14.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Könnte die Weltbevölkerung den neuen US-Präsidenten wählen, stünde das Ergebnis schon fest: Barack Obama. Gegenkandidat McCain hätte immerhin gute Chancen in Tansania, berichtet Jens Teschke .
Berlin streitet noch darüber, ob Barack Obama vor dem Brandenburger Tor reden darf. Doch der «Spiegel» sieht in dem noch ungekürten Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten bereits einen neuen Messias und die Mehrheit der Deutschen wünscht sich ihn als neuen Regierungschef in Washington. Mit dieser Begeisterung sind die Deutschen aber nicht allein. Weltweit siegt der US-Demokrat vor seinem republikanischen Mitbewerber John McCain - zumindest in Umfragen.
Jung gegen AltDas Online-Magazin «Flyp» zitiert den schwedischen EU-Parlamentsabgeordneten Anders Wijkman: «Obama steht für all das, was sich die Welt von den USA wünschen. McCain repräsentiert das, was die USA jetzt sind und davon wollen wir nicht noch mehr haben.»
Fest steht, die Begeisterung für Obama ist nicht unbedingt gut begründet, sondern vor allem emotional. Obama, das ist für viele weltweit der junge, dynamische, charismatische und irgendwie deswegen auch sympatische Kandidat; ohne dabei sonderlich auf das zu achten, was er politisch will und plant. McCain ist der alte, der Bush-Kandidat; auch hier wird auf das, was er für einen politischen Kurs fahren würde, nicht geachtet.
Obama ist der Kandidat der EuropäerIm April befragte das renommierte Pew Institute Menschen in 23 Nationen, von Großbritannien bis Tansania. Ergebnis der Umfrage: In allen Ländern liegt Obama vorne und in allen Nationen ist der US-Wahlkampf von großem Interesse. In Tansania würden allerdings immerhin 50 Prozent der Einwohner John McCain wählen.
Besonders in Europa könnte sich allerdings der Kandidat der Demokraten eines Sieges sicher sein. Der «Daily Telegraph» ermittelte in seiner Umfrage in Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Russland insgesamt eine Zustimmung von 52 Prozent für Obama, 37 Prozent mehr als sein Kontrahent von den Republikanern.
Auffallend: In Russland würde Obama schwache 31 Prozent erzielen, läge aber dennoch sieben Prozent vor McCain. Die Umfrage ergab auch, dass die Vereingten Staaten von Amerika derzeit ein massives Image-Problem haben. 43 Prozent sehen in den USA eher eine «Force of Evil» als eine «Force of Good».
Ignorieren, was Obama politisch willKein Wunder also, dass Politiker wie Bundesaußenminister Steinmeier nach neuem Schwung für die transatlantischen Beziehungen suchen und dabei stark auf den beliebten Obama setzen.
«Das Problem wird sein, dass auch Obama die Hoffnungen in ihn enttäuschen muss», sagt Constanze Steinmüller vom German Marshall Fund in Berlin. Die Deutschen glaubten, dass Bush ein Alptraum sei, der nun zu Ende geht, aber fest stehe, dass sich die Welt wirklich seit 9/11 verändert hat. Experten, die eben in Umfragen nicht zu Wort kommen, sehen dagegen durchaus krtische Punkte in der zukünftigen Politik Obamas. Seine Äußerungen zu Afghanistan, Handelssanktionen und Todestrafe unterscheiden sich nicht unbedingt von dem, was auch vorher bereits Kurs der Bush-Regierung war. Auch Obama will mehr Engagement der Europäer, insbesondere der Deutschen, in Afghanistan, auch Obama ist für die Todestsrafe in den USA und seine Ansichten zur Wirtschaftspoltik seines Landes lassen nicht unbedingt darauf hoffen, dass die weltweite Rezession noch abgewendet werden könnte.