Die türkische Öffentlichkeit war gespalten, nachdem die Polizei 21 Verdächtige als mutmaßliche Mitglieder einer nationalistischen Verschwörergruppe festgenommen hatte. Unter den Festgenommenen sind erklärte Widersacher der AKP und mehrere ranghohe Offiziere im Ruhestand. Ihnen wird vorgeworfen, einen Putsch gegen die AKP-Regierung geplant zu haben, der mit organisierten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei eingeleitet werden sollte. Der türkische Oppositionsführer Deniz Baykal hatte die Festnahmen mit der Verfolgung in Nazi-Deutschland verglichen. Regierungsgegner erklärten, mit der Polizeiaktion sollten Kritiker mundtot gemacht werden.
Der Generalstaatsanwalt will, dass die AKP aufgelöst wird und 71 Vertreter der Partei ein politisches Betätigungsverbot erhalten. Er hatte seinen Mitte März gestellten Antrag damit begründet, dass die AKP ein «Zentrum von Aktivitäten gegen den säkularen Staat» sei. Die Partei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan arbeite offen und verdeckt daran, das islamische Scharia-Recht einzuführen, hatte er am Dienstag vor den Richtern gesagt.
Die AKP hatte bei der Parlamentswahl vor einem Jahr 47 Prozent der Stimmen bekommen. Die EU und Deutschland haben den Verbotsantrag kritisiert. Die AKP ihrerseits kritisiert das Verfahren als politischen Prozess. (dpa/AP)