EU-Ratspräsidentschaft:
«Sarkozy darf sich nicht als Diva aufführen»
Netzeitung: Herr Hänsch, Frankreich hat schon durch einige Alleingänge für Unruhe in der Europäischen Union gesorgt, etwa durch die Pläne für eine Mittelmeerunion oder in der Frage der Mehrwertsteuer auf Ölprodukte. Dürfen wir noch mehr davon erwarten?
Hänsch: Frankreich hat sich zum Ziel gesetzt, das EU-Klimapaket bis zum Jahresende zu vollenden. Hinzu kommt, Irland dabei zu helfen, den Weg zu einer zweiten Volksabstimmung zu finden. In diesem Jahr wird es jedoch keine zweite Abstimmung mehr geben.
Netzeitung: Welche Angebote kann Sarkozy den Iren machen?
Hänsch: Frankreich ist gut beraten, den Iren keine Angebote zu machen, sondern abzuwarten, was die Iren selbst als notwendige Voraussetzung für einen zweiten Urnengang formulieren. Da liegt der Ball im Feld der Iren. Irland zu drängen oder gar Vorschläge zu machen, hieße das Land zu verschrecken.
Netzeitung: Sehen sie die Gefahr, dass Sarkozy zu weit vorprescht?
Hänsch: Wenn ich sein Temperament betrachte, könnte das durchaus passieren. Doch ich gehe davon aus, dass er weiß, wie wichtig bei diesem Thema Vorsicht und Zurückhaltung sind.
Hänsch: Frankreich kann als Ratspräsidentschaft dafür wenig tun. Das ist jeweils Aufgabe der Nationalstaaten, ihrer Regierungen und der Medien. Zu glauben, mit einer sechsmonatigen Kampagne etwas zu bewirken, ist eine Illusion.
Netzeitung: Frankreich übernimmt den EU-Ratsvorsitz von Slowenien. Was hat Slowenien erreicht?
Hänsch: Was eine Ratspräsidentschaft bewirkt, ist keine Frage der Größe, sondern des Engagements. Es gab kleine Staaten, die diese Aufgabe mit Erfolg in den Mittelpunkt ihrer Politik gestellt haben. Ich habe aber auch schon große Staaten erlebt, die die sechs Monate weder genutzt noch ihren Auftrag ernst genommen haben.
Der SPD-Außenpolitiker Klaus Hänsch ist seit 1979 Mitglied im Europäischen Parlament. Mit ihm sprach Tilman Steffen
