Verfrühte Hamsterkäufe: 

netzeitung.deLKW-Streik versetzt Spanier in Panik

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Lastwagen blockieren eine Autobahn in Madrid (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lastwagen blockieren eine Autobahn in Madrid
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die sich selbst erfüllende Prophezeiung sucht spanische Supermärkte heim: Weil die Kunden Angst vor leeren Regalen haben, kaufen sie kopflos die Regale leer. Auslöser ist die Blockade-Aktion der Lastwagenfahrer gegen die Spritpreise.

Kaufrausch in den Supermärkten, Tankstellen ohne Benzin und endlose Verkehrsstaus auf den Autobahnen: Der unbefristete Streiks spanischer Lastwagenfahrer währt nicht einmal zwei Tage, da bekommen die Spanier schon die ersten Auswirkungen zu spüren. In den Supermärkten zahlreicher Städte wiesen die Regale am Dienstag bereits erhebliche Lücken auf. Frischen Fisch gab es kaum noch zu kaufen, auch Obst und Gemüse waren zuweilen Mangelware.

Die Knappheit ging jedoch nicht darauf zurück, dass die gegen die hohen Mineralölpreise streikenden Lkw-Fahrer nichts geliefert hätten. Sie war vielmehr die Folge einer Welle von Hamsterkäufen: Aus Angst vor Versorgungsengpässen in den kommenden Tagen kauften die Spanier die Regale der Supermärkte leer. In den Läden drängelten sich die Käufer und deckten sich mit Lebensmitteln ein, als stünde ein ultralanges Weihnachtswochenende bevor. Mancherorts herrschte beinahe Hysterie. «Es ist doch kein Krieg», meinte ein Verkäufer verwundert.
Fisch wird zuerst knapp
Dabei bestand zu den Hamsterkäufen eigentlich kein Anlass. «Bis Mitte der Woche haben wir genügend Waren auf Lager», versicherte der Sprecher einer Supermarktkette. «Danach werden wir weitersehen.» Nach einer Prognose von Experten wird bei einem Anhalten des Ausstands zuerst der Fisch knapp, weil die Fischereiflotte ebenfalls in den Streik getreten ist. Ab Mitte der Wochen folgen Obst und Gemüse. In Südspanien stellten einzelne Farmbetriebe die Erntearbeiten ein, weil Tomaten, Paprikas und Melonen nicht abtransportiert wurden.

In Autowerken wie zum Beispiel bei der VW-Tochter SEAT fielen Schichten aus, weil die erforderlichen Bauteile nicht geliefert wurden. In der Gegend von Barcelona musste fast die Hälfte der Tankstellen schließen, weil das Benzin ausgegangen war. Die Polizei gewährte Tankwagen-Konvois Geleitschutz, um die Versorgung sicherzustellen.

Wenig zimperliche Streikposten
Zu dem Streik hatten Transportverbände aufgerufen, die nicht einmal die Hälfte der Branche repräsentieren. Aber die Streikposten sind dafür berüchtigt, dass sie mit ihren Methoden nicht zimperlich sind. Zahllose Lkw-Fahrer, die am Streik nicht beteiligt waren, ließen ihre Fahrzeuge stehen. «Wir wollen nicht riskieren, dass man uns die Reifen platt sticht oder die Windschutzscheiben einschlägt», meinten sie.

Während in der Bevölkerung Angst vor einem Mangel an Lebensmitteln grassiert, bewies die Regierung eine bemerkenswerte Gelassenheit. «Die Versorgung ist gesichert», verkündete Verkehrsministerin Magdalena Alvarez. Ein hoher Beamter meinte, die Lkw-Fahrer würden den Streik nach ein paar Tagen aufgeben, weil ihnen aufgrund ausbleibender Einnahmen das Geld ausgehe. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero zog es vor, sich im ersten großen Sozialkonflikt seiner Amtszeit zunächst einmal bedeckt zu halten.

Madrid kann keine Zugeständnisse machen
Doch eine Einigung mit den Spediteuren dürfte äußerst schwierig sein. Die Streikenden verlangen festgeschriebene Mindesttarife für ihre Transportdienste und eine Senkung der Mineralölsteuern. In beiden Punkten kann Madrid praktisch keine Zugeständnisse machen: Die Steuern sind größtenteils von der EU vorgegeben, und in die Preisstruktur will die Regierung nicht eingreifen. (Hubert Kahl, dpa)