Portrait Zipi Liwni: 

netzeitung.deMossad-Agentin auf den Spuren Golda Meirs

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Zipi Liwni will nicht nur an die Spitze der Kadima-Partei (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Zipi Liwni will nicht nur an die Spitze der Kadima-Partei
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Außenministerin Liwni ist auf dem besten Weg zur mächtigsten Frau Israels zu werden. Im Gegensatz zu manch anderen Regierungsmitgliedern ist sie frei von jeglichen Korruptions- und Sexskandalen. Michaela Duhr stellt sie vor.

Das US-Magazin «Time» hat sie schon längst in die Liste der 100 wichtigsten Personen weltweit aufgenommen. Inzwischen ist Zipi Liwni nur noch einen Herzschlag - wie die Amerikaner sagen - vom höchsten Regierungsamt Israels entfernt. Die 50-jährige Außenministerin schickt sich an, die mächtigste Frau Israels seit Ministerpräsidentin Golda Meir (1969-1974) zu werden.

Bei der parteiinternen Wahl am 17. September zur Nachfolge des wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetretenen Parteichefs Ehud Olmert gilt sie als klare Favoritin. Zwar fällt dem oder der Kadima-Vorsitzenden das Amt des Ministerpräsidenten danach nicht automatisch zu, doch die Chancen stehen ausgesprochen gut.

Im Wahlkampf um den Parteivorsitz präsentierte sich Liwni als neuer Politikertypus: sauber, redlich, unbestechlich und frei von Altlasten. «Es gibt Moralvorstellungen, ungeschriebene Normen und Verhaltensrichtlinien, die für alle Bürger gelten, egal ob Arm oder Reich», sagte sie mit Blick auf den tief im Korruptionssumpf steckenden Olmert. Damit traf sie den Nerv vieler Israelis, die von all den Bestechungs- und Sexskandalen, welche die Regierung seit Jahren erschüttern, die Nase voll haben.

Ihre Unbestechlichkeit stellte sie auch unter Beweis, als sie Olmert nach der schweren Kritik einer Untersuchungskommission zum jüngsten Libanon-Krieg öffentlich zum Rücktritt aufforderte. Dieser griff Liwni kürzlich an, indem er ihr unterstellte, sie könne keine Entscheidungen treffen, sei beeinflussbar und ohne Selbstvertrauen. «Ich fürchte um die Zukunft des israelischen Staates, wenn Liwni an die Macht kommt.»

Die Israelis sehen das anders: Sie ist eine der populärsten Politikerinnen des Landes, allerdings kennen viele nur ihr Gesicht, die Person ist den meisten noch fremd. «Liwni-Paradox» nennen das die Tageszeitungen «Haaretz» und «Jerusalem Post»: «Das Land liebt sie, wenn auch nur, weil es so wenig über sie weiß».

Mossad-Agentin und Jura-Studentin
Liwni ist mit Politik aufgewachsen: Ihr in Polen geborener Vater Eitan und ihre Mutter Sarah Rosenberg waren Kämpfer in der rechtsradikalen zionistischen Untergrundbewegung Irgun, die vor der israelischen Staatsgründung in Palästina aktiv war. Ihr Vater wurde in den 70er Jahren Mitglied in der Knesset. Liwni selbst absolvierte einen Offizierskurs in der israelischen Armee und studierte anschließend Jura. Später arbeitete sie für den Auslandsgeheimdienst Mossad, den sie 1983 verließ.

Nachdem sie mehrere Jahre als Anwältin tätig war, begann sie ihre politische Karriere 1996 in der konservativen Likud-Partei. Ihre Wahl in das israelische Parlament vor acht Jahren markiert denn auch den Beginn ihres steilen Aufstiegs. Im März 2001 wurde die Mutter zweier Kinder Ministerin für regionale Zusammenarbeit, 2003 wechselte sie an die Spitze des Ressorts für Integration, bevor sie schließlich zwei Jahre später Justizministerin wurde. Liwni war das erste Mitglied einer rechten Partei, die auf einer Gedenkfeier anlässlich des Attentats auf Izak Rabin eine Rede hielt.

Mit Sharon in die Kadima
Innerhalb der Likud-Partei zählte die Politikerin trotz ihres Patriotismus und ihrer Idee eines Groß-Israels zum gemäßigten Flügel. Sie unterstützte maßgeblich die von Ariel Sharon gegen den Widerstand seiner Likud-Partei vorangetriebene Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen. 2005 verließ sie die Likud und folgte ihm in die von ihm neu gegründete Kadima.

Nach nur sieben Jahren in der Knesset ist sie seit Januar 2006 Chefdiplomatin Israels. Seit der Nahost-Friedenskonferenz in Annapolis im vergangenen November führt Liwni die israelischen Verhandlungen mit den Palästinensern. Vor allem ihre unnachgiebige Haltung in Sicherheitsfragen nach dem Motto: «Erst kommt die Sicherheit und dann die Gründung eines Palästinenser-Staates» bringt ihr große Sympathie unter ihren Landsleuten ein.

Sollte sie an die Spitze der Kadima-Partei aufrücken, wäre sie ihrem Ziel ein ganzes Stück näher: Denn Liwni will als zweite Premierministerin Israels in die Fußstapfen von Golda Meir treten.