G8-Gipfel:
Die abgespaltene Anti-Atom-Nation
07. Jul 2008 13:03, ergänzt 15:49
 |  Für die Bundeskanzlerin beginnen schwierige Verhandlungen | Foto: dpa |
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Wenn es um Kernkraft geht, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem G8-Gipfel völlig alleine dastehen. Vor allem die USA preisen Atomkraftwerke als Klimaretter. Deutschland dagegen steigt aus.
Die Kanzlerin ist zuversichtlich, wenigstens ein bisschen. «Ein Fortschritt erscheint möglich», soll Angela Merkel nach einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Yasuo Fukuda gesagt haben. Zum Auftakt des G8-Gipfels Toyako einigten sich die beiden, für ein «bedeutungsvolles Ergebnis» in Klimafragen zu kooperieren. So stellte es ein Sprecher des japanischen Außenministeriums dar.
Ähnliches war von Fukuda und dem britischen Premier Gordon Brown bei einem bilateralen Treffen zu hören. Gastgeber Japan wolle erreichen, dass die G8-Staaten ein «Krisenbewusstsein» teilten, stellte der Sprecher des Ministeriums fest.In den Grundzügen ist das möglicherweise zu schaffen. Wenn es konkret wird, beginnen die Schwierigkeiten. Besonders bei der Atomenergie. Da nämlich steht Deutschland isoliert da. Die USA betrachten deren Nutzung sogar als einen Prüfstein für die Ernsthaftigkeit im Kampf gegen die globale Erwärmung. Mit ihnen bewerten sieben andere Länder die Kernkraft durchweg positiv. Nur Deutschland nicht. Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD steht der Atomausstieg festgeschrieben. Merkel selbst hatte in den vergangenen Wochen angedeutet, dass sie die Festlegung für nicht besonders sinnvoll hält. Sie bleibt aber fürs Erste daran gebunden und muss die Position in Toyako vertreten. Deshalb verkündete sie dort auch, dass die Atomkraft nicht der entscheidende Faktor beim Klimaschutz sei.
Atomkraftwerke als Lackmustest
Sie stellte sich damit deutlich gegen die Position der USA. Angesichts der Wirksamkeit der nuklearen Kraftwerke, die keinerlei Treibhausgase produzierten, seien «Atomkraftwerke der Lackmustest für die Ernsthaftigkeit» der Staaten, gegen die Klimaerwärmung zu kämpfen, sagte der engste Umweltberater des US-Präsidenten, Jim Connaughton, am Montag zum Auftakt. Wer wirklich den Ausstoß von Treibhausgasen einschränken wolle, komme an einer intensiven Nutzung der Atomkraft nicht vorbei.
Trotz dieser Differenzen hat der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die G8-Staaten aufgerufen, endlich Ernst mit dem Klimaschutz zu machen. Am Rande des Treffens der reichen Industriestaaten und Russlands (G8) im japanischen Toyako sagte Barroso am Montag, bis 2050 müssten die schädlichen Treibhausgase im Vergleich zu 1990 verbindlich um die Hälfte verringert werden. Barroso sitzt als Vertreter der EU-Kommission neben den USA, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland am Konferenztisch.
Barroso: «Wir brauchen eine Verpflichtung»
Beim Gipfel ein Jahr zuvor in Heiligendamm hatten sich die G8-Staaten zumindest darauf verständigt, die Halbierung der Treibhausgase bis 2050 ernsthaft zu prüfen. Barroso sagte, die Zeit der «ernsthaften Prüfung» sei nun vorbei. «Wir brauchen eine Entscheidung und eine eindeutige Verpflichtung zu diesen Zielen», sagte er.Vor allem die USA lehnen als größter Luftverschmutzer der Erde verbindliche Festlegungen zum Klimaschutz ab. US-Präsident George W. Bush will erst einem Abkommen zustimmen, wenn auch China und Indien mitmachen. (nz/dpa)