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Tagesthema Weltflüchtlingstag: 

Eine Stimme gegen kalte Ignoranz

20. Jun 2008 10:25
Demonstration der von Osaren Igbinoba gegründeten Flüchtlingsorganisation 'The Voice Refugee Forum' in Dessau
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«Das Schlimmste ist, dass wir nicht wie Menschen behandelt werden», beklagt der Nigerianer Igbinoba. Mit seiner Organisation «The Voice Refugee Forum» kämpft er seit Jahren gegen den unwürdigen Umgang der deutschen Behörden mit Asylanten, berichtet Michaela Duhr.

In einer alten Militärkaserne, tief im thüringischen Wald, hat sich Osaren Igbinoba vor 14 Jahren wiedergefunden. «Wir waren völlig isoliert und mussten jeden Tag zuschauen, wie einer von uns von der Polizei abgeholt und abgeschoben wurde«, erinnert sich der afrikanische Flüchtling im Gespräch mit der Netzeitung an seine Zeit in dem abgelegenen Flüchtlingsheim in der Nähe von Mühlhausen.

Schockiert von dem menschenunwürdigen und ignoranten Umgang der deutschen Behörden mit Asylanten, rief der Nigerianer zusammen mit vier weiteren Flüchtlingen 1994 die Organisation «The Voice Refugee Forum» ins Leben. Das in Jena angesiedelte Netzwerk ist eines der wenigen in Deutschland, in denen sich Flüchtlinge selbst organisieren und für ihre Rechte kämpfen.

Gefesselt an Händen und Füßen

Eines Nachts tauchte die Polizei schließlich im Heim auf, «um ihn zu deportieren», wie Igbinoba erzählt. Doch die Bewohner des Asylantenheimes machten Radau und stellten sich den Beamten in den Weg. Er nutzte die Gelegenheit, sprang aus dem Fenster, floh in den Wald und versteckte sich einige Tage. Als er sich später bei der zuständigen Behörde meldete, wurde er verhaftet und für eine Nacht ins Gefängnis gesteckt – gefesselt an Händen und Füßen.

Nach mehreren drohenden Abschiebungen ist er inzwischen als politischer Asylant anerkannt. Anders als Tausende andere Flüchtlinge, sei er einer der wenigen «Glücklichen», meint Igbinoba. Auch seine früheren Mitstreiter wurden abgeschoben oder haben das Land freiwillig verlassen.

Aufruf zu zivilem Ungehorsam

Osaren Igbinoba: Gründer der Flüchtlingsorganisation 'The Voice Refugee Forum'
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Seit damals kämpft Igbinoba für die Rechte von Asylanten. «The Voice» informiert über die schwierigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Deutschland und die Menschenrechtslage in ihren Heimatländern. «Wir geben den Flüchtlingen eine Stimme, mit der sie sich gegen Misshandlungen, Ausgrenzung und Isolation wehren können.» Das Netzwerk mache mit seinen politischen Aktionen auf die Probleme aufmerksam und zeige vor allem die Schwächen der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik. Allerdings gehe es nicht nur um die politische Arbeit. «'The Voice' ist auch eine Gemeinschaft, wir tauschen Erfahrungen aus, helfen und unterstützen uns gegenseitig.» Lebhaft erzählt er von Flüchtlingen, die er und seine Leute vor der drohenden Abschiebung bewahren konnten. Aber es gebe viele, denen sie nicht helfen konnten.

Die Organisation ruft Asylbewerber zu zivilem Ungehorsam auf, vor allem hinsichtlich der so genannten Residenzpflicht. Nach Paragraf 56 Asylverfahrensgesetz dürfen sich Asylanten nämlich nur dort bewegen, wo sie wohnen. Bei Verstößen drohen Bußgelder, im Wiederholungsfall sogar Gefängnis. «Wir dürfen uns nicht frei bewegen. Wir können uns noch nicht einmal rassistischen Übergriffen entziehen«, empört er sich und erinnert an die Asylbewerberin Constance Etchu.

Die Afrikanerin wurde von Polizisten mit Gewalt von dem Flüchtlingslager Jena-Forst in ein Asylbewerberheim in Gera gebracht. Sie hatte sich geweigert, aus Angst vor der berüchtigten Naziszene in Gera. In der ostdeutschen Stadt wagen sich Afrikaner aus Furcht vor Nazi-Attacken und rassistischer Diskriminierung nicht allein auf die Straße. Der Fall hatte im Februar 2002 für großes Aufsehen gesorgt. Die Residenzpflicht existiert nur in Deutschland und ist damit in der EU einmalig.

Schließung von Flüchtlingslagern

Proteste von Aktivisten der Migrantenorganisation Karawane und 'The Voice' im vergangenen Jahr
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«The Voice» kooperiert seit 1998 mit der Plattform «Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migranten». Zusammen kämpfen sie für die Schließung von weit abgelegenen und heruntergekommenen Asylbewerberheimen. So wurde die Erstaufnahmeeinrichtung Jena-Forst nach Demonstrationen und Protesten Ende 2004 geschlossen. Jetzt kämpft die Organisation für die Schließung des Lagers Katzhütte in Thüringen. Die desolaten Baracken liegen tief im Wald, die nächste Stadt liegt 40 Autominuten entfernt. Katzhütte selbst ist ein kleines Dorf mit zwei Kneipen und einem Supermarkt. Die Kneipen seien allerdings nur für Deutsche, Ausländer seien nicht willkommen, berichten Flüchtlinge aus Katzhütte.

Obwohl sich Igbinoba seit 14 Jahren unermüdlich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzt, hat sich nur wenig verändert: «Die Situation von Flüchtlingen hat sich kaum verbessert», beklagt der Nigerianer. «Das Schlimmste ist, dass wir nicht wie Menschen behandelt werden. Sie machen mit uns, was sie wollen.»

 
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