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«Die Operation war perfekt»: 

Betancourt glaubt an ein Wunder

03. Jul 2008 18:06, ergänzt 21:45
Ingrid Betancourt mit ihrer Tochter
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Die Bilder von der befreiten kolumbianischen Politikerin Betancourt sind um die Welt gegangen. In einer emotionalen Ansprache dankt Betancourt Gott, der Armee und den Medien. Mit Audio und Video

Nach sechs Jahren Geiselhaft im kolumbianischen Dschungel ist Ingrid Betancourt wieder mit ihrer Familie vereint. In einem bewegenden und tränenreichen Wiedersehen umarmte sie ihre beiden übernacht aus Paris herbeigeflogenen Kinder am Donnerstag. «Nirwana, Paradies - das muss dem ganz ähnlich sein, was ich jetzt fühle», sagte die ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin. Die Streitkräfte hatten sie am Mittwoch mit einer spektakulären und unblutigen Aktion zusammen mit 14 weiteren Geiseln der Farc-Guerilla befreit.

«Sie sind so anders und gleichzeitig doch dieselben», sagte Betancourt als sie mit ihren Kindern Mélanie und Lorenzo in der Hauptstadt Bogotá zu Journalisten sprach. Die Familie wollte am Freitagmorgen nach Frankreich fliegen. Ihre Mutter und ihren Exmann traf Betancourt bereits am Mittwoch bei der Rückkehr aus dem Dschungel. Nach ihrer Befreiung dankte die 46-Jährige zunächst dem kolumbianischen Staatspräsidenten Alvaro Uribe und der französischen Regierung sowie allen, die sich all die Jahre für sie eingesetzt haben.

Betancourt nannte die Operation des Militärs perfekt
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Die 46-jährige Grünenpolitikerin war am Mittwoch zusammen mit drei US-Bürgern und elf Angehörigen der kolumbianischen Polizei und Armee von einer Spezialeinheit der Streitkräfte befreit worden. Dabei war kein Schuss gefallen. In einer emotionalen Ansprache dankte Betancourt den Streitkräften für ihre Befreiung. «Danke an die Armee meiner Heimat Kolumbien! Die Operation war perfekt.» Die Politikerin bedankte sich auch bei den Medien, die es ihr erlaubt hatten mit ihrer Familie zu kommunizieren. «Ich schulde den Medien sehr viel. Ohne sie hätte ich vielleicht nicht überlebt.» Bei ihrer Rückkehr wirkte Betancourt überraschend gesund - in den vergangenen Monaten war die Sorge gewachsen, dass sie lebensgefährlich erkrankt sein könnte.

Internationale Pressestimmen zum Anhören:

Das erste Telefonat führte Ingrid Betancourt mit ihrer Mutter. «Mama, ich lebe, ich bin frei. Das was die Armee getan hat, ist unglaublich. Das wird in die Geschichte eingehen.»

Farc wurde getäüscht

Die Guerilleros der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) wurden nach Angaben der Regierung von Agenten des Militärgeheimdienstes getäuscht, die eingeschleust worden waren. FARC-Kämpfer führten die Geiseln zu einem vermeintlichen Flug zu ihrem Kommandeur Alfonso Cano. Am Abflugsort aber warteten zwei getarnte Hubschrauber der kolumbianischen Streitkräfte, wie Verteidigungsminister Juan Manuel Santos mitteilte.

Für den Notfall waren in der Region 39 weitere Hubschrauber in Alarmbereitschaft, die das Camp umzingelt und die Geiseln befreit hätten, wie Santos erklärte. Dieser Einsatz werde für seine Kühnheit und seine Effektivität in die Geschichte eingehen. Die Befreiung ist die größte Niederlage in der 44-jährigen Geschichte der staatsfeindlichen Guerillatruppe. Weltweit wurde die Befreiung mit Erleichterung und Freude aufgenommen.

