Vorwürfe von Ex-Sprecher:
Bush hat für Irakkrieg getrickst und betrogen
28.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Was sie daraus zitieren, ist atemberaubend. Bush habe die Öffentlichkeit in Sachen Irakkrieg systematisch hinters Licht geführt. Statt den Konflikt zu verhindern, habe der Präsident «die Krise so gemanagt (...), dass so gut wie garantiert war, dass der Krieg als einzige machbare Möglichkeit übrig blieb». CNN brachte es so auf den Punkt: «McClellan hat Schockwellen über Washington ausgelöst.»
Die schärfsten Gegner des Irakkrieges und Bush-Kritiker können sich bestätigt fühlen. Zwar sind viele Vorwürfe nicht ganz neu, wohl aber, dass sie von einem langjährigen, engsten Vertrauten in aller Länge publik gemacht werden. Bush und McClellan waren «Buddies» (Kumpels) aus alten Texas Zeiten, noch bei seiner Verabschiedung vor zwei Jahren lobte Bush die «Klasse und die Integrität» des Sprechers.
Statt politischer Substanz und sachlich-professioneller Abwägung hätten Bush und seine Mannen eine «politische Propaganda-Kampagne» geführt. Strippenzieher hinter den Kulissen sei Vizepräsident Dick Cheney gewesen, den McClellan als einen «Zauberer» beschreibt, der Politik macht, ohne dabei Fingerabdrücke zu hinterlassen.
«Selling the War» (Den Krieg verkaufen) ist eines der Schlüsselkapitel überschrieben. Das Fazit des Buches heißt kurz und vernichtend: «Der Irakkrieg war nicht notwendig.» Selbst vor Persönlichem macht der Autor nicht halt. Laut «Washington Post» erzählt er in dem Buch, wie er im Wahlkampf 2000 ein Telefongespräch Bushs gehört habe, in dem dieser meinte, er «könne sich nicht erinnern, ob er Kokain nahm». Wie kann das sein?, habe sich der Autor entsetzt gefragt.
Schwere Sorge muss sich jetzt der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat McCain machen. Der 71-jährige Vietnamveteran fürchtet seit längerem, dass der lange Schatten des ungeliebten Präsidenten ihm die Wahl im November vermasseln könnte. McCain tritt im Gegensatz zu den demokratischen Bewerbern Barack Obama und Hillary Clinton für ein längeres Verbleiben der US-Truppen im Irak ein. Eine weitere Unterstützung für das «Abenteuer Irak» könnte McCain jetzt noch mehr Stimmen kosten. (Peer Meinert, dpa)

