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Zeremonie in Lhasa: 

Olympisches Feuer in «Atmosphäre der Angst»

21. Jun 2008 11:43
Nur ausgewählte Zuschauer wurden von den Soldaten in Lhasa durchgelassen
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Zwischenfälle wie in den westlichen Metropolen wollte China auf keinen Fall erleben, als die Fackel durch die Straßen der tibetischen Hauptstadt getragen wurde. Entsprechend massiv waren die Vorkehrungen des Militärs.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist das olympische Feuer am Samstag durch die tibetische Hauptstadt Lhasa getragen worden. Nach ersten Berichten endet der Lauf ohne Zwischenfälle. Die Flamme wurde zum Abschluss vor dem Potala-Palast mit dem Feuer vereinigt, mit dem chinesische und tibetische Bergsteiger im Mai auf den Mount Everest geklettert waren. Der Palast war Sitz des Dalai Lama bis dessen Flucht aus Tibet im Jahr 1959.

Die ARD-Korrespondentin Nicole Böllhof, die als einzige deutsche Journalistin nach Lhasa reisen durfte, berichtete von einem «massiven Militäraufgebot» und einer «Atmosphäre der Angst» in der tibetischen Hauptstadt. «Es sieht aus wie in einer Festung.» Die Innenstadt sei mit Straßensperren und Zäunen abgeriegelt worden.

Bewohner seien aufgefordert worden, in ihren Häusern zu bleiben, hätten tibetische Quellen berichtet. «In der Altstadt war kein einziger Mönch mehr zu sehen», berichtete Böllhof. Statt Pilgern seien auf dem Barkor genannten Rundweg um den Yokhang-Tempel im Zentrum nur Soldaten gewesen.

«China»-Rufe von ausgewählten Zuschauern

An den Zugängen zur Altstadt seien Kontrollen mit jeweils sechs bis zehn Soldaten postiert worden. Die ausgewählten Zuschauer schwenkten Fahnen und riefen «China». Etwa die Hälfte der 156 Läufer stammte aus Tibet, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Der Fackellauf wurde von Exiltibetern und internationalen tibetischen Aktionsgruppen scharf kritisiert. Aus ihrer Sicht will Chinas Führung damit ihren Machtanspruch auf Tibet bekräftigen. Der Dalai Lama hatte seine Landsleute aufgefordert, den Fackellauf nicht zu stören und zu respektieren. Die Tibeter unterstützten die Olympischen Spiele, wozu auch der Fackellauf gehöre, hatte das religiöse Oberhaupt der Tibeter im Vorfeld betont.

Der ursprünglich geplante dreitägige Fackellauf durch Tibet war im Zuge der Änderungen nach dem Erdbeben in Sichuan auf nur noch einen Tag in Lhasa verkürzt worden. Möglicherweise waren aber auch die Unruhen in Tibet ein Grund für die Kürzung der Zeremonie. Mitte März war es zu schweren antichinesischen Protesten gekommen. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung kamen dabei mindestens 203 Tibeter ums Leben; diese Zahl ist fast zehn Mal so hoch wie die offiziellen Angaben aus Peking. Seitdem wurde der Fackellauf in vielen Teilen der Welt von pro-tibetischen Demonstranten gestört. (nz/dpa/AP)

 
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