08.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
In Deutschland werden die Kraftwerke eher ab- als angeschaltet
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei einem Treffen der größten Industriestaaten wird klar: Etliche von ihnen setzen auf neue Atomkraftwerke - und nicht wie die Deutschen auf den Ausstieg. Die Rede ist von einem neuen «Atomzeitalter». Umweltminister Gabriel hält das für Unsinn.
Bei ihrer Tagung haben die Wirtschafts- und Energieminister der G8-Staaten beschlossen, auf den extrem hohen Ölpreis mit unterschiedlichen Mitteln zu reagieren. Einerseits fordern sie die Ölförderländer auf, mehr zu produzieren. Sie wollen aber auch selbst weniger verbrauchen. Also sollen alternative Energien gefördert werden. Etliche Teilnehmer wollen außerdem auf eine konventionelle Lösung setzen: Kernenergie. Ein britischer Umweltstaatssekretär sieht die Welt sogar an der Schwelle zu einem «neuen Atomzeitalter». Das sei eine gute Sache. Deutschland steht mit seinen Ausstiegsplänen ziemlich alleine da.
Vor wenigen Tagen erst hatte die Internationale Energiebehörde in einem Bericht festgestellt, dass weltweit bis 2050 jährlich 32 neue Atomkraftwerke gebaut werden müssten, um den CO2-Ausstoß um 50 Prozent zu senken. Insgesamt wären das über 1300 AKWs. Umweltminister Gabriel hatte diese Forderung im «Tagesspiegel» einen «energiepolitischen Amoklauf» genannt.
Wer derartigen Unsinn fordere, der dürfe sich über die Nuklearfantasien im Iran und in Nordkorea nicht wundern, sagte Gabriel weiter. «Wir würden die Fähigkeit zum Bau von Atombomben schneller verbreiten, als wir es uns in den schlimmsten Zeiten des Kalten Krieges jemals hätten vorstellen können.»
Respekt für deutschen SonderwegDiese Meinung scheinen wenige der G8-Minister zu teilen. In einer gemeinsamen Erklärung unterstrichen sie, dass Kernenergie ein probates Mittel sei, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Als Zugeständnis an die Deutschen wurde ergänzt, dass die Staaten verschiedene Wege gehen könnten, um die Klimaziele zu erreichen. Die elf Teilnehmerländer des Energietreffens sind für rund 65 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen verantwortlich. Neben den G8-Staaten waren auch China, Indien und Südkorea vertreten. (nz)