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Tagesthema US-Wahlkampf: 

Mit aller Macht ins Weiße Haus

04. Jun 2008 10:09
Hillary Clinton nach ihrer Niederlage im Vorwahlkampf
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Sie hat das Rennen um die Kandidatur fürs höchste Amt im Staat verloren, jetzt will Clinton wenigstens den Vize-Posten. Auch die Mehrheit der demokratischen Wähler wünscht sich ein Dreamteam mit Obama. Der aber zaudert, wie Michaela Duhr berichtet.

Sie will jetzt noch keine Entscheidung treffen, obwohl sich Barack Obama die Präsidentschaftskandidatur in der vergangenen Nacht gesichert hat. Aber Hillary Clinton ließ bereits durchsickern: Sie werde alles tun, um einen Demokraten ins Weiße Haus zu bringen. Die Botschaft an ihren innerparteilichen Rivalen ist unmissverständlich: Sie wäre bereit, an seiner Seite für das Amt des Vizepräsidenten zu kandidieren, sofern er ihr dieses Angebot machen würde.

Der Kampf um das Amt des Vize ist voll entbrannt. Bill Clinton soll für seine Frau bereits den Anspruch auf die Vize-Präsidentschaft erhoben haben: Das sei für sie der beste Weg, um in 2016 erneut anzutreten, sagte Clinton laut «New York Times» einem engen Vertrauten. Ihr eigentliches Ziel sei noch immer das Oval Office, und dafür nehme sie auch einen kleinen Umweg in Kauf.

Obama hatte zuvor seiner Rivalin ein Gespräch über eine mögliche Zusammenarbeit angeboten und damit die Spekulationen um das von Millionen Demokraten ersehnte Dream-Team angeheizt. Umfragen zufolge wünschen sich 60 Prozent der demokratischen Wähler, der schwarze Senator möge Clinton zur Partnerin im Kampf gegen McCain auserwählen. Das wäre die eleganteste Lösung, um die nach dem erbitterten Zweikampf zerrissene Partei wieder zu einen, meint die Vorsitzende der Demokratischen Partei Floridas, Karen Thurman.

Clintons kochen ihr eigenes Süppchen

Die Clintons bei einer Wahlkampfveranstaltung
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Die Idee findet unter den Parteifunktionären immer größere Zustimmung: Vor allem der Gouverneur von Pennsylvania, Ed Rendell, die Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien und der New Yorker Ex-Gouverneur Mario Coumo treiben die Idee mit Verve voran. Zwar können die Funktionäre Druck auf Obama ausüben, allerdings ist die Kür des jeweiligen «Running Mate» fast schon ein privates Privileg des Präsidentschaftskandidaten.

Und das will er auch nutzen: Bei der Wahl des Vize-Kandidaten gehe es ihm nicht in erster Linie darum, die Partei zusammenzuführen. Sein Auswahlprozess basiere nicht auf politischem Kalkül, zitierte die Zeitung «The Hill» einen Vertrauten Obamas.

Der Senator fürchtet, dass ihm die Kür Hillarys als Signal der Schwäche ausgelegt werden könnte. Auch seine Botschaft des Wandels und der Hoffnung dürfte mit Hillary Clinton an seiner Seite an Glaubwürdigkeit verlieren. Ein Kommentator des Magazins «Weekly Standard» malte sich denn auch aus, wie das Ehepaar Clinton im Admiralty House – dem Sitz des Stellverteters – sein eigenes politisches Süppchen kocht.

Sebelius für die Hillary-Fans

Aber Obama braucht einen Ersatz, um die Anhänger Hillarys nicht zu vergraulen: Vergangene Woche beauftragte Obama Jim Johnson damit, den Auswahlprozess einzuleiten. Johnson war in dieser Funktion bereits vor vier Jahren für John Kerry tätig. Als Favoritin gilt unter anderem Kathleen Sebelius: Sie hat sich als Gouverneurin von Kansas in einem republikanischen Bundesstaat durchgesetzt. Die grauhaarige Demokratin würde dem Senator mit ihren 60 Jahren und ihrer langjährigen Erfahrung gut zur Seite stehen, denn oft genug wird ihm vorgeworfen, er sei zu jung und zu unerfahren für den Posten im Weißen Haus. Zudem könnte sie die weißen, weiblichen Hillary-Fans für ihn gewinnen.

In die engere Auswahl gehören auch die beiden überzeugten Clinton-Anhänger Ed Rendell und Ted Strickland, Gouverneur von Ohio. Die beiden sind vor allem interessant, weil Obama mit ihrer Hilfe wenigstens einen der beiden hart umkämpften Schlüsselstaaten im November gewinnen könnte. Heiß gehandelt werden auch der frühere Senator John Edwards, der schon 2004 für das Vize-Amt nominiert war, und Bill Richardson. Der Gouverneur von New Mexico ist lateinamerikanischer Abstammung und vor allem deshalb bei den Hispanics beliebt.

Obama lässt sich nicht drängen: Er weiß, wie wichtig die Wahl eines Vize-Kandidaten ist. Für wen auch immer er sich entscheidet, es wird sehr viel über ihn selbst aussagen. Und die Wähler seien begierig, mehr von ihm zu erfahren, meint Politstratege Tad Divine. «Allerdings», resümiert US-Kolumnist Tucker Carlson, «die Sache mit dem Vize ist ein bißchen wie Sex. Wenn es passiert, gibt es nur das eine und nichts anderes. Aber sobald es vorbei ist, weiß man kaum noch, warum es eigentlich wichtig war.»

 
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