Krieg in Afghanistan:
Nato startet Offensive gegen die Taliban
18. Jun 2008 15:22
 |  Ein kanadischer Soldat in Afghanistan | Foto: AP |
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In Afghanistan hat eine großangelegte Aktion gegen die Taliban in Südafghanistan begonnen. Dort sollen sich zwischen 300 und 400 Kämpfer aufhalten. Zahlreiche Menschen sind auf der Flucht.
Mit einer Offensive gehen afghanische und Nato-Truppen seit Mittwoch im Süden des Landes gegen die wiedererstarkten Taliban vor. Afghanische und kanadische Soldaten seien in die Region Arghandab eingerückt, erklärte Nato-Sprecher Mark Laity am Mittwoch.
Taliban-Kämpfer hatten zuvor Dörfer um die Stadt Kandahar infiltriert. «Seite heute Morgen haben wir die Operationen in Arghandab ausgeweitet», sagte Laity. Ein Sprecher des afghanischen Außenministeriums erklärte, die afghanischen Streitkräfte hätten genügend Soldaten, um die Aktion durchzuführen. In der Region sollen sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums 300 bis 400 Kämpfer aufhalten.
Taliban teilweise vertrieben
Am Nachmittag erklärte der Direktor des Provinzrats, bei den Kämpfen seien zwei afghanische Soldaten und 16 Taliban getötet worden. Mehr als 1500 Familien hätten in der Stadt Kandahar Zuflucht gesucht, sagte Ahmed Wali Karsai weiter. Aus einigen Dörfern hätten die Soldaten die Taliban bereits vertrieben.
Diese versuchen seit längerem, Arghandab unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Region gilt als strategisch wichtig, da sie mit ihren Plantagen den Kämpfern eine gute Ausgangsposition verschaffen würde. Außerdem könnten die Taliban von dort Angriffe auf Kandahar starten, die frühere Hochburg der Extremisten.
Rund 4000 Menschen auf der Flucht
Die Taliban-Kämpfer hatten zuletzt Brücken zerstört und Minen gelegt, offenbar um sich auf neue Gefechte vorzubereiten. Die Polizei erklärte, mehr als 700 Familien, also rund 4000 Menschen, seien bereits aus dem Bezirk Arghandab, rund 15 Kilometer nordwestlich von Kandahar, geflohen. Wenige Tage zuvor hatten die Taliban bei einem Großangriff auf ein Gefängnis rund 400 Aufständische befreit. Einige der Befreiten sollen sich den Kämpfern in Arghandab angeschlossen haben.
Vier Briten getötet
Das britische Verteidigungsministerium meldete unterdessen den Tod von vier Soldaten in der Nachbarprovinz Helmand.Die vier britischen Soldaten kamen bei einem Anschlag auf ihr Patrouillenfahrzeug ums Leben, wie das Verteidigungsministerium in London erklärte. Mindestens ein Soldat wurde verletzt. Die britische Nachrichtenagentur PA berichtete, unter den Todesopfern sei eine Frau. Es wäre die erste britische Soldatin, die beim Einsatz in Afghanistan ums Leben kam. Die Gesamtzahl der getöteten britischen Soldaten stieg damit seit November 2001 auf 106.
70 Millionen aus Entwicklungsetat für Afghanistan
Die Bundesregierung stellt Afghanistan 2008 aus dem Entwicklungsetat 70 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Summe ist Teil der bei der Pariser Afghanistan-Konferenz angekündigten deutschen Untererstützung beim Wiederaufbau von 420 Millionen Euro in den Jahren 2008 bis 2010. Weitere 70 Millionen erhält Afghanistan über das Auswärtige Amt, vor allem für den Aufbau der Polizei. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erklärte am Mittwoch in Berlin: «Wir werden Afghanistan bei Aufbau und Entwicklung des Landes weiterhin als verlässlicher Partner zur Seite stehen.» (AP)