Nach dem Nein der Iren:
«Der Ratifizierungsprozess muss weitergehen»
13.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach am Rande seiner China-Reise in Peking von einem «schweren Rückschlag» durch die Entscheidung der Iren. «Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir diesen Vertrag brauchen. Einen Vertrag, der Europa demokratischer, handlungsfähiger und transparenter macht.» Auch Steinmeier bekräftigte deshalb das Ziel, das Abkommen in Kraft zu setzen. «Dazu muss der Ratifizierungsprozess weitergehen.»
Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderte alle 27 Mitgliedstaaten zur gemeinsamen Suche nach einer Lösung auf. Die Länder hätten den Vertrag gemeinsam unterschrieben und hätten deshalb eine gemeinsame Verantwortung für dessen Verwirklichung, sagte Barroso am Freitag in Brüssel. Die acht Staaten, die den Vertrag noch nicht ratifiziert hätten, sollten dies trotz der Ablehnung in Irland tun.
«Als Befürworter des Vertrages hätte sich die Europäische Kommission ein anderes Ergebnis gewünscht», sagte deren Präsident. «Dennoch respektieren wir das Ergebnis der Volksabstimmung.» Beim EU-Gipfel kommende Woche sollten die Staats- und Regierungschefs nun über eine Lösung beraten: «Wir die Lösung aussehen wird, kann ich heute nicht sagen», sagte Barroso, der sich auch nicht zu einem möglichen Zeitplan äußerte. Der neue Vertrag sollte Anfang 2009 in Kraft treten und die EU auf eine neue Grundlage stellen.
Der slowenische Premierminister und amtierende EU-Ratspräsident Janez Jansa erklärte, das Ergebnis der irischen Abstimmung sei bedauerlich, die EU werde es jedoch respektieren. Der irische Ministerpräsident Brian Cowen sei eingeladen, in der kommenden Woche eine Analyse über die Gründe der Ablehnung vorzulegen, sagte Jansa.
Nach Ansicht von SPD-Chef Kurt Beck zeigt der Ausgang des Referendums, dass die Menschen ein soziales Europa wollen. Nur so könnten die Politiker die Bevölkerung auf dem Weg zu einer weiteren Einigung mitnehmen. Trotz des negativen Ergebnisses forderte auch er, den Ratifizierungsprozess fortzusetzen. Dies sei ein «politisches Signal», um deutlich zu machen, dass die Mehrheit der Mitgliedsländer unverändert eine starke EU wolle. (dpa/AP/epd)

