| | | | | Tagesthema EU-Ratspräsidentschaft: Blauer Eiffelturm für Europa01. Jul 2008 09:08  |  Frankreich feiert mit einer 'spektakulären Premiere' die Übernahme des EU-Ratsvorsitzes | Foto: dpa |
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Der Wahrzeichen von Paris in blauem Licht und der Stadtstrand in den Farben Europas: Trotz Krisenstimmung stellt das Land zur Feier der EU-Ratspräsidentschaft ein millionenschweres Begleitprogramm auf die Beine.
Wer in den kommenden sechs Monaten in den Abendstunden in Paris landet, dem dürfte sich bei günstiger Flugroute und gutem Wetter ein selten-schönes Schauspiel bieten: Der Eiffelturm, gewöhnlich in romantisches Orange getaucht, leuchtet von Juli an in kräftigem Blau. Nicht nur dem Wahrzeichen ihrer Hauptstadt wollen die Franzosen ein Kleid in der Farbe Europas verpassen. Im ganzen Land soll die Europäische Union bis Ende des Jahres sichtbar sein, mit mehr als 400 Festen, Konferenzen, Ausstellungen und Paraden «à la Europe». Trotz Krisenstimmung: Die Grande Nation feiert Europa.
Von 1. Juli an ist Paris an der Reihe, als EU-Ratspräsidentschaft sechs Monate lang die Geschicke der EU zu steuern. Wie beispielsweise Deutschland vergangenes Jahr kann sich nun Frankreich in Szene setzen. Präsident Nicolas Sarkozy will die Gelegenheit nutzen, an der Seite seiner schönen Gattin Carla sein angekratztes Image aufzupolieren. Getreu dem Motto, dass die Phase des schillernden «Speedy-Sarko» vorbei sei, aber auch angesichts der Krisenstimmung in der EU will Paris einen Balanceakt versuchen zwischen Glamour und Würde. «Wir wollen eine gewisse Flottheit, aber ohne zu viel Glitzer», heißt es in Regierungskreisen zur Präsidentschaft. Mit gut drei Dutzend Gipfel- und Ministerratstreffen zwischen Elsass und Côte d'Azur sind im kommenden halben Jahr alle Augen auf Frankreich gerichtet. Seit Monaten basteln Sarkozys Berater hinter den Kulissen am politischen und kulturellen Programm der «Présidence française». Kostenpunkt: Stolze 190 Millionen Euro.
Azurblauer Strand mit gelben Sternen
 |  Sarkozy mit seiner Gattin Carla Bruni | Foto: AP |
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Alles wäre in bester Ordnung, hätten die Iren in einer Volksabstimmung nicht den EU-Vertrag von Lissabon durchfallen lassen. Bei einem Teil seiner ambitionierten Pläne muss der «Hyper-Präsident» für seine Zeit als EU-Ratschef nun Abstriche machen. Wichtige Dossiers wie die Einwanderungs- und Verteidigungspolitik rangieren nun hinter der Notoperation zur Rettung des Lissabon-Vertrages - Krisenmanager Sarkozy soll den Karren aus dem Dreck ziehen.
Umso wichtiger wird im Kampf gegen den Europaverdruss das bunte und natürlich kulturbetonte Begleitprogramm der Grande Nation sein. Nach dem Nein der Franzosen und Niederländer zur EU-Verfassung 2005 bedeute das der Iren einen neuen Warnschuss, macht Premierminister François Fillon klar. «Wir müssen das Feuer für Europa wieder entfachen.» Als Startschuss knipst Paris in der Nacht zum 1. Juli um Punkt 23 Uhr erstmals die blauen Strahler am Eiffelturm an. «Eine spektakuläre Premiere», jubelt das Magazin «L'Express». Auch «Paris Plages», der beliebte Stadtstrand an der Seine, wird einen Sommer lang azurblau und mit gelben Sternen geschmückt.
Neues Album der Präsidentengattin
Frankreichs Kulturschaffende haben ebenfalls ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. 120 Sänger schmettern im Juli vor dem Pariser Rathaus die EU-Hymne, Beethovens «Ode an die Freude». Das weltberühmte Theater Comédie Française tourt durch die neuen EU- Staaten. Das gemeinsame Kulturerbe sei für die Europäer eine «identitätsstiftende Kraft», sagt Programmchef Laurent Burin des Roziers. Politischen Höhepunkt des Ratsvorsitzes bildet das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs mit ihren Amtskollegen aus den Mittelmeeranrainern am 13. Juli im Grand Palais. Tags darauf erwartet Sarkozy die hochkarätigen Gäste zum Nationalfeiertag, mit Feuerwerk, Truppenparade auf den Champs-Élysées und Galadinner.
 |  Logo für den französischen EU-Ratsvorsitz | Foto: www.ue2008.fr |
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Inoffizielles Top-Ereignis ist Mitte Juli die Veröffentlichung des neuen Albums der Präsidentengattin, das unter ihrem Mädchennamen Carla Bruni erscheint. Das EU-Programm der «Première Dame» ist noch unbekannt. Bestandteil könnten Wohltätigkeits-Aktionen sein. Wegen des Ratsvorsitzes sei sie bereits vom Sänger Bono kontaktiert worden, Vorkämpfer für mehr Entwicklungshilfe, erzählt Madame Sarkozy. Das Präsidentenpaar bekanntgemacht hatte vergangenes Jahr der Werbeunternehmer Jacques Séguéla, verantwortlich für das Logo des EU- Ratsvorsitzes. Neben der EU-Flagge ist die französische Trikolore darauf deutlich kleiner. «Ein Zeichen, dass wir nicht arrogant, sondern aufmerksam sein werden», sagt Außenminister Bernard Kouchner. «Wir versöhnen uns wieder mit der EU - es wurde Zeit.» (Von Dorothée Junkers, dpa)
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