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Rettung aus dem Dschungel: 

Soldaten befreien Farc-Geisel Betancourt

02. Jul 2008 21:40, ergänzt 22:38
Zuletzt sei Betancourt sehr krank gewesen, hieß es
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Sie war die bekannteste Gefangene der kolumbianischen Farc-Rebellen. Jetzt ist die ehemalige Präsidentschaftskandidatin nach sechs Jahren frei gekommen, teilt die Regierung in Bogotá mit. Dabei halfen ausgetauschte Miethubschrauber.

Es war ein Trick, mit dem Ingrid Betancourt schließlich in die Freiheit gelangte – und mit ihr 15 andere, darunter drei Amerikaner. Die Rebellen hätten ihre Geiseln in einem gemieteten zivilen Hubschrauber transportieren wollen, sagte Verteidigungsminister Juan Manuel Santos.

Tatsächlich habe es sich aber um eine Maschine der Streitkräfte gehandelt, fügte der Minister hinzu. «Es wurde nicht ein Schuss abgegeben und die Ex-Geiseln sind in guter Verfassung», sagte Santos weiter. Außerdem seien zwei Rebellen, darunter der Chef der Geiselbewacher mit dem Kampfnamen «César», festgenommen worden.

Betancourt war im Februar 2002 entführt worden. Seitdem hielt man sie im Dschungel versteckt. Für ihre Freilassung hatten sich weltweit im Laufe der Jahre zehntausende Menschen bei Kundgebungen und Demonstrationen eingesetzt.

Zuletzt bemühte sich auch Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy um ein Ende des Geiseldramas. Jüngst hatte es geheißen, Betancourt sei todkrank. Nun teilte Santos jedoch mit, sie sei wie die anderen Geiseln bei relativ guter Gesundheit.

Stumm und verzweifelt

Nach fast sechseinhalb Jahren in der Gewalt der kolumbianischen Farc-Rebellen ist Betancourt zum Symbol für das Geisel-Drama in dem südamerikanischen Land geworden. Weltweit und vor allem in Frankreich, dessen Staatsbürgerschaft Betancourt neben der kolumbianischen besitzt, bildeten sich Initiativen, die sich für ihre Freilassung einsetzten. In Paris und Rom wurde sie zur Ehrenbürgerin ernannt.

Seit die heute 46-Jährige am 23. Februar 2002 im Südwesten des Landes verschleppt wurde, gab es kaum Nachrichten von ihr. Die neueste stammte von Ende vergangenen Jahres. Stumm und verzweifelt wirkte die früher vor Vitalität sprühende Frau auf dem Video ihrer Entführer. Davor hatte der nach mehr als achtjähriger Geiselhaft bei den Farc geflohene Polizist Jhon Frank Pinchao von ihr berichtet.

Kämpferin gegen Korruption

Die zierliche Frau habe fünf Fluchtversuche unternommen, erzählte er. Mit Gymnastik versuche sie, sich fit zu halten, mache sich Aufzeichnungen und schneide Artikel aus Zeitungen aus. Betancourts Mann, Juan Carlos Lecompte, klagte nach einem Gespräch mit Pinchao, seine Frau sei zwar bei guter Gesundheit, müsse aber am Hals angekettet schlafen und werde «wie ein Tier» gehalten.

Die Grünen-Politikerin Betancourt hat sich vor allem als Kämpferin gegen die Korruption einen Namen gemacht. Ihr Buch «Wut in meinem Herzen» erschien kurz vor der Entführung, wurde inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit weit über eine halbe Million Mal verkauft.

Gründerin der Grünen

Auf mehr als 250 Seiten schildert sie ihren Kampf gegen eine politische Kaste, die sich hinter den Kulissen am Staatseigentum bedient und jede Veränderung über Parteigrenzen hinweg zu verhindern weiß. Viele Kolumbianer halten ihr dabei aber Selbstüberschätzung vor. «Wenn man das liest, hat man den Eindruck, ohne Betancourt wäre Kolumbien schon lange untergegangen», sagt ein junger Journalist.

Nach dem Studium der Politologie in Frankreich und dem Ende ihrer Ehe mit einem französischen Diplomaten, aus der zwei Kinder stammen, kehrte sie 1990 nach Kolumbien zurück. 1994 wurde sie ins Parlament gewählt und gründete 1998 die Partei «Verde Oxígeno» (Grüner Sauerstoff). Vier Jahre später errang sie ein Mandat für den Senat, das sie 2002 niederlegte, um sich um die Präsidentschaft zu bewerben. Wenig später wurde sie entführt.

Geschwächte Farc

Die Farc, die den Staat schon seit mehr als 40 Jahren bekämpfen, hatten im März schon ihren Gründer Manuel Marulanda verloren. Er sei an einem Herzinfarkt gestorben. Bereits am 1. März war Marulandas informeller Stellvertreter Raúl Reyes bei einem kolumbianischen Angriff auf sein Lager in Ecuador getötet worden. Die Zahl der Farc-Guerilleros soll von früher 18.000 Frauen und Männern unter Waffen auf inzwischen unter 10.000 gefallen sein. Uribe hatte die Streitkräfte mit Milliardenhilfe der USA kontinuierlich aufgerüstet.

Damit haben die Farc kaum noch Geiseln von politischer Bedeutung, die sie wie gefordert gegen etwa 500 inhaftierte Guerilleros eintauschen könnten. Auch ihre Forderung nach einer demilitarisierten Zone im Süden des Landes für Verhandlungen über den Austausch von Geiseln gegen Häftlinge dürfte weiter an Kraft verloren haben. Uribe hatte dies ohnehin strikt abgelehnt.

Die Farc halten aber weiter etwa 20 Militärs und Polizisten in ihrer Gewalt, die sie eintauschen wollen. Außerdem gibt es etwa weitere 700 Geiseln, für die die Rebellen Lösegelder fordern. (nz/dpa)

 
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