Portrait Zipi Liwni:
Mossad-Agentin auf den Spuren Golda Meirs
05.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bei der parteiinternen Wahl am 17. September zur Nachfolge des wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetretenen Parteichefs Ehud Olmert gilt sie als klare Favoritin. Zwar fällt dem oder der Kadima-Vorsitzenden das Amt des Ministerpräsidenten danach nicht automatisch zu, doch die Chancen stehen ausgesprochen gut.
Ihre Unbestechlichkeit stellte sie auch unter Beweis, als sie Olmert nach der schweren Kritik einer Untersuchungskommission zum jüngsten Libanon-Krieg öffentlich zum Rücktritt aufforderte. Dieser griff Liwni kürzlich an, indem er ihr unterstellte, sie könne keine Entscheidungen treffen, sei beeinflussbar und ohne Selbstvertrauen. «Ich fürchte um die Zukunft des israelischen Staates, wenn Liwni an die Macht kommt.»
Die Israelis sehen das anders: Sie ist eine der populärsten Politikerinnen des Landes, allerdings kennen viele nur ihr Gesicht, die Person ist den meisten noch fremd. «Liwni-Paradox» nennen das die Tageszeitungen «Haaretz» und «Jerusalem Post»: «Das Land liebt sie, wenn auch nur, weil es so wenig über sie weiß».
Nachdem sie mehrere Jahre als Anwältin tätig war, begann sie ihre politische Karriere 1996 in der konservativen Likud-Partei. Ihre Wahl in das israelische Parlament vor acht Jahren markiert denn auch den Beginn ihres steilen Aufstiegs. Im März 2001 wurde die Mutter zweier Kinder Ministerin für regionale Zusammenarbeit, 2003 wechselte sie an die Spitze des Ressorts für Integration, bevor sie schließlich zwei Jahre später Justizministerin wurde. Liwni war das erste Mitglied einer rechten Partei, die auf einer Gedenkfeier anlässlich des Attentats auf Izak Rabin eine Rede hielt.
Nach nur sieben Jahren in der Knesset ist sie seit Januar 2006 Chefdiplomatin Israels. Seit der Nahost-Friedenskonferenz in Annapolis im vergangenen November führt Liwni die israelischen Verhandlungen mit den Palästinensern. Vor allem ihre unnachgiebige Haltung in Sicherheitsfragen nach dem Motto: «Erst kommt die Sicherheit und dann die Gründung eines Palästinenser-Staates» bringt ihr große Sympathie unter ihren Landsleuten ein.
Sollte sie an die Spitze der Kadima-Partei aufrücken, wäre sie ihrem Ziel ein ganzes Stück näher: Denn Liwni will als zweite Premierministerin Israels in die Fußstapfen von Golda Meir treten.