Würdigung der Menschenrechte

Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe nannte die Militäroperation eine «Würdigung der Menschenrechte». Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte die Hoffnung, «dass in den nächsten Monaten die Freilassung auch der übrigen Entführungsopfer auf gewaltlose Weise erreicht werden kann». Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Günter Nooke (CDU) nannte die Befreiung einen Riesenerfolg für den kolumbianischen Präsidenten. Uribe sei es in letzter Zeit gelungen, die Rebellen zu schwächen, sagte Nooke im Inforadio RBB. Dies zeige, dass sich ein klarer Kurs gegen die Rebellen lohne.

Auch die EU zeigte sich erfreut. «Ich bin außerordentlich erleichtert und sehr glücklich darüber, dass der sechs Jahre anhaltende Alptraum Ingrid Betancourts und die Gefangenschaft von drei US-Bürgern sowie elf Kolumbianern endlich zu Ende gegangen ist», erklärte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner in Brüssel. Gleichzeitig erinnerte sie an alle Menschen, die noch in Geiselhaft sind und forderte deren unverzügliche und bedingungslose Freilassung.

Der erste Schritt

Der Generalsekretär des Weltkirchenrates, Samuel Kobia, bezeichnete die Befreiung als ersten Schritt in einem Prozess, der noch nicht zu Ende sei. Geiselnahmen sollten keinen Platz in sozialen und politischen Veränderungsprozessen haben, betonte er in Genf. Er äußerte die Hoffnung, dass die Vermittlungsversuche Frankreichs, Spaniens, Venezuelas und der Schweiz verstärkt werden, um Frieden und Gerechtigkeit in Kolumbien zu erreichen.

In dem südamerikanischen Land herrscht seit über 40 Jahren Bürgerkrieg zwischen Regierung, Rebellen und paramilitärischen Todesschwadronen. Die bewaffneten Gruppen finanzieren sich vor allem durch den Drogenhandel und Entführungen. Die Farc hält weiter etwa 700 Geiseln in ihrer Gewalt. Boliviens Präsident Evo Morales sagte in La Paz, die Völker Lateinamerikas müssten auf demokratischem Wege befreit werden. «Die Zeiten des bewaffneten Kampfes sind vorbei», betonte Morales.

Als Sympathisanten ausgegeben

Bei der Befreiung in der Urwaldprovinz Guaviare hatten sich die Soldaten als Sympathisanten der Rebellen ausgegeben, die die Geiseln mit einem Hubschrauber zu Farc-Chef Alfonso Cano bringen sollten. Dabei wurden zwei Rebellen gefangen genommen. Die Geiseln wussten bis zum Schluss nicht, dass sie befreit wurden, sagte Betancourt den Medien. «Der Chef der Operation sagte, wir sind von den nationalen Streitkräften. Sie sind frei.» Danach sei der Helikopter fast abgestürzt. «Wir sind herumgesprungen und haben geschrien, geweint und uns umarmt. Wir konnten es nicht glauben. Gott, Du hast ein Wunder vollbracht.»

Präsident Uribe sagte, auf die zurückgebliebenen Guerilleros sei nicht geschossen worden. «Wir waren an der Freiheit der Entführten interessiert, nicht an Blutvergießen.» Außerdem habe man der Farc die Botschaft vermitteln wollen, dass sie die verbliebenen Geiseln gut behandeln und freilassen sollten.

Betancourt, die auch einen französischen Pass besitzt, war im Februar 2002 während ihres Wahlkampfs für die kolumbianische Präsidentschaft mit ihrer Wahlkampfleiterin Clara Rojas entführt worden. Rojas ließen die Farc im Januar frei. Die drei US-Söldner, die mit Betancourt befreit wurden, Marc Gonsalves, Thomas Howes und Keith Stansell, befanden sich seit 2003 in der Gewalt der Farc. Sie waren im Auftrag der US-Regierung am Antidrogenkrieg Kolumbiens beteiligt.

Betancourt dankte allen, die sich jahrelang für sie eingesetzt hatten, darunter Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sowie dessen Vorgänger Jacques Chirac. Auch Venezuelas Präsident Hugo Chávez hatte sich um die Befreiung der Farc-Geiseln bemüht. (epd, AP, nz)

Betancourt über ihre Befreiung (span.)


Dankesrede von Betancourt (frz.)


Betancourt trifft ihre Kinder (span.)


 
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