04. Jun 2008 10:09
Sie hat das Rennen um die Kandidatur fürs höchste Amt im Staat verloren, jetzt will Clinton wenigstens den Vize-Posten. Auch die Mehrheit der demokratischen Wähler wünscht sich ein Dreamteam mit Obama. Der aber zaudert, wie
berichtet.
Und das will er auch nutzen: Bei der Wahl des Vize-Kandidaten gehe es ihm nicht in erster Linie darum, die Partei zusammenzuführen. Sein Auswahlprozess basiere nicht auf politischem Kalkül, zitierte die Zeitung «The Hill» einen Vertrauten Obamas. Der Senator fürchtet, dass ihm die Kür Hillarys als Signal der Schwäche ausgelegt werden könnte. Auch seine Botschaft des Wandels und der Hoffnung dürfte mit Hillary Clinton an seiner Seite an Glaubwürdigkeit verlieren. Ein Kommentator des Magazins «Weekly Standard» malte sich denn auch aus, wie das Ehepaar Clinton im Admiralty House – dem Sitz des Stellverteters – sein eigenes politisches Süppchen kocht.
Aber Obama braucht einen Ersatz, um die Anhänger Hillarys nicht zu vergraulen: Vergangene Woche beauftragte Obama Jim Johnson damit, den Auswahlprozess einzuleiten. Johnson war in dieser Funktion bereits vor vier Jahren für John Kerry tätig. Als Favoritin gilt unter anderem Kathleen Sebelius: Sie hat sich als Gouverneurin von Kansas in einem republikanischen Bundesstaat durchgesetzt. Die grauhaarige Demokratin würde dem Senator mit ihren 60 Jahren und ihrer langjährigen Erfahrung gut zur Seite stehen, denn oft genug wird ihm vorgeworfen, er sei zu jung und zu unerfahren für den Posten im Weißen Haus. Zudem könnte sie die weißen, weiblichen Hillary-Fans für ihn gewinnen.In die engere Auswahl gehören auch die beiden überzeugten Clinton-Anhänger Ed Rendell und Ted Strickland, Gouverneur von Ohio. Die beiden sind vor allem interessant, weil Obama mit ihrer Hilfe wenigstens einen der beiden hart umkämpften Schlüsselstaaten im November gewinnen könnte. Heiß gehandelt werden auch der frühere Senator John Edwards, der schon 2004 für das Vize-Amt nominiert war, und Bill Richardson. Der Gouverneur von New Mexico ist lateinamerikanischer Abstammung und vor allem deshalb bei den Hispanics beliebt.
Obama lässt sich nicht drängen: Er weiß, wie wichtig die Wahl eines Vize-Kandidaten ist. Für wen auch immer er sich entscheidet, es wird sehr viel über ihn selbst aussagen. Und die Wähler seien begierig, mehr von ihm zu erfahren, meint Politstratege Tad Divine. «Allerdings», resümiert US-Kolumnist Tucker Carlson, «die Sache mit dem Vize ist ein bißchen wie Sex. Wenn es passiert, gibt es nur das eine und nichts anderes. Aber sobald es vorbei ist, weiß man kaum noch, warum es eigentlich wichtig war.»