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G8-Gipfel: 

Hunger ist zurück auf der Agenda

07. Jul 2008 21:10
Nahrungsmittelkrise bringt den Hunger zurück auf die politische Agenda
Foto: AP
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Der Kampf gegen den Hunger spielt beim G8-Gipfel in Japan eine zentrale Rolle. Weltbank-Chef Zoellick fordert zehn Milliarden Dollar, um die größte Not zu lindern.

«Der Hunger ist auf die politische Agenda zurückgekehrt»: Was das International Food Policy Research Institute so nüchtern feststellt, wird auch den G8-Gipfel 2008 maßgeblich beschäftigen. Die Versorgung der Bevölkerungen mit bezahlbarer Nahrung bereitet vielen Regierungen schon heute schlaflose Nächte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die globale Sicherheit bedroht und ruft ihre G8-Kollegen zum Handeln auf.

Jeden Tag hungern weltweit 850 Millionen Menschen. Und jedes Mal, wenn die Preise für das tägliche Essen weltweit um einen Prozentpunkt steigen, sind 16 Millionen Menschen zusätzlich vom Hunger bedroht. Weltbank-Präsident Robert Zoellick bat die Gruppe der G8 eindringlich, etwa 10 Milliarden US-Dollar (6,3 Milliarden Euro) zu geben, um die größte Not zu lindern. «Es ist eine von Menschen geschaffene Katastrophe, die von Menschen wieder in Ordnung gebracht werden muss.»

Schwere Unruhen weltweit

Die jahrelang stabilen Preise für Reis, Mais und Weizen sind explodiert. Nach Angaben der Weltbank stiegen sie in den vergangenen Jahren um bis zu 181 Prozent. Schwere Unruhen waren die Folge, in Haiti, Kamerun, Mauretanien, dem Senegal und der Elfenbeinküste starben Hunderte Menschen. Gründe für den Preisanstieg: das Bevölkerungswachstum, der steigende Wohlstand vieler Asiaten mit veränderten Essgewohnheiten, Spekulationen an den Rohstoffmärkten und ein wachsender Anbauflächenbedarf für sogenannte Energiepflanzen (Biosprit).

Der wachsende Wohlstand in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien wird zu einer Art entwicklungspolitischem Bumerang. In Brasilien hat sich der Fleischkonsum seit Mitte der 80er Jahre verdoppelt, in China mit seinen 1,3 Milliarden Menschen fast verdreifacht. Problem: Sieben bis acht Kilo Getreide werden benötigt, um ein Kilo Fleisch zu produzieren. Getreide, das für Brot fehlt.

Beim Thema Biosprit wählt Zoellick harte Worte: «Während sich viele in Europa und Asien Sorgen machen, wie sie ihren Tank füllen, kämpfen andere im Rest der Welt darum, ihre Mägen zu füllen.» In den USA geht bereits ein Drittel der Maisernte in die Produktion von Biosprit. Die USA - größter Getreideproduzent der Erde - subventionieren Ethanol mit 7,3 Milliarden Dollar. Weltweit hat sich die Ethanolproduktion zwischen 2000 und 2007 verdreifacht. Bis 2017 wird sie sich abermals verdoppeln, und zwar auf 127 Billionen Liter. Der Maispreis könnte Berechnungen zufolge bis 2020 um weitere 25 Prozent steigen, betroffen sind wiederum vor allem die armen Länder. Auch Ölsaaten und Zucker werden noch teurer.

Protektionismus als Antwort auf Nahrungskrise

Weltbank-Präsident Robert Zoellick
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Die Nahrungskrise lässt immer mehr Staaten Schutz im Protektionismus suchen. Sie schotten ihre Märkte ab, frieren Preise ein, verbieten oder beschränken Exporte. Dadurch steigen die Weltmarktpreise weiter - und die Lage für die armen Länder wird noch schlimmer. Die Industriestaaten geben für die Subventionierung ihrer Bauern viermal so viel Geld aus wie für Entwicklungshilfe. Und: Diese Subventionen verhindern letztendlich eine stärkere Agrarproduktion in den Entwicklungsländern.

Die weltweiten Weizenvorräte sind so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das liegt schlicht auch am Klima - Beispiel Australien: Das Land verkauft zwei Drittel seiner Agrarproduktion auf dem Weltmarkt und zählt zu den fünf größten Exporteuren von Weizen. Nur wächst seit sechs Jahren im wichtigsten Anbaugebiet Australien praktisch nichts mehr, es ist zu heiß und zu trocken. Die Ernte ging um 60 Prozent zurück - mit unmittelbaren Folgen für den Weltmarktpreis.

Angesichts der Rekordpreise für Weizen, Reis und Soja stehen zunehmend auch die Finanzmärkte am Pranger. Die Profitgier der Spekulanten sei Schuld, meinen Kritiker. In der Tat lassen sich mit Finanzgeschäften rund um Agrarprodukte derzeit satte Gewinne machen. Experten streiten sich, wie stark der Einfluss der Börsianer auf Lebensmittelpreise und Versorgungsnöte wirklich ist. Dass die Preise je wieder auf ihr altes Niveau sinken, glaubt niemand - dafür gibt es einfach zu wenig Grund. (Von Martin Bialecki, dpa)

 
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