Info-Kampf im Königreich:
Russische Agenten attackieren Großbritannien
04. Jul 2008 16:57
 |  Auch im Parlament in London dürfte man sich Sorgen machen | Foto: AP |
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Wenn der britische Premier und Präsident Medwedew sich beim G8-Gipfel treffen, wird frostige Stimmung erwartet. Ein Bericht, der die Spitzelangriffe aus Moskau mit Iran und Al Qaeda vergleicht, sorgt für erheblichen Ärger.
Britische Geheimdienste sehen die russische Spionage nach Angaben der «Times» als drittgrößte potenzielle Bedrohung des Königreichs an – nach der Terrororganisation Al Qaeda und dem Atomprogramm des Iran. Russische Spionagedienste hätten Großbritannien inzwischen «mit Agenten überflutet», schreibt die Zeitung am Freitag unter Berufung auf britische Geheimdienstkreise.
Dieses Problem könne das bevorstehende Treffen von Premierminister Gordon Brown mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew beim G8-Gipfel in der kommenden Woche in Japan überschatten. Britische Geheimdienstler seien «zutiefst irritiert, dass erhebliche ihrer Ressourcen darauf umgelenkt werden mussten, gegen die Industrie- und Militärspionage Russlands vorzugehen». Die Beziehungen zwischen Moskau und London sind seit langem frostig. Einen Tiefpunkt hatten sie nach der Ermordung des Kremlkritikers Alexander Litwinenko in London 2006 mit dem Strahlengift Polonium 210 erreicht. Russland weigerte sich, den von britischen Ermittlern als Täter beschuldigten Ex-Geheimdienstler Andrej Lugowoi auszuliefern.
Asyl für illegale Millionäre
Zu Spannungen führte auch das Vorgehen russischer Behörden gegen den britischen Erdölkonzern BP. Moskau kritisiert hingegen, dass London russischen Milliardären Asyl gewähre, die sich daheim illegal bereichert hätten. Der Chefkoordinator der britischen Geheimdienste ist unterdessen ins Koma gefallen und liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Die Polizei gehe allerdings nicht von einem Anschlag gegen den 57-jährigen Alex Allan aus, berichtete der Sender BBC am Freitag.
Kritischer Zustand des Geheimdienstkoordinators
Der Vorsitzende des Vereinigten Komitees der Geheimdienste sei Anfang der Woche in seinem Haus zusammengebrochen. «Sein Zustand ist kritisch», sagte ein Sprecher von Scotland Yard. «Die Angelegenheit wurde jedoch nicht als verdächtig eingestuft.» Der Sender verwies darauf, dass Allan im vergangenen November seine Ehefrau verloren hat, die an Krebs starb. Als Chef des Geheimdienstkomitees ist Allan laut BBC unter anderem dafür verantwortlich, dass die Mitglieder der Regierung in London mit allen wichtigen Erkenntnissen der Spionagedienste über die Sicherheit des Landes, die Verteidigung sowie die auswärtigen Angelegenheiten versorgt werden. Der Regierungsbeamte war erst im vergangenen Jahr mit dieser Aufgabe betraut worden. (nz/dpa)