte Firat aus der Erklärung. Nach Informationen der türkischen Tageszeitung «Hürriyet» bombardierten türkische Kampfjets in der Nacht zum Montag Lager der PKK an der Grenze zum Irak. Auch Bodentruppen waren den Angaben zufolge beteiligt. Insgesamt waren demnach rund 500 Soldaten im Einsatz. Nach einem Bericht der Zeitung «Sabah» hatten «PKK- Terroristen» versucht, über die Grenze aus dem Norden des Iraks in die Türkei zu gelangen. Über mögliche Opfer wurden keine Angaben gemacht.
Zurückhaltung angesagt
Bei laufenden Entführungsfällen ist das Auswärtige Amt grundsätzlich sehr zurückhaltend mit Informationen. Auch die Frage, ob es Lebenszeichen von den Geiseln gebe, wollte der Sprecher nicht beantworten. Außer den beiden Fällen in der Türkei und in Nigeria gelten derzeit auch in Somalia, in Afghanistan und im Irak deutsche Staatsbürger als verschleppt.
Die Versammlung kurdischer Vereine und Organisationen in Berlin hat die «sofortige Freilassung» der in der Türkei entführten drei deutschen Bergsteiger gefordert.Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatten am Sonntag in Paris eine intensive Zusammenarbeit vereinbart, um eine schnelle Freilassung der von Kurden entführten drei Bayern zu erreichen.
Ermittlungen in Köln
In Köln ermittelt der Staatsschutz gegen mehrere Teilnehmer eines kurdischen Sport- und Kulturfestes wegen des Zeigens von verbotenen Symbolen der Arbeiterpartei PKK.Auf T-Shirts und Flaggen seien vereinzelt Symbole gezeigt worden, die einen Bezug zur PKK hätten, sagte eine Kölner Polizeisprecherin am Montag. Derzeit werde das Filmmaterial der Veranstaltung vom Samstag ausgewertet. Die auf dem Fest gehaltenen Rede seien vermutlich jedoch ohne strafrechtliche Relevanz. Insgesamt sei die Veranstaltung mit über 5000 Teilnehmern friedlich verlaufen. Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in Deutschland seit 1993 verboten.
Auf den Türkei-Tourismus hat sich die Entführung nach Angaben führender deutscher Reiseveranstalter bisher nicht ausgewirkt. Verstärkt Kundennachfragen habe es weder bei Urlaubern gegeben, die kurz vor einer Abreise in die Türkei stehen, noch bei Feriengästen, die dort bereits sind. (dpa, AP)