14.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
PKK wünscht sich deutsche Einmischung
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Eine baldige Freilassung der Geiseln ist nicht in Sicht. Deutschland will nicht erpressbar sein und sucht den Schulterschluss mit der türkischen Regierung. Ein weiterer Entführungsfall beschäftigt den Krisenstab.
Die drei deutschen Geiseln in der Osttürkei sollen nach einer neuen Erklärung der kurdischen Rebellenorganisation PKK wohlauf sein. In der Stellungnahme, die von der PKK-nahen Nachrichtenagentur Firat am Sonntagabend verbreitet wurde, drohte die verbotene Kurdenpartei indirekt auch mit Angriffen auf deutsche Wirtschaftsinteressen in der Türkei.
Deutschland solle die Türkei auffordern, ihre Kampfeinsätze in der osttürkischen Region zu stoppen, hieß es laut ZDF in der Erklärung. Die PKK-Spitze hat sich demnach aber von der Geiselnahme distanziert und dafür eine «Eigeninitiative der Provinzkommandatur» verantwortlich gemacht.
Hinweise auf eine baldige Freilassung der drei Geiseln aus Bayern gab es bis zum späten Sonntagabend nicht, ebenso wenig hinsichtlich der beiden in Nigeria entführten deutschen Ingenieure. Die Bemühungen des Krisenstabs im Auswärtigen Amt gingen unvermindert intensiv weiter.
Schnell und unversehrt freikommenFünf Tage nach der Entführung der drei bayerischen Bergsteiger durch PKK-Rebellen am Ararat hatten Deutschland und die Türkei auf höchster Ebene engen Schulterschluss zur Lösung des Geiseldramas demonstriert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vereinbarten am Sonntag am Rande des EU- Mittelmeer-Gipfels in Paris eine intensive Zusammenarbeit, um eine schnelle Freilassung der drei Bayern zu erreichen.
Erdogan versicherte nach Angaben der deutschen Delegation in Paris, seine Regierung werde alles tun, damit die Deutschen «schnell und unversehrt» freikommen. Zuvor hatte bereits Außenminister Frank- Walter Steinmeier (SPD) mit seinem türkischen Kollegen Ali Babacan über die Geiselnahme beraten.
Nicht feindlich gegenüber DeutschlandMerkel appellierte am Wochenende an die Entführer, die Geiseln «umgehend und unversehrt freizulassen». Erneut machte sie aber deutlich, dass sich die Bundesregierung nicht erpressen lasse. Eine sechsköpfige deutsche Delegation, zu der zwei Polizisten gehören, nahm nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Gespräche mit dem Gouverneur der osttürkischen Provinz Agri und lokalen Militärs auf.
Die PKK habe bisher keine «feindliche Einstellung» gegenüber Deutschland, hieß es laut Agentur Firat in der Erklärung vom Sonntag. Und weiter: «Wenn wir solch eine Haltung hätten, hätten wir den deutschen Wirtschaftsinteressen in der Türkei großen Schaden anrichten können.» Jeder wisse, dass die PKK die Stärke dazu habe.
Bei den beiden in Nigeria verschleppten Deutschen handelt es sich nach Angaben des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger um Ingenieure des Tochterunternehmens Julius Berger Nigeria. Steinmeier hatte diese Entführung am Samstag bestätigt. (dpa)