29.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Oft werden einfache Küchenmesser zu blutigen Tatwaffen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Mutter eines Opfers kritisiert die brutale Kampagne der britischen Polizei als Geldverschwendung. Die will mit Schock-Bildern von offenen Wunden gegen Teenager-Gewalt kämpfen.
Meistens ist es das ganz normale Küchenmesser: Deswegen setzt Scotland Yard jetzt mit einer breit angelegte Öffentlichkeitskampagne gegen Messer, die blutige Gewalt unter Jugendlichen zu verhindern: «Operation Blunt 2».
Teils grauenvolle Bilder der Opfer von Messerstechereien werden in Form von Werbung auf Websites, Handys und in Internetforen veröffentlicht. Parallel zur Bekanntgabe dieser Bilder- und Videokampagne im Internet meldete Scotland Yard am Donnerstag einen weiteren Mord an einem Teenager in London. Der 17- jährige sei bereits am Wochenende mit einem Kopfschuss aufgefunden worden und in der Nacht zum Donnerstag seiner schweren Verletzung erlegen. Er wurde seit Jahresbeginn allein in London bereits das 15. Opfer von Mordtaten an Teenagern.
Klaffende Wunde mit EingeweidenAuf den Bildern von Gewaltopfern ist unter anderem eine klaffende Wunde zu sehen, aus der Eingeweide herausdrängen. Ein Foto zeigt einen Mann, in dessen blutender Brust ein Messer und ein Schraubenzieher stecken. Auf anderen Bildern sind Wunden zu sehen, die mit Messern zugefügt wurden und bis auf die Knochen reichen. Daneben werden in Audioaufnahmen die Qualen von Gewaltopfern geschildert. Außerdem gibt es ein Video, das blutige Verletzungen verursacht durch Messerstiche zeigt.
Die Mutter eines Opfers kommentierte das als «Geldverschwendung»: Sie sollten zu den Wurzeln vordringen und etwas in der Gesellschaft verändern. Ihr Sohn war sechsmal mit einem Messer in Rücken, Arm und Lunge gestochen worden und überlebte knapp.
200 Festnahmen in zwei WochenScotland-Yard-Chef Ian Blair erneuerte am Donnerstag seinen Appell an Eltern, ihre Kinder nicht mit Messern oder anderen Waffen auf die Straße gehen zu lassen. Die meisten Messer, die bei Angriffen auf Jugendliche verwendet werden, stammten aus normalen Küchenschränken, erklärte Blair. Die Londoner Polizei habe in den vergangenen Wochen ihre Aktionen zur Durchsuchung verdächtig wirkender Jugendlicher erheblich verstärkt.
Bei mehr als 4000 solcher Durchsuchungen allein in den letzten 14 Tagen seien 200 Jugendliche wegen des Besitzes von großen Messern und anderen Waffen festgenommen worden. Blair richtete eine Warnung an Jugendliche in London: «Es ist wird immer wahrscheinlicher, dass Ihr gestoppt und durchsucht werdet. Wenn wir Messer bei Euch finden, werdet ihr festgenommen und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Ihr dann auch angeklagt werdet.» (dpa/nz)