18.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
John McCain und Barack Obama wollen im November das Weiße Haus erobern
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Schon in wenigen Wochen wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Das Duell zwischen den beiden Kandidaten Obama und McCain ist spannend wie nie - und noch völlig offen. Die Netzeitung bietet mit aktuellen Berichten, Interviews und Analysen einen Überblick.
Die ausufernde Finanzmarktkrise bestimmt zunehmend den amerikanischen Wahlkampf. Davon profitiert vor allem der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama. Die Amerikaner trauen ihm eher als seinem republikanischen Herausforderer John McCain zu, die schwere Krise zu meistern. McCain, der zunehmend unter Druck gerät, fährt inzwischen heftige persönliche Attacken gegen seinen Rivalen.
Bei dem so genannten Negative Campaigning werden nicht die eigenen Stärken herausgestellt, sondern die Schwächen des Gegners. Die persönlichen Angriffe basieren häufig auf Halb- oder Unwahrheiten. Schmutzige Wahlkämpfe haben in den USA eine lange Tradition. «Vor allem die Republikaner haben das Negative Campaigning nahezu perfektioniert», meint der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider im Interview mit der Netzeitung.
Bislang ist es keinem von beiden gelungen, einen nennenswerten Vorsprung zu erreichen: Obama und McCain liegen meist nur wenige Prozentpunkte auseinander. Am 4. November sind die Amerikaner schließlich dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen.
Aus den ersten beiden großen TV-Debatte ging jeweils Obama mit einem leichten Vorsprung heraus. Das einzige Fernsehduell zwischen den Vize-Kandidaten Joe Biden und Sarah Palin endete ebenfalls mit einem Punktgewinn für das demokratische Duo. Die Gouverneurin von Alaska schlug sich überraschend gut gegen den erfahrenen Polit-Profi und Außenexperten Biden. Manche Republikaner hatten nach Palins blamablen TV-Auftritten und peinlichen Patzern mit dem Schlimmsten gerechnet. Allerdings wirkten Palins Antworten wie auswendig gelernt. Auf viele Fragen antwortete sie gar nicht oder einfach nur ausweichend.
Die stockkonservative Gouverneurin von Alaska hatte zuvor immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt, so dass selbst die Kolumnistin des konservativen Magazins «National Review» ihren Rücktritt forderte. So hatte die 44-jährige Politikerin in ihrem ersten großen Interview zu wichtigen politischen Themen, eine erschreckende Unwissenheit und Unerfahrenheit an den Tag gelegt.
Auf die Frage, inwieweit sie denn Einblick in die amerikanisch-russischen Beziehungen habe, antwortete sie, Alaska grenze an Russland und von einer Insel aus könne man das Land sogar sehen. Auch mit der Bush-Doktrin, die seit 2002 die US-Außenpolitik und den Kampf gegen den Terror bestimmt, ist Palin nicht vertraut.
Bitteres Duell zwischen Obama und Clinton Während der Vietnamkriegs-Veteran McCain bei den Republikanern schon seit Monaten feststeht, entschied sich das Duell bei den Demokraten erst Ende Juni. Die New Yorker Senatorin Hillary Clinton stieg wenige Tage nach der letzten Vorwahl am 3. Juni aus dem zermürbenden innerparteilichen Wettstreit mit Obama aus. Auf dem Nominierungsparteitag ging es deshalb auch darum, Geschlossenheit zu demonstrieren. Ex-Präsident Bill Clinton und die frühere First Lady sprachen Obama vor etwa 5000 Delegierten ihre Unterstützung aus.
Zuvor hatte der schwarze Senator aus Illinois den Außenexperten Biden zu seinem Vize-Kandidaten nominiert: Der 65-Jährige ist seit 1973 Senator für den Bundesstaat Delaware und gilt als einer der erfahrensten US-Außenpolitikexperten. Seine rhetorischen Fähigkeiten sind im Kongress berühmt und gefürchtet. Mit ihm unterstreicht Obama seine internationale Ausrichtung, da ihm Gegner immer wieder mangelnde außenpolitische Erfahrung vorwerfen.
Schon im Juli reiste Obama nach Afghanistan und in den Nahen Osten, um sein außenpolitisches Profil zu schärfen. Auf seiner anschließenden Tour durch Europa wurde er vor allem in Deutschland euphorisch empfangen. Allerdings hatte seine zunächst vor dem Brandenburger Tor geplante Rede Kontroversen in der Großen Koalition ausgelöst, so dass er sich schließlich entschied, vor der Berliner Siegessäule zu sprechen. Rund 200.000 Menschen versammelten sich, um Obama zu sehen und zu hören.
Die Amerikaner stehen dieses Mal vor einer Wahl zwischen zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: John McCain - 72 Jahre alt, weiß, langjähriges Kongressmitglied, wäre bei Amtsantritt der älteste Präsident der USA. Barack Obama - 46 Jahre alt, Senator aus Illinois, ist der erste schwarze Präsidentschaftskandidat und wäre der erste Angehörige einer Minderheit an der Spitze der Vereinigten Staaten. Doch die beiden unterscheiden sich nicht nur in Hautfarbe, Alter und Parteizugehörigkeit - zwischen ihnen liegen auch ideologisch Welten.
Entscheidend ist der WahlkampfUmfragen zufolge liegen zwischen den beiden Kandidaten immer nur wenige Prozentpunkte. Deshalb werde der Wahlkampf in den kommenden Wochen entscheidend sein. «Sollte McCain etwas widerfahren, was seinem hohen Alter zugesprochen werden kann - ein Stolpern, ein Versprecher - dürfte das seine Chancen gewaltig schmälern. Das gleiche gilt für Obama, falls er sich noch einmal einen solchen Fauxpas leisten sollte, wie seine Äußerungen über verbitterte, weiße Amerikaner, die aus «Frust zur Waffe greifen oder sich der Religion zuwenden», meint der US-Politikexperte Stephen Silvia.
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Alles was bisher in den Vorwahlen geschah, von Obamas überraschenden Sieg in Iowa, über Hillary Clintons Comeback in Ohio und Texas und Obamas viel beachteter Rede zur Rassenfrage in Philadelphia bis hin zur bitteren Niederlage der 60-jährigen New Yorker Senatorin, können Sie in unserem
Dossier US-Vorwahlen nachlesen.