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Finte bei Betancourt-Befreiung: 

Am Ende gehorchten die Rebellen den Soldaten

03. Jul 2008 13:51, ergänzt 17:34
Kolumbiens Präsident Uribe empfängt die befreite Geiseln
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Nach der Befreiung von 15 Geiseln in Kolumbien werden immer mehr Details des Manövers bekannt. Die Wächter glaubten irrtümlich, sie kommunizierten mit der Spitze der Farc. Ein US-Präsidentschaftskandidat war vorab informiert.


Nach der Befreiung von Ingrid Betancourt aus der sechsjährigen Geiselhaft in Händen der Guerrilla-Organisation Farc werden immer mehr Details des Manövers bekannt, bei dem auch drei US-Bürger frei kamen.

Die «Operation Schachmatt» wurde nach Worten des obersten Militärs General Mario Montoya seit Juni geplant. Es sei gelungen, die selbst ernannten «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (Farc) zu infiltrieren, insbesondere auch die Gruppen, die die Geiseln bewachten.

Ziel Vereinigung der Entführungsopfer

Man habe die Guerrilleros überzeugen können, dass sie untereinander kommunizierten. «Dann ging es darum, die drei Gruppen der Entführungsopfer zu vereinen», so Montoya. Anfangs hätten sich die Geisel rund 50 Kilometer voneinander entfernt aufgehalten, berichtet die Hauptstadtzeitung «El Espectador» von einer Pressekonferenz am Sitz des Präsidenten, der Casa Narino.

Am Ende befahlen die Soldaten dann sogar die Guerrilleros: «Wir gaben den Befehlshabern Kommando, sie sollten sich bereit machen, eine internationale Mission werde sie besuchen.» Und schließlich kündigten die Militärs an, die Gefangenen würden nun von einem Ort zum anderen geflogen. Die Wächter vor Ort dachten, die Befehle kämen von der Spitze der Farc.

Wächter der Farc gaben ihre Waffen ab

In einem als Zivilmaschine getarntem Militärhubschrauber überzeugten die Soldaten in Che Guevara-T-Shirts schließlich auch noch die beiden Farc-Wächter an Bord, sie müssten die Waffen ablegen. Sie verwiesen darauf, dass es sich um eine internationale Mission handele. Als die Soldaten die Waffen in ihren Händen hielten, erklärten sie die Guerrilleros für verhaftet und die Geiseln für befreit.

Möglich wurde die Befreiung, weil die Aufklärungstechnik – im Widerspruch zu allen öffentlichen Erklärungen - doch in der Lage war, die Bewegungen unter dem dichten Baumdach im Dschungel zu verfolgen.

USA lieferten «spezifische Unterstützung»

Zudem war das Militär im März in den Besitz eines Laptops der Nummer zwei der Guerrilla-Organisation, Raul Reyes, gekommen. Amerikanischen und kolumbianischen Spezialisten war es dadurch gelungen, Kommandostruktur und Kommunikationswege zu rekonstruieren, wie Heereschef Freddy Padilla berichtete.

Die «New York Times» berichtet, die USA wären an der Planung der Befreiung beteiligt gewesen und hätten «spezifische Unterstützung» geleistet. Details über die Art der Unterstützung wurden aber nicht bekannt.

McCain war vorab informiert

Laut «Washington Post» hatten Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe den designierten US-Präsidentschaftskandidaten John McCain über die geplante Befreiung in Kenntnis gesetzt. Der Kandidat der konservativen Partei hielt sich mit den Senatoren Joseph L. Liebermann und Lindsey O. Graham zu einem Besuch in Bogotá auf.

McCain sagte, er habe vor seiner Reise nichts von dem anstehenden Manöver gewusst. «Das sind hochriskante Operationen.» Solche Aktionen bedürften sehr langfristiger Planung. «No way, dass unserer Besuch irgendwas mit der Befreiung zu tun hätte.»

Liebermann bezeichnete den Plan als brilliant. Auch er betonte, dass die Ausführung rein zufällig mit dem Besuch der Delegation zusammengefallen sei. «Sie haben gefühlt, dass sie alles hatten, um die Aktion zu starten», so der Senator aus Connecticut, der im Jahr 2000 mit Präsidentschaftskandidat Al Gore für die Demokraten bei der Wahl 2000 angetreten war. (nz)

 
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