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Betancourt in Paris: 

«Sieben Jahre auf diesen Moment gewartet»

04. Jul 2008 20:34
Ein Herz und eine Seele: Präsidentengattin Carla Bruni, Sarkozy, Betancourt
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Ihre Ankunft in Paris ist ein großer Tag für Frankreich und seinen Präsidenten: Die freigelassene Geisel Ingrid Betancourt hat ihren Unterstützern herzlich gedankt und Spekulationen über ein Lösegeld zurückgewiesen.

Frankreich hat Ingrid Betancourt bei ihrer Rückkehr am Freitag einen begeisterten Empfang bereitet. Zwei Tage nach dem Ende ihrer sechsjährigen Gefangenschaft im kolumbianischen Dschungel gab es eine bewegende Willkommenszeremonie am Flughafen in Paris . Dort warteten hunderte Unterstützer und ließen sie mit «Ingrid, Ingrid»-Rufen hochleben. «Ich verdanke Euch alles, ich verdanke Euch mein Leben», sagte Betancourt. Frankreich habe vor allem dazu beigetragen, dass das kolumbianische Militär auf eine gewaltsame Befreiung verzichtet habe. «Ich habe fast sieben Jahre auf diesen Moment gewartet, ich bin überglücklich, dass ich hier bin», fügte sie hinzu. «Im Dschungel habe ich vor Schmerzen geweint, heute weine ich vor Freude.»

Beim Empfang im Élysée-Palast appellierte Betancourt an Staatspräsident Nicolas Sarkozy, sich weiter für die Geiseln einzusetzen, die noch in der Hand der Farc-Rebellen sind. An ihre Unterstützer gewandt, sagte sie: «Ich brauche euch also immer noch, wir können die anderen Geiseln nicht im Dschungel zurücklassen.» Mehrmals musste sie ihre Ansprache unterbrechen, weil ihr Freudentränen in die Augen traten. Sarkozy sicherte Betancourt Unterstützung zu. Frankreich sei außerdem bereit, Farc-Rebellen aufzunehmen, die ihre Waffen abgeben wollten. Der Staatschef hatte Betancourt sowie ihre Angehörigen und Unterstützer zu einem großen Fest in seinen Palast geladen.

Auf Berichte über eine inszenierte Befreiung und eine hohe Lösegeldzahlung reagierte Betancourt skeptisch. «Das, was ich miterlebt habe, kann keine Inszenierung gewesen sein», sagte sie. Die kolumbianischen Militärs, die unbewaffnet als Vertreter einer Hilfsorganisation auftraten, seien enorm angespannt gewesen. «Als der Hubschrauber abhob und der Farc-Kommandant überwältigt war, brach eine enorme Freude aus. Die war sicher nicht gespielt», sagte sie. Der Schweizer Radiosender RSR hatte berichtet, Betancourt und die 14 anderen Geiseln seien für etwa 20 Millionen Dollar (12,6 Millionen Euro) freigekauft worden. Die Befreiungsaktion sei lediglich eine «Maskerade» gewesen, berichtete der Sender unter Berufung auf einen ungenannten Informanten: Hinter dem Freikauf steckten dem Bericht zufolge die USA. Kolumbien und Frankreich dementierten dies.

Drei Jahre keine Sonne gesehen

Betancourt berichtete grausige Details aus ihrer Geiselhaft. Sie sei etwa drei Jahre lang rund um die Uhr angekettet gewesen und wie ein Hund behandelt worden. Im kolumbianischen Dschungel habe sie weder Sonne noch den Himmel gesehen. Trotz allem habe sie eine gewisse Sympathie für ihre Peiniger empfunden, räumte sie ein. Als sie den Kommandanten mit gefesselten Händen auf dem Boden liegend gesehen habe, sei sie erschüttert gewesen. Betancourt appellierte an die Farc-Rebellen, ihre Verbrechen aufzugeben und sich nicht weiter vorzumachen, dass sie für das Wohl Kolumbiens kämpften.

Die 46-Jährige will nun einige Tage in Frankreich bleiben und wird in der kommenden Woche auch von Papst Benedikt XVI. empfangen. «Ich würde gerne Lourdes besuchen», sagte sie. Ihre Gebete hätten geholfen, die Geiselhaft zu überstehen. An diesem Samstag soll sie in einem französischen Militärkrankenhaus untersucht werden. Vor wenigen Wochen hatte es geheißen, Betancourt sei sterbenskrank. Kurz nach ihrer Befreiung wirkte sie abgemagert, aber überraschend stabil.

Im Wahlkampf entführt

Die gebürtige Kolumbianerin ist als Tochter eines Diplomaten in Frankreich aufgewachsen und war in erster Ehe mit einem Franzosen verheiratet, dem Vater ihrer beiden Kinder. Nach der Scheidung ging sie zurück nach Kolumbien und begann dort eine politische Karriere. Sie wurde als Präsidentschaftskandidatin während des Wahlkampfs von linken Farc-Rebellen entführt. (dpa/AP)

 
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